Geschichte

Restaurierte Grabzeichen auf dem Tonderner Friedhof sind zurück

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Jahrelang waren die Inschriften der Grabplatten kaum zu entziffern und der Rost hatte stark am gusseisernen Zaun genagt.

Zum Volkstrauertag erstrahlen historische Gräber in neuem Glanz. Nordschleswigsche Handwerksbetriebe haben dank des Einsatzes der Kriegsgräberfürsorge in Nordschleswig ein Stück deutsch-dänischer Geschichte wieder sichtbar gemacht.

Auf dem Tonderner Friedhof ist in den vergangenen Wochen leise, aber bedeutende Geschichtspflege betrieben worden. Pünktlich zum Volkstrauertag am kommenden Sonntag, 16. November, sind die Grabzeichen von sieben Soldaten der Schleswig-Holsteinischen Erhebung von 1848 bis 1851 restauriert und wieder aufgestellt worden. Damit erhält ein bisher oft übersehenes Stück lokaler Erinnerungskultur neuen Glanz – und Bedeutung für eine Stadt, die wie kaum eine andere zwischen deutscher und dänischer Geschichte steht.

Die sieben gusseisernen Grabzeichen erinnern an junge Männer im Alter von 20 bis 29 Jahren, die im damaligen Tonderner Lazarett ihren Verletzungen erlagen. Ihre Namen – Hans Petersen, Heinrich Techau, Gottlieb Rothe, August Haewisch, Mathias Hein, Friedrich Buhbach und H. H. Rothgarn – erzählen von Lebenswegen, die in Husum, auf Fehmarn, in Kassel, in Bülichau, Wensin und Reinbeck begannen und in Tondern ihr Ende fanden.

Ein Ort, an dem Geschichte sichtbar bleibt

Dass die Anlage heute wieder in würdigem Zustand ist, ist dem Dänemark-Beauftragten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Eggert Mumberg aus Sonderburg (Sønderborg), zu verdanken. Bei einem Besuch anlässlich des Volkstrauertags in Tondern vor wenigen Jahren war er auf das sanierungsbedürftige eiserne Gitter und die sieben Namensplatten aufmerksam geworden und kümmerte sich.

„Die Grabzeichen auf dem Friedhof in Tondern bestehen aus einem langen Gitter aus Gusseisen, auf dem sieben Eisenplatten mit dem Namen der dort beigesetzten schleswig-holsteinischen Soldaten angebracht sind. Da die ganze Anlage im Laufe der Jahre rostig geworden war, sah sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Auftrag der deutschen Botschaft in Kopenhagen veranlasst, Renovierungsarbeiten durchführen zu lassen, die schon in 2024 in Auftrag gegeben wurden“, berichtet Eggert Mumberg.

Zur Erläuterung: Die deutsche Botschaft übertrug 2004 die Pflege der historischen Gedenkstätten in Nordschleswig an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge; sie übernimmt jedoch die Kosten für die Pflege.

Der älteste, der auf dem Tonderner Friedhof beigesetzten Soldaten, war gerade einmal 29 Jahre alt.

Die Schmiedefirma Hans Schmidt & Sohn aus Auenbüll (Avnbøl) übernahm die Demontage und Wiederaufstellung, Syddansk Sandblæsning, ebenfalls aus Auenbüll, sorgte für die Reinigung und Neulackierung der Eisenteile, und der Steinmetzbetrieb Alssund Stenhuggeri aus Schnabek (Snogbæk) erneuerte die Beschriftungen.

Ein Krieg mit mehreren Bezeichnungen

„Die Schleswig-Holsteinische Erhebung war ein Ausläufer der deutschen Revolution von 1848, wo sich Bevölkerungen gegen die Fürstenherrschaft erhoben, um diese vom Thron zu stoßen. So auch in Kiel, nur hier war der Herrscher der dänische König und damit wurde dieser Aufstand zu einem Krieg zwischen Nationen. Die Kämpfe fanden vorwiegend entlang des alten Heerwegs statt, im östlichen Teil des Landes“, erläutert Mumberg die Hintergründe der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, die auch als Erster Schleswig-Holsteinischer Krieg bekannt ist. (Übrigens: Der deutsch-dänische Krieg 1864 wird folglich auch als Zweiter Schleswig-Holsteinischer Krieg bezeichnet.) In der dänischen Geschichtsschreibung ist für den Krieg 1848-1851 dagegen eher die Bezeichnung „Treårskrigen“ (Dreijahreskrieg) geläufig. 

Erinnerung als lokale Verantwortung

Durch die fachgerechte Behandlung kommen die Verzierungen auf den Grabplatten zur Geltung.

In Tondern hat die Erinnerung an die Opfer vergangener Kriege einen festen Platz im Jahreslauf. Der Volkstrauertag am kommenden Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem deutschen Gottesdienst in der Christkirche, anschließend werden auf dem Friedhof Kränze an drei Gedenksteinenniedergelegt. Machte man in den vergangenen Jahren einen Bogen um die verwitterten sieben Gräber, zumal die Inschriften kaum zu entziffern waren, so lohnt sich in diesem Jahr wieder der Besuch auch dieser Grabstätte. 

Die Restaurierung der Grabzeichen ist weit mehr als ein konservatorisches Projekt. Sie ist ein Zeichen, dass Tondern seine Geschichte kennt, pflegt und offen damit umgeht. Die Vergangenheit ist schließlich ein Teil der Gegenwart.

In Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst Tondern und der Deutschen Bücherei Tondern findet darüber hinaus am Mittwoch, 12. November, ein erweiteter Gemeindenachmittag im Brorsonhaus zum Thema Volkstrauertag statt. Beginn ist um 18 Uhr. 

Junge Männer, fern der Heimat gestorben

Die sieben in Tondern beigesetzten Soldaten starben zwischen 1848 und 1850 im dortigen Lazarett.