Leserbrief

„Leserbrief zur Situation im Kindergarten Tingleff“

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Anna und Stig Kindberg

Anna und Stig Kindberg haben als betroffene Eltern folgenden Leserbrief über die in ihren Augen missliche Lage im Deutschen Kindergarten Tingleff verfasst.

Man stelle sich einen ganz normalen dreijährigen Kindergeburtstag vor. Fünf Elternteile feiern mit ihren Kindern ganz normal das Geburtstagskind. Alle haben sich in der deutschen Krippe und Kindergarten in Tingleff kennengelernt, und auch die Kinder sind hier ganz normal Spielkameraden und Freunde geworden. Ganz normal, wie in jeder Krippe und in jedem Kindergarten. Ganz normal ist auch, dass es immer schwieriger wird, die Relationen zu halten, denn ganz normal sind die Kinder nicht mehr zusammen im Kindergarten …

Moment mal, hier scheint irgendwas ja doch nicht ganz normal zu sein? Ja, das stimmt wohl, denn ein Elternteil hat ihr Kind schon abgemeldet, und das Kind geht nun in den dänischen Kindergarten. Zwei Elternteile haben schon ein konkretes Datum, an dem auch ihre Kinder die deutschen Institutionen verlassen. Der vierte Elternteil wird wohl letztlich auch dem Deutschen Kindergarten den Rücken kehren, ein Plan dafür ist schon gelegt, ja und der letzte Elternteil?

Ja, der letzte Elternteil sind wir. Ein Sohn in der 0. Klasse an der Deutschen Schule Tingleff und eine dreijährige Tochter noch im Kindergarten ebenfalls in Tingleff. Und auch wir sind kurz davor, uns ein Abmeldeformular im Kindergarten aushändigen zu lassen. Wir wollen es nicht und kämpfen noch dagegen an, aber wie lange können wir noch?

Was ist passiert? Als eine Familie, die in Nord- und Südschleswig zu Hause war und ist, die täglich ein Mischmasch aus Deutsch und Dänisch redet und lebt und für die beide Kulturen wichtig sind, war bei der Geburt unseres Sohnes klar: Wir wählen aktiv die deutsche Minderheit in Dänemark. Alles war prima, und so entschieden wir auch, dass unsere Tochter unserem Sohn folgen sollte. Leider überschlugen sich die Ereignisse kurz darauf.

Der DSSV vermeldete „seine“ große Reform: Alle deutschen Kindergärten in der Apenrader Kommune sollten nun fusionieren. Wir erinnern uns noch gut, wie uns Honig um den Mund geschmiert wurde. Alles würde besser werden. Aber war es denn so schlecht in unserem Verband aus drei Kindergärten/Krippen unter „Wir drei“? Nicht wirklich, oder?

Die Fusion wurde durchgezogen und der DKA (Deutsche Kindergärten Apenrade) hatte nun zentral das Sagen. Der erste Schreck: Das bekannte Reinigungspersonal wurde entlassen. Warum? Geld! Und so ging es still und heimlich weiter. Unser Sohn, damals in einem Verlauf mit dem Kindergarten und der Kommune, wurde zwischen wechselnden Leitungen von der neuen DKA vergessen, und ehe wir uns versahen, rutschte alles ab. 2024 wurde der Tiefpunkt der Geschichte der Krippe und des Kindergartens in Tingleff: Reihenweise Personal kündigt, Familien entscheiden sich gegen die DKA und melden ihre Kinder im dänischen System an. Elternteile nehmen ihre Kinder aus dem deutschen Kindergarten und der Krippe, und egal auf welchem Geburtstag man ist, das Thema ist dasselbe: Wer geht als Nächstes vom Personal, wem wird gekündigt, welche Kinder sind noch da? Und jeder ist unzufrieden.

Im November des vergangenen Jahres stellten sich dann die Vertreter des DKA und des DSSV den aufgebrachten und verunsicherten Eltern. Endlich, aber viel zu spät, war man den weiten Weg von Apenrade nach Tingleff gekommen. Schuld waren aber offenbar alle anderen und immer die, die nicht mehr da waren. So wurde es wörtlich von der Leitung mitgeteilt. Man selber wollte ja nur das Beste. Wie Politiker von oben wurde nun zu uns Eltern gesprochen. Alles wurde versprochen. Alle Fragen konnten dann aber nicht beantwortet werden, man musste weiter oder wollte Feierabend machen? Zwei Stunden für die Eltern müssen ja dann auch reichen, wenn die Bude brennt!

Und heute? Fast nichts von dem Versprochenen wurde gehalten: Eine einzige Zusammenfassung eines Referats einer Elternvertretungssitzung ist an die Eltern gegeben worden. Und sonst ist alles normal: Personal hat wieder gekündigt, es gibt noch mehr Vikare, und es gibt noch mehr Eltern, die einen Schlussstrich ziehen. Verzweifelte Eltern, die schon gar nicht mehr wissen, ob im Jahrgang ihres Kindes noch andere Kinder sind, mit denen sie vielleicht, vielleicht aber auch nicht zur Schule kommen. Ach ja: am 24. Februar stellen sich die Politiker, oder waren es die Vertreter des DKA/DSSV´s, den Eltern noch mal vor. „Die Eltern hatten drum gebeten“ stand in der Mitteilung. Und sonst das gleiche Versteckspiel hinter ach so wichtigen Satzungen, man dürfe ja nichts sagen, aber man habe keine Schuld.

Da bleiben wir zurück und fragen uns, warum nicht auch wir nun den Schlussstrich ziehen und unser Kind in das dänische System geben sollten. Weil wir nicht wollen, weil wir Deutsch und Dänisch leben und auch unsere Tochter das erleben soll, was unser Sohn erlebt. Daher geben wir noch nicht auf. Ja, an die Kommune haben wir uns verzweifelt mit Bitte um Hilfe gewandt und auch an Arbejdstilsyn, die angeblich schon ein „Forløb“ mit dem Kindergarten haben, haben wir uns gewandt und berichtet, dass da gar nichts passiert. Und nun richten wir uns auch an die Minderheit selbst: Wollt ihr, dass der Nachwuchs bald nicht mehr da ist? Warum ist dem „Nordschleswiger“ nicht aufgefallen, was hier passiert? Und auch an die richtigen Politiker: Wollt Ihr, dass der DSSV an der Wurzel der Minderheit spart und sie letztlich kaputtspart? Sind unsere Kinder nicht die Zukunft der Minderheit? Ehrlich: Macht so weiter und die neuen Jahrgänge in der Deutschen Schule in Tingleff werden ziemlich klein oder gar nicht mehr da sein. Und anderswo soll es ja auch nicht so gut laufen, sagen die Rauchzeichen.

Nein, wir haben noch nicht aufgegeben, aber ein Plan B liegt auch bei uns in der Schublade. Ob dieser Realität wird, steht in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar fest. Es wäre eigentlich ganz normal, dass wir allen anderen folgen. Ob unsere Tochter mit der Schule wieder unserem Sohn folgt? Glaubt Ihr noch selber dran? Alles doch ganz normal …

Anna und Stig Kindberg,
Stadionvej 8, 6392 Bolderslev

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