Festival

„Grenzenlose Musikfreude bei FolkBaltica“

Veröffentlicht Geändert
Gjermund Larsen zeigt sein Können auf der „Hardangerfiol“.

Beim Eröffnungskonzert des FolkBaltica-Konzerts im Alsion erlebte das Publikum von beiden Seiten der Grenze junge Töne, alte Noten und norwegische Geigenmagie. Der Kulturredakteur von „Flensborg Avis“, Hans Christian Davidsen, war von dem Konzert begeistert.

Die 20. Ausgabe von FolkBaltica wurde mit Stil eröffnet! Das vergangene Wochenende stand ganz im Zeichen der Jugend, als das sprudelnde Jugendensemble des Festivals gemeinsam mit den stimmgewaltigen und stilvoll gekleideten Mädchen des Sønderjysk Pigekor unter der Leitung von Mette Rasmussen die Bühne betrat. Und sie waren nicht allein – der norwegische Geigenvirtuose Gjermund Larsen zauberte mit.

Der Konzertsaal im Alsion in Sonderburg war mit Folk-Fans von beiden Seiten der Grenze gefüllt – und unter dem Publikum befand sich auch eine ansehnliche Zahl prominenter Gäste und Sponsoren, die wohl kaum enttäuscht nach Hause gingen.

Alten Noten wurde neues Leben eingehaucht

Es wurden nicht nur Instrumente gespielt – auch Emotionen kamen zum Klingen, als die Töne über den Bühnenrand des Alsion hinausströmten. Die Musik stammte aus Orten wie Flensburg, Föhr und Fanø – aber auch aus tief verborgenen, vergessenen Notenbüchern, die jahrzehntelang Staub angesetzt hatten. Bis ein Mann handelte: Harald Haugaard.

Der künstlerische Leiter des Festivals grub diese Schätze aus – um etwas zu präsentieren, das wir noch nie oder nur sehr selten gehört haben.

Haugaard stand vorne, als das Bühnenlicht anging und die jungen musikalischen Vorreiter des FolkBaltica-Jugendensembles mit Spielfreude und Können loslegten – etwas, das man sich trotz Talent nicht im Schlaf aneignet – hier waren viele Stunden, Schweiß und Fleiß im Spiel. Das Ensemble besteht aus 40 Talenten im Alter von 15 bis 25 Jahren.

Das FolkBaltica-Jugendensemble ist im Vordergrund zu sehen. Dahinter steht Sønderjysk Pigekor.

Liebe zum Festival

Wie es sich für ein ordentliches Eröffnungsfest gehört, wurden auch Reden gehalten. Johannes Callsen, der Beauftragte für Minderheitenfragen in Schleswig-Holstein (und darüber hinaus auch für die dänisch-deutsche Zusammenarbeit zuständig), sprach von einem „lebendigen kulturellen Austausch“ und nannte das Festival einen der größten Brückenbauer zwischen Dänemark und Deutschland.

Auch Sonderburgs stellvertretender Bürgermeister Stephan Kleinschmidt von der Schleswigschen Partei war dabei. In seiner Präsentation wechselte er zwischen Dänisch und Deutsch. Er ist von Beginn an dabei und machte keinen Hehl aus seiner Liebe zum Festival – ohne dass seine eigentliche Herzensdame deswegen eifersüchtig sein müsste.

Junge Stars schreiben ihre eigene Musik

Das Abendprogramm bot auch ganz neue Klänge, die von den Jugendlichen selbst geschaffen wurden. Sofie Kurowski von der Minderheitenband Sihav präsentierte gemiensam mit Sigrid Hogue und Ida Brinch ein Lied voller Sehnsucht in zwei Sprachen und mit doppelter Kraft: „Sig mig, kommer du? / Sag mir, kommst du?“.

Der Kontrabassist des Ensembles, Asger Laursen, brachte im zweiten Teil sein eigenes Werk „Vinterens fald“ („Der Fall des Winters“) ein.

Das junge Talent Sofie Kurowski aus der deutschen Minderheit sang ihr eigenes Lied gemeinsam mit Sigrid Hogue aus Dänemark.

Auch Rock und Rap schlichen sich in den zweiten Teil des Abends – warum auch nicht? Das Publikum reagierte mit Begeisterung.

Und dann kam der Norweger Gjermund Larsen – der diesjährige „Hauskünstler“ und ein Geigenvirtuose, der das Festival die ganze Woche über prägen wird. Sein Auftritt im Alsion fiel sogar auf einen besonderen Tag – den 17. Mai, Norwegens Nationalfeiertag, der im Heimatland keineswegs leise begangen wird.

Daran dachte das zahlreich erschienene Publikum in Alsion jedoch eher nicht. Am Sonntagabend wurde das Eröffnungskonzert im Messe- und Kongresszentrum in Husum wiederholt. Dort sang anstelle des Sønderjysk Pigekor der Chor der Theodor-Storm-Schule in Husum.

Das Festival wird die ganze Woche über nördlich und südlich der Grenze fortgesetzt und endet am Sonntag in Flensburg.