Lokalhistorie

Ein schweres Stück Tonderner Geschichte zieht ins Museum nach Aarhus

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Zwei Mitarbeiter des Freilichtmuseums in Aarhus nahmen die Registrierkasse entgegen.

Vier Generationen, zwei Läden und unzählige Verkäufe: Ein historischer Kassenapparat aus der Wiedaustadt hat nun in „Den Gamle By“ in Aarhus ein neues Zuhause gefunden. Ein Stück Stadt- und Familiengeschichte geht auf Reisen – und bleibt erhalten.

Wer früher in Tondern Eisen- oder Haushaltswaren bei Nic. Andresen einkaufen ging – sei es in der Storegade oder später in der Vestergade –, erinnert sich vielleicht an das markante „Büdchen“ mit der Glaswand, hinter der Lisa Thietjeund vor ihr „Fräulein“ Kaden –mit ruhiger Hand und freundlicher Mimik abkassierte, während das Fachpersonal die gewählte Ware transportsicher oder als Geschenk verpackte. Vor ihr: ein massiver, mechanischer Kassenapparat, der jahrzehntelang die Einnahmen der Familie Andresen zählte – und jetzt, 2025, seinen Weg ins Museum gefunden hat.

„Dass die Kasse etwas Besonderes ist, war mir schon immer klar“, sagt Dirk Andresen, der 66-jährige Urenkel des Erstbesitzers. „Sie hat vier Generationen gedient – meinem Urgroßvater, meinem Großvater, meinem Vater und auch mir, wenn auch nur für ein paar Jahre.“

Von der Großen Straße nach Aarhus

Die Geschichte des Apparats beginnt vermutlich nach 1920, denn auf ihm steht bereits die Währungsbezeichnung „Kroner“. Es handelt sich um ein amerikanisches Fabrikat der Marke National wuchtig, robust, schwer: „gefühlt 400 Kilo“, wie Dirk Andresen augenzwinkernd sagt.

Angeschafft wurde die Kasse von Nicolaus Andresen in dem nach ihm benannten Haushaltswarenladen in der damaligen Großen Straße (heute: Storegade 18). Später wanderte sie mit dem Familienbetrieb in die Vestergade 39, als man das Geschäft M. C. Christiansen übernahm. In beiden Geschäften gehörte sie über Jahrzehnte zum festen Inventar – ein Symbol für Beständigkeit im Einzelhandel einer sich wandelnden Stadt.

Bei der Registrierkasse handelt es sich um ein amerikanisches Fabrikat der Marke „National“ (Bildausschnitt).

Statt Schrottplatz: Ein Platz im Museum

Nach dem Verkauf seines Anwesens in der Fußgängerzone in diesem Sommer an Frank Hoffmann, einen Unternehmer aus Tondern, musste Dirk Andresen kürzlich Lager und Räumlichkeiten räumen – darunter auch das sperrige Erbstück. „Natürlich hätten wir die Kasse an einen Sammler verkaufen oder sie einfach dem Schrott überlassen können“, sagt er. „Aber wir wollten, dass sie erhalten bleibt – am besten an einem Ort, wo viele Menschen etwas davon haben.“

Ein Bekannter brachte ihn auf die Idee, sich an das Freilichtmuseum „Den Gamle By“ in Aarhus zu wenden. Ein paar Fotos per Mail – und nur kurze Zeit später meldete sich Museumsinspektor Peter Bjerrum persönlich. Er zeigte großes Interesse, konnte zwar nicht versprechen, dass das Gerät sofort ausgestellt werde, aber die hauseigenen Experten würden es restaurieren und – mit etwas Glück – auch irgendwann in eine Ausstellung integrieren.

„Ich war ehrlich gesagt beeindruckt von der schnellen und positiven Reaktion“, erzählt Dirk Andresen. „Man merkte sofort: Die wissen, was sie da bekommen.“

Logistik mit Muskelkraft und Paletten

Der Fotograf muss Lisa Thietje in einem für sie untypischen Moment erwischt haben. Der Kundschaft begegnete sie stets fröhlich und aufgeschlossen. Dabei verrichtete sie ihre Arbeit gewissenhaft.

Der Transport erwies sich dann als eine Herausforderung. Eigens wurde ein stabiler Kastenwagen angemietet, Freunde packten mit an. „Das Ding ist so schwer – ich weiß jetzt auch, warum es nie jemand gestohlen hat“, scherzt der 66-Jährige. In Aarhus angekommen, wusste das Museumsteam genau, was zu tun war: „Sie haben Paletten aufeinander gestapelt, bis sie auf Höhe der Ladefläche waren – und dann wurde der Apparat ganz ruhig und professionell herausgezogen. Allein das hat mich beeindruckt und darin bestärkt, dass der Apparat in Aarhus sehr gut aufgehoben ist.“

Am 16. September war es soweit: Die alte Ladenkasse wechselte offiziell den Standort – nach mehr als 100 Jahren in privatem Besitz.

Eine Geschichte zum Anfassen

Die Restaurierung steht noch bevor, das Alter soll noch genauer datiert werden. Dirk Andresen hofft, dass der Apparat bald wieder in neuem Glanz erstrahlt – und Teil einer der Ausstellungen über die Entwicklung der dänischen Marktstädte wird.

Für ihn ist die Kasse mehr als nur ein Gerät: „Sie steht für den Alltag, den meine Familie und viele Menschen in Tondern über Generationen hinweg erlebt haben. Dass sie jetzt in Aarhus ein neues, sicheres Zuhause gefunden hat, freut mich sehr.“

Den Gamle By in Aarhus

Das Freilichtmuseum „Den Gamle By“ zeigt dänische Stadtgeschichte anhand originalgetreu eingerichteter Häuser, Geschäfte und Werkstätten aus mehreren Jahrhunderten. Die Sammlung umfasst auch Objekte aus dem 20. und inzwischen sogar aus dem 21. Jahrhundert – Alltagsgegenstände, Möbel, Ladeninventar.
Adresse: Viborgvej 2, 8000 Aarhus C
Eröffnet: 1914
Gründer: Peter Holm
Öffnungszeiten: Das Museum ist täglich ab 10 Uhr geöffnet – an allen 365 Tagen des Jahres. Die Schließzeiten variieren. Meistens werden die Tore um 17 Uhr geschlossen.
www.dengamleby.dk