Deutsche Minderheit

Heimatwanderclub Nordschleswig hat sich aufgelöst

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Der Heimatwanderclub fand über die Jahrzehnte hinweg immer wieder andere lohnenswerte Wanderziele. Im Jahr 2021 wurde unter anderem die Tonderner Marsch erkundet (Archivfoto).

Mehr als 50 Jahre lang war der Heimatwanderclub Nordschleswig eine feste Größe im Vereinsleben der deutschen Minderheit – mit regelmäßigen Spaziergängen in die entlegensten Ecken der Region. Nun ist Schluss. Der Grund: fehlender Nachwuchs und ein gewandeltes Freizeitverhalten.

Der Heimatwanderclub Nordschleswig ist Geschichte. Auf der Generalversammlung Mitte September im Haus Quickborn in Kollund beschlossen die verbliebenen Mitglieder einstimmig, die Aktivitäten einzustellen. Damit schließt sich ein Kapitel, das für viele Menschen in Nordschleswig über Jahrzehnte mit Naturerfahrungen, zwischenmenschlichem Austausch und der Entdeckung ihrer Heimat verknüpft war.

„Es ist zwar schade, aber die Beteiligung wurde immer geringer“, sagt der letzte Vorsitzende Fedder Feddersen, Tondern (Tønder), im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“. Die Gründe dafür seien vielschichtig – doch vor allem mangele es an Jüngeren, die sich dem Angebot anschließen wollen.

„Viele unserer treuen Teilnehmenden sind inzwischen hochbetagt oder leider verstorben. Und obwohl wir unser Programm über die Jahre hinweg angepasst haben, ist das Interesse immer weiter zurückgegangen“, so Feddersen, der selbst zur jüngeren Generation im Club gehörte.

Auch die Konkurrenz habe zugenommen: „Gerade im Bereich gemeinschaftlicher Wanderungen sind mittlerweile mehrere andere Vereine aktiv – auch in der Minderheit. Es scheint, als sei unsere Zeit einfach vorbei.“

Viel Engagement, wenig Resonanz

Die Organisation der Wanderungen sei mit nicht unerheblichem Aufwand verbunden gewesen – und immer häufiger sei die Zahl der Teilnehmenden so gering gewesen, dass sich der Aufwand nicht mehr gelohnt habe. „Wenn dann kaum jemand kommt, muss man irgendwann die Reißleine ziehen“, erklärt Feddersen.

Eine, die den Wandel ebenfalls miterlebt hat, ist Gudrun Struve aus Apenrade (Aabenraa). Nach dem plötzlichen Tod von Edda Matzen im Jahr 2017 übernahm sie die Organisation der Wanderungen. „Wann genau ich angefangen habe, weiß ich gar nicht mehr. Aber ich habe mal nachgezählt – es waren sieben Jahresausflüge, die ich geplant habe. Also müsste ich ab der Saison 2018 übernommen haben.“

Der Abschied fällt ihr nicht leicht, aber sie sagt mit einem gewissen Realismus: „Alles hat seine Zeit. Das Interesse ist einfach geschwunden – das müssen wir akzeptieren.“

Die Heimat im Blick – von Anfang an

An der Idee selbst, so ist sich Gudrun Struve sicher, habe es nicht gelegen. „Die Leute wollen einfach nicht mehr so weit fahren, um gemeinsam zu spazieren. Aber genau das war ja der Zweck des Clubs: die nordschleswigsche Heimat kennenzulernen und zu erkunden.“

Die Anfänge reichen weit zurück – mehr als 50 Jahre, wie sie erzählt. „Ingrid Brase hatte damals die Idee. Zwei Menschen trafen sich mit ihren Hunden zum Spazierengehen in Tingleff – daraus wurde eine Bewegung. Immer mehr Bekannte und Freunde kamen dazu, auch ohne Hund. Nicht nur die Gruppe wurde größer, auch der Radius, der erkundet wurde. Schließlich wurde der Heimatwanderclub gegründet.“ Aus dem Heimatwanderclub wurde dann irgendwann offiziell der Heimatwanderclub Nordschleswig.

Brase führte über Jahre hinweg akribisch Buch über die Aktivitäten des Vereins. Sie legte eine Art Wandertagebuch an, machte Notizen, sammelte Zeitungsausschnitte und fertigte sogar Zeichnungen an. Edda Matzen führte das Tagebuch mit genauso viel Hingabe fort. Diese und ihre eigenen Dokumente übergab Gudrun Struve später dem Museum der deutschen Minderheit in Sonderburg (Sønderborg) – damit die Geschichte des Clubs nicht in Vergessenheit gerät.

Ein leiser Abschied

Auch wenn der Verein nun aufgelöst ist, hinterlässt er Spuren – bei jenen, die viele Kilometer durch Nordschleswig gelaufen sind und die Landschaft aus einer besonderen Perspektive erleben durften.

„Natürlich bin ich traurig, dass der Heimatwanderclub sein Wirken eingestellt hat“, sagt Gudrun Struve. „Aber manchmal muss man einfach erkennen, wann es Zeit ist, loszulassen.“