Stadtgeschichte

Mutter Stallbohm – Die Süßigkeitenhändlerin mit Geschichte

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Heute steht ein Springbrunnen, wo bis 1949 das Haus von „Mutter Stallbohm“ Stand.

Der Mutter Stallboms Plads in Apenrade liegt zentral in der Fußgängerstraße. Benannt ist er nach der Bewohnerin des Hauses, das dort von 1610 bis zum Jahre 1949 lag und dann abgerissen wurde. Sie war neben der süßen Sachen auch für andere Dinge im Gespräch.

Wer durch die Fußgängerzone in Apenrade schlendert, stößt auf ein eisernes Schild am Brunnen mit der Aufschrift „Mutter Stallbohms Plads“. Es erinnert an Wilhelmine Luise Marie Christine Stallbohm, die hier einst lebte und im Volksmund als „Mutter Stallbohm“ oder auf Dänisch „Mudde Stallbohm“ bekannt war.

Ein Haus mit Geschichte

Ein Schild am Platz macht auf „Mutter Stallbohm“ aufmerksam.

Ihr Haus stand bis 1949 genau an dieser Stelle. Erbaut wurde es bereits 1610. Nach einem Brand im 17. Jahrhundert wurde die Fassade erneuert, und es prägte über viele Jahrzehnte das Stadtbild im Apenrader Zentrum.

Vom kleinen Mädchen zur bekannten Händlerin

Wilhelmine Stallbohm wurde am 18. Juni 1880 in Schleswig geboren. Als sie etwa fünf Jahre alt war, zog ihre Familie nach Apenrade, wo ihr Bruder Hermann 1887 geboren wurde. Ihr Vater Wilhelm Stallbohm (geboren 1854 in Kiel) taucht später in den Volkszählungen auf – allerdings ohne seine Frau Christine (geboren 1849 in Schleswig). Die Familie lebte im Haus an der Storegade.

Das Süßigkeiten-Fenster und mehr

Bis in die 1940er-Jahre wohnte Wilhelmine Stallbohm in dem Haus. Sie blieb unverheiratet und betrieb einen kleinen Handel aus einem Fenster ihres Hauses heraus. Süßigkeiten für zwei oder fünf Øre verkaufte sie in alten Zeitungsseiten verpackt, die Spuren von Druckerschwärze auf Händen, Kleidung und den Süßigkeiten hinterließen. Auch Zigaretten gab es einzeln zu kaufen – das weiß man aus Erinnerungen des verstorbenen Lokalhistorikers Frands Gregersen.

Gerüchte und eine Schankwirtschaft

Im Hinterhaus ihres Anwesens soll es zudem eine Schankwirtschaft gegeben haben. Und laut Erzählungen bot sie möglicherweise auch weitere Dienste an, was ihr einen gewissen Ruf in der Stadt einbrachte.

Erinnerung im Museum

Das Modell des Mutter Stallbohms Hauses hat Jens Closter Apenrade nach alten Plänen gebaut.

In den offiziellen Aufzeichnungen der Volkszählung wurde sie als Händlerin (handelsker) geführt. Wer sich ein Bild ihres Hauses machen möchte, kann es in Aarhus besichtigen: Im Museum „Den Gamle By“ steht eine detailgetreue Nachbildung ihres Hauses und lässt die Geschichte von Mutter Stallbohm weiterleben.

Namensvergabe mit Schwierigkeiten

Bei der Namensgebung des Platzes hatte es Diskussionen im damaligen Stadtrat gegeben: Man war sich nicht einig, ob der Platz so heißen sollte, wie er im Volksmund genannt wurde, denn erstens war Mutter Stallbohm deutsch und deutsch-gesinnt und zweitens gab es ihren zweifelhaften Ruf.

Letztlich erhielt der Volksmund die Mehrheit.

Mutter Stallbohm

In Geschichtsbüchern und in Zeitungsartikeln ist der Name Wilhelmine Stahlbom genannt. Zudem wird ihr Vorname teilweise „Vilhelmine“ geschrieben.

Der Wechsel der Buchstaben in Vor- und Nachnamen rührt wahrscheinlich von einer Anpassung an die dänische Schreibweise her.