Folkemøde

Unterstützung für Idee von Demokratie-Festival im Grenzland

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Tonderns Bürgermeister Jørgen Popp Petersen hofft neben dem großen Musikfestival auch auf ein Demoktratie-Festival in Nordschleswig (Archivfoto).

Die Schleswigsche Partei unterstützt den Gedanken von einem deutsch-dänischen Folkemøde. Der Vorsitzende von Grænseforeningen, Mirco Reimer-Elster, hatte ihn in den Raum gestellt. Er setzt darauf, dass es gelingen kann, ein breites Interesse zu wecken.

Der Gedanken von einem Folkemøde im Grenzland war eher eine Nebenbemerkung des Vorsitzenden von Grænseforeningen, Mirco Reimer-Elster, während eines Interviews mit „DR Syd“.

„Ich bin hocherfreut, dass sie bereits so relativ viele positive Reaktionen ausgelöst hat“, sagt er dem „Nordschleswiger“.

Schleswigsche Partei begeistert

Eine solche kam von Sonderburgs Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.) auf Facebook sowie vom Vorsitzenden des Südschleswigausschusses Benny Engelbrecht (Soz.). Auch die Partei der deutschen Minderheit, die Schleswigsche Partei (SP), kann dem Gedanken so einiges abgewinnen.

„Die Idee von einem deutsch-dänischen Gegenstück zum Folkemøde ist ein Volltreffer“, heißt es in einer Pressemitteilung der Partei.

Spontaner Gedanke

Dabei steckte hinter Mirco Reimer-Elsters Bemerkung weder eine große Analyse noch ein konkreter Plan. Er erklärte „DR Syd“, dass die Grænseforening ab dem kommenden Jahr nicht mehr am Folkemøde auf Bornholm teilnehmen würde. Der Nutzen könne die Kosten nicht mehr rechtfertigen.

Das Interview war eigentlich bereits beendet. Zum Schluss sprach er noch darüber, wie der Grenzverein seinem Auftrag der Volksbildung (folkeoplysning) auf andere Weise nachkommen sollte: „Ehrlich gestanden habe ich die Idee einfach so rausgehauen“.

Popp sieht Potenzial für das Grenzland

Tonderns SP-Bürgermeister Jørgen Popp Petersen kennt das Folkemøde auf Bornholm, das er 2023 besucht hat. Er meint, dass der Gedanke von einem Demokratie-Festival, bei dem sich Bevölkerung und Prominenz begegnen, geradezu auf Nord- und Südschleswig zugeschnitten ist.

„Wir müssen das Grenzland als eine mögliche Entwicklungsregion verstehen. Wir brauchen mehr Neugier, wie es beim Nachbarn aussieht. Dazu bietet der informelle Austausch bei einem Folkemøde eine gute Möglichkeit.“

BDN sieht Möglichkeiten

Das Folkemøde auf Bornholm wurde 2011 von Bertel Haarder ins Leben gerufen. Der Venstre-Politiker aus Randershof (Rønshoved) wollte eine Mischung schaffen „aus Volkshochschule, Roskilde Festival und Zoo, bei dem man die Giraffen (Politprominenz, Red.) aus nächster Nähe beobachten kann“.

Reimer-Elster möchte keine Konkurrenz zum Festival auf der Ostseeinsel aufziehen, sondern Haarders Grundgedanken ins Grenzland tragen. Er sieht jedoch einen entscheidenden Unterschied. In Allinge werden alle nur erdenklichen Themen diskutiert, „bei einem deutsch-dänischen Festival ergibt sich das übergeordnete Thema von selbst“.

Und hier sieht auch der Generalsekretär des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Uwe Jessen, Potenzial: „Wir könnten da Fokus auf das Besondere unserer Region legen. Mit der Idee können wir durchaus weiterarbeiten.“

Veranstaltungen für die eigenen Leute

Zurück zu Reimer-Elsters „DR-Syd“-Interview. Er war im vergangenen Jahr erstmals als Vorsitzender von Grænseforeningen beim Folkemøde. Dabei konnte er feststellen, dass es schwer ist, Publikum zu den Veranstaltungen im Südschleswig-Zelt zu locken. Das Angebot in Allinge ist zu vielfältig.

„Bei einigen Veranstaltungen kamen vielleicht 20 Menschen und 15 davon kannten wir.“ Da sei von Volksbildung nur noch wenig übrig.

Auf die Frage des „Nordschleswigers“, wie er erreichen möchte, dass nicht auch bei einem Grenzland-Folkemøde lediglich die üblichen Verdächtigen erscheinen, antwortet er: „Das ist eine gute Frage.“

Reimer-Elster: Minderheiten können aktuelle Debatten aufgreifen

Nach kurzem Überlegen kommt er dann auch auf Antworten. Es gehe darum, Themen aufzugreifen, die aktuell in der Debatte stehen. Im vergangenen Jahr erlebte der Grenzverein hohen Zulauf zu einer Veranstaltung zum Erstarken der AfD.

„Ich denke, es wird den Minderheiten und anderen Interessentinnen und Interessenten aus dem Grenzland nicht schwerfallen, Themen aufzugreifen, die die Menschen gerade interessieren“, so der Vorsitzende von Grænseforeningen.

Doch auch Unterhaltsames, wie zum Beispiel ein „Sønderjysk Kaffebord“, würde deutlich besser ins Grenzland passen als nach Bornholm. Kultur sei ebenfalls ein wichtiger Baustein. Dem kann der Bürgermeister von Tondern nur zustimmen.

„Wie bei einem Musikfestival muss es ein reichhaltiges Angebot geben. Man kommt vielleicht, um diesen oder jenen Auftritt zu erleben und stolpert dann über andere interessante Veranstaltungen“, so Popp Petersen.

BDN: Projekt muss groß angelegt werden

Auch für den BDN-Generalsekretär steht fest, dass ein Grenzland-Folkemøde nur Sinn ergibt, wenn man die breite Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenze erreicht.

„Das wäre kein kleines Projekt. Wir haben keinen Bedarf an einer Veranstaltung, bei der wir den Menschen aus der Minderheit erzählen, was sie ohnehin wissen“, sagt Jessen. Er würde sich gerne mit Grænseforeningen darüber austauschen, wie man mit dem Gedanken weiterarbeiten könnte.

Das Stichwort „kein kleines Projekt“ zieht zwangsläufig das Stichwort „Geld“ nach sich. „Die Unterstützung, die es in den vergangenen Woche für die Idee gegeben hat, ist selbstverständlich entscheidend. Es bedarf jedoch auch Mittel und politische Signale, um das umsetzen zu können“, so Reimer-Elster.

In diesem Punkt gibt es bereits erste positive Rückmeldungen. Der Vorsitzende des Südschleswigaussschusses zeigt sich gegenüber „TV Syd“ offen, Gelder bereitzustellen. Voraussetzung sei jedoch, dass es auch ein freiwilliges Engagement gäbe.

Das Folkemøde auf Bornholm beginnt am Donnerstag. „Der Nordschleswiger“ ist dabei und wird über Themen wie Grøn Trepart, drohende Sturmfluten und Minderheiten in den nordischen Ländern berichten.

Folkemøde auf Bornholm