Literatur

„Ich komme jede Woche“ – Warum ein Däne die deutsche Bücherei liebt

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Besonders gerne liest Karup Literatur, die sich mit geschichtlichen Ereignissen befasst.

Ein Däne und seine Liebe zur deutschen Literatur: Ein Buchprojekt führte Svend Aage Karup als jungen Lehrer in die deutsche Bücherei – bis heute kommt er wöchentlich in die Filiale in Hadersleben, um seine literarische „Dosis“ abzuholen. Welchen Service er dort besonders schätzt, hat der 80-Jährige dem „Nordschleswiger“ erzählt.

„Das erste Mal hat es mich für ein Buchprojekt in die deutsche Bücherei in Tondern verschlagen“, erzählt Svend Aage Karup und lässt sich an einem sonnenüberfluteten Tisch in der deutschen Bücherei in Hadersleben (Haderslev) nieder.

Es ist das Jahr 1973, und der junge Lehrer hat gerade begonnen, am Tønder Seminarium Deutsch zu unterrichten. Nebenbei hat er sich vorgenommen, ein Quellenheft über die Weimarer Republik zu erstellen.

Herzlicher Empfang in Tondern

„So habe ich recht schnell die Bücherei aufgesucht und bereits für mein erstes Schreibprojekt viele Quellen von dort bezogen.“ Dabei blieb es nicht: Weitere Nachschlagewerke folgten – und damit auch weitere Besuche in der deutschen Bücherei in Tondern (Tønder).

Karup erinnert sich besonders lebhaft an den positiven ersten Eindruck, den die Tonderner Filiale damals auf ihn machte – nicht zuletzt wegen der damaligen Bibliotheksleiterin Marianne Jürgensen. „Sie gab mir sofort das Gefühl, herzlich willkommen zu sein.“

Heute breitet er sorgfältig beschriebene Zettel vor sich auf dem Tisch aus. Er hat notiert, was für das Gespräch von Interesse sein könnte. Neben Autorinnen und Autoren, die ihn besonders beeindruckt haben, stehen Themen, die ihn seit Jahrzehnten begleiten: Landeskunde, auf Deutsch geschriebene Migrationsliteratur und die Wendezeit.

Der 80-Jährige hat weder familiäre Verbindungen zur deutschen Minderheit noch besondere biografische Bezüge zu Deutschland. „Sprache, Kultur und Geschichte haben mich einfach schon früh fasziniert.“ Warum genau, kann er nicht mit Sicherheit sagen – doch vielleicht lag es an seiner Deutschlehrerin am Gymnasium: Sie stammte aus Köln und verstand es, einen lebendigen Unterricht zu gestalten.

Neben seinen Notizen liegt ein Stapel frischer Lektüre, den er sich noch vor dem Gespräch gesichert hat – darunter eine der renommiertesten deutschen Wochenzeitungen: „Die Zeit“.
„Ich komme jede Woche hierher, um mir diese Zeitung zu holen“, sagt er.

Auch wenn Svend Aage Karup allgemein viel liest – sind es mehr deutsche als dänische Bücher.

Auf der 40 mal 57 Zentimeter großen Zeitung liegt das Sachbuch mit dem Titel „Marseille 1940 – Die große Flucht der Literatur“. „Ein ganz tolles Buch, das ich mir jetzt zum zweiten Mal ausleihe.“ Ohne die Deutsche Bücherei Hadersleben hätte er es vermutlich nie entdeckt, sagt Karup.

Ob Ost- oder West-Nordschleswig – Karup findet immer zur deutschen Bücherei

1991 führte ihn seine berufliche Laufbahn nach Hadersleben, an das Haderslev Seminarium, wo er weiterhin angehende Lehrerinnen und Lehrer im Fach Deutsch unterrichtete. „Auch hier habe ich gleich wieder die deutsche Bücherei aufgesucht – und seither regelmäßig besucht.“

Der Besuch ist längst zur Gewohnheit geworden, die er nicht missen möchte.

„Der Service ist hervorragend“, betont er. Und hat Karup spezielle Literaturwünsche, werden keine Mühen gescheut, ihm diese möglichst zu erfüllen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Vortrag über Bauhaus, den er vor einigen Jahren gehalten hat. Auch damals habe ihn das Büchereiteam bei der Recherche umfassend unterstützt.

Literatur als Passion

Karup ist ein Mensch, dessen Begeisterung deutlich in Stimme, Gestik und Mimik zum Ausdruck kommt. Wenn er über den Roman „Vom Norden rollt ein Donner“ von Markus Thielemann spricht, klingt fast Zärtlichkeit mit. Und wenn er von einem seiner Lieblingsautoren, Friedrich Christian Delius, erzählt, kann man in seinen strahlenden Augen ehrliche Bewunderung erkennen.

Er ist dankbar für die Welten, die ihm die deutsche Bücherei eröffnet. „Dänemark ist ein kleines Land, und bei der Fachliteratur, die herausgegeben wird, handelt es sich meistens um Übersetzungen.“ Grundlegend neue Literatur oder Fachbücher würden, so Karup, nur selten veröffentlicht.

Natürlich lese er auch weiterhin dänische Bücher – „aber die deutsche Literatur überwiegt inzwischen schon.“

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