Gedenkfeier

Der Onkel von Jane Barclay starb vor 81 Jahren im Nørreskov

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Jane Barclay legte Dienstagabend zusammen mit ihrem Mann Brian Barclay am Gedenkstein für die 14 toten Soldaten Rosen nieder.

Die Kanadierin Jane Barclay ist nach Alsen gereist, um an der Gedenkfeier für ihren Onkel, Pilot Officer Hugh Norman McLeod, teilzunehmen. Vor 81 Jahren stürzte seine Bomberbesatzung im Wald ab. Warum sie sich auf den Weg gemacht hat.

Der Kanadier Hugh Norman McLeod war 21 Jahre jung, als er am 16. September 1944 in England in das Kampfflugzeug Halifax Mk. VII stieg. Einer seiner Kameraden war krank geworden – und Hugh Norman McLeod meldete sich freiwillig. Sein erster Einsatz als Bombenschützer an Bord. Und sein letzter. Auf dem Weg nach Kiel geriet die Halifax unter Beschuss – und stürzte zusammen mit einem weiteren Flugzeug der Alliierten über Alsen (Als) ab. Der 21-jährige Kanadier starb zusammen mit seiner Besatzung.

Mit einer feierlichen Gedenkveranstaltung im Wald Norderholz (Nørreskov) bei Norburg haben Angehörige und Gäste am Dienstagabend an den Absturz dieser zwei alliierten Bomber vor 81 Jahren erinnert.

Unter den Teilnehmenden befand sich auch Jane Barclay aus Kanada, die Nichte des Piloten und Officers Hugh Norman McLeod.

„Die Gedenkfeier war wie eine Beerdigung für meinen Onkel“

Die Mitglieder der Heimwehr trugen auch eine kanadische Flagge mit sich.

„Es bedeutet mir sehr viel, hier vor Ort zu sein und das Opfer meines Onkels zu würdigen“, sagte Barclay, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Brian den weiten Weg nach Alsen auf sich genommen hatte. „Wir waren 2015 schon einmal hier am Gedenkstein, doch damals haben wir die Zeremonie verpasst“, erzählt sie. „Mein Onkel war der Zwillingsbruder meiner Mutter. Die Gedenkfeier war wie eine Beerdigung für ihn, das hat mich unglaublich berührt.“

Die Kanadierin sagt: Auch wenn es schon 81 Jahre her ist, bleibt das Gedenken an die Opfer von damals wichtig. „Ich kannte meinen Onkel nicht, aber in unserer Familie wird viel von ihm gesprochen. Es zeigt, dass hinter jedem Toten in einem Krieg eine Familie, eine persönliche Geschichte steht. Das ist auch heute so, das sollten wir nie vergessen.“

Unter Beschuss geschah die Katastrophe

Die Gedenkfeier begann um 18.30 Uhr mit einem Marsch von der bewachsenen Buche („Den Lodne Bøg“) hinunter zum Gedenkhain „Englænderhøjen“, wo drei Gedenksteine an die gefallenen Flieger erinnern. Rund 50 Menschen nahmen an der Veranstaltung teil.

Auf dem Gedenkstein steht an zweitunterster Stelle der Name von Jane Barclays Onkel: Pilot Officer Hugh Norman McLeod.

Mehrere Fahnenträger des Kontaktausschusses für militärische Traditionen in Sonderburg und Umgebung begleiteten die Zeremonie. Auch Vertreter der Kommune sowie Mitglieder der Heimwehr nahmen teil.

Was ist damals passiert? Der Vorsitzende des Kontaktausschusses, Jens Peter Rasmussen, sagt: „Unseren neuen Erkenntnissen zufolge gerieten die Flugzeuge unter Beschuss durch einen deutschen Jägerpiloten. Vermutlich ist dabei eine der Bomben an Bord explodiert – und hat beide Flugzeuge und die gesamte Besatzung in den Tod gerissen.“

Am „Englænderhøjen“ im Nørreskoven steht seit Kriegsende ein Gedenkstein, zwei weitere wurden anlässlich des 75. Jahrestages im Jahr 2019 errichtet.

Für Jane Barclay und alle anderen Teilnehmenden ging es nach der Gedenkstunde mit dem persönlichen Rückblick weiter: In der Notmark-Schule erzählte sie anhand von alten Fotos aus dem kurzen Leben ihres Onkels. Ein Leben, das vor 81 Jahren auf Alsen endete.

Niels Peter Rasmussen hat zusammen mit Mitgliedern des Kontaktausschusses für militärische Traditionen in Sonderburg und Umgebung das Schicksal der Bombenflieger erforscht. Mittlerweile steht für sie fest: Die Flugzeuge standen unter Beschuss eines deutschen Kampfjets. Eine Bombe explodierte in der Luft und riss beide Flieger mit sich.

Die Kanadierin sagte: „Ich werde meiner Familie von diesem Ort erzählen und ihnen nahelegen, ebenfalls herzukommen. Dieser Ort ist etwas ganz Besonderes. Das Gedenken an jene Menschen, die damals ihr Leben gegeben haben, bleibt dadurch lebendig, und das hat mich zutiefst berührt.“

Absturz der Halifax-Bomber am 16. September 1944

Am 16. September 1944 ereignete sich im Nørreskoven südlich von Norburg ein schwerer Flugzeugabsturz.

Die beiden Maschinen, Halifax III MZ 915 der Royal Australian Air Force und Halifax VII NP 719 der Royal Canadian Air Force, kamen aus England und waren auf dem Weg zu einem Bombardement nach Kiel. Ein deutscher Kampfjet nahm die Alliierten über Alsen unter Beschuss. Sie kollidierten, gerieten in Brand und stürzten ab.

Nach dem Zusammenstoß entstanden mehrere Trümmerfelder im und am Rand des Nørreskovs.

Beide Flugzeuge waren mit je sieben Männern besetzt. Alle 14 Mitglieder verloren bei der Kollision und den Explosionen ihr Leben.

Die deutschen Besatzungstruppen sammelten nach dem Unglück eine Reihe von Leichenteilen ein, identifizierten sie und brachten sie nach Apenrade (Aabenraa), wo sie auf dem Friedhof der Alliierten beigesetzt wurden.

Der damalige Förster sowie einige Anwohner fanden jedoch weitere Überreste in der Umgebung, die sie in einem Erdhügel vergruben und mit einem Propellerblatt markierten. Bis heute ist der Hügel als „Grab der Engländer“ bekannt, und jedes Jahr findet dort eine kleine Kranzniederlegung statt.

Auf den beiden äußeren Steinen stehen die Namen der 14 gefallenen Besatzungsmitglieder.