Hafenlogistik

Zwischen Kränen und Schiffen: Jette Hviid-Hansen arbeitet in einer Männerbranche

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Jette Hviid-Hansen arbeitet seit über 30 Jahren am Hafen in Apenrade.

Frauen am Hafen: Wieso sind Frauen in einer der wichtigsten Branchen der Welt immer noch eine Ausnahme? Laut der Studie „Women in Maritime“ machten Frauen im Jahr 2024 weniger als ein Viertel der Gesamtbelegschaft aus. Jette Hviid-Hansen arbeitet am Apenrader Hafen und erzählt über Vorteile, Chancen und Wandel.

Wenn früh am Morgen die ersten Lkws über das Hafengelände rollen und die Kräne sich über dem Hafenbecken drehen, hat Jette Hviid-Hansen ihren Computer längst hochgefahren.

„Heute Morgen kamen gleich vier Schiffe, die ich registrieren und für die ich Kräne organisieren musste“, sagt Hviid-Hansen. Nicht die einzige Besonderheit an diesem Tag: Der Hafendirektor hat Geburtstag, und „Rundstücke“ werden vorbereitet. Arbeitstage mit viel Abwechslung sind keine Seltenheit am Hafen.

Seit 34 Jahren arbeitet Hviid-Hansen am Hafen in Apenrade. Ihre Aufgaben umfassen Logistik und Koordination. Sie plant, steuert, koordiniert, spricht mit Mitarbeitern am Hafengelände. Und stellt damit eine Ausnahme dar: Denn nur wenige Frauen arbeiten in der Hafenbranche.

Wenn man im Hafen anruft, ist Hviid-Hansen die erste Kontaktperson.

Jette koordiniert den Hafenbetrieb

„Meine erste Aufgabe im Apenrader Hafen war im Finanzbereich“, sagt die 60-Jährige. Ganze 29 Jahre arbeitete sie als Finanzmanagerin im Hafen von Apenrade. Auch Tätigkeiten in der Hafenverwaltung übernahm sie in ihren ersten Jahren. „Danach hatte ich verschiedene Aufgaben“, erzählt Hviid-Hansen: „Jetzt arbeite ich im Betrieb und habe viel mit Menschen zu tun.“

Vor allem spricht sie mit den Kranführern und Lkw-Fahrern, und wenn ein Schiff anlegt, dann koordiniert sie: „Was soll gemacht werden? Wie soll der Kai gereinigt werden? Welche Maschinen werden benötigt?“, erklärt die gebürtige Apenraderin.

All diese Fragen muss sie klären. Seit 2020 arbeitet Jette als Betriebs- und Finanzassistentin und ist auch in der Logistik tätig.

2 Frauen und 15 Männer

Jette koordiniert am Hafen in Apenrade die Abläufe: „Ich sage den Leuten, was sie tun sollen – ich arbeite nur mit Männern zusammen“, verrät sie.

In den ersten Jahren ihrer beruflichen Laufbahn am Hafen seien es tatsächlich nur Männer gewesen, mittlerweile arbeitet eine weitere Frau mit ihr zusammen am Hafen in Apenrade. Insgesamt umfasst das Hafenteam 15 Männer und 2 Frauen.

Direkt, klar, kollegial und humorvoll

„Jeder Tag ist anders“, sagt Apenraderin Jette Hviid-Hansen und schätzt die Vielseitigkeit ihrer Arbeit am Hafen.

Die Arbeit mit Männern sei unkompliziert, nimmt Hviid-Hansen wahr. Sie seien zuverlässig, wenn sie Anweisungen bekämen. „Es gibt nicht viel Diskussion, und dann gehen wir weiter.“ Der Umgang sei direkt, kollegial, mit einem rauen Ton, aber stets professionell, und nichts werde zu persönlich genommen. Die Hafenmitarbeiterin schätzt diese direkte, klare Art und Weise der Kommunikation, die am Hafen zählt.

Inzwischen gehört sie als Frau im Team dazu, doch vor über 30 Jahren – zu Beginn ihrer Zeit am Hafen – sei es anders gewesen. Nach vielen Jahren im Job hat sich das verändert. „Ich bin eine der ‚Kumpels‘“, sagt Hviid-Hansen mit einem Augenzwinkern. Auch der Humor gehöre zum Arbeitsplatz.

Heutzutage sei es nicht ungewöhnlich, als Frau am Hafen zu arbeiten, insbesondere im Büro. Dennoch gebe es keine Frauen draußen – beispielsweise als Kranfahrerinnen. „In anderen Häfen sehe ich, dass viele Frauen im Finanzwesen oder Marketing arbeiten“, stellt Hviid-Hansen fest. In der Logistikbranche würden weiterhin mehr Männer arbeiten, ist ihr Eindruck.

Was sie anderen Frauen raten würde, die überlegen, in die Hafenbranche einzusteigen: sich nicht verunsichern lassen. „Du weißt, dass es ein direkter Ton ist, und man bekommt sofort Bescheid, wenn man einen Fehler macht“, sagt Hviid-Hansen. Wichtig sei, dass man das nicht persönlich nehme, betont sie: „Es ist super.“ Sie schaue nur nach vorne und „weiter“.

Jette Hviid-Hansen: „Du weißt nicht, was der Tag bringt“

Was Jette besonders an ihrer Arbeit schätzt, ist die Vielfalt ihrer Aufgaben: „Jeder Tag ist anders“, betont die Hafenmitarbeiterin. Mal legen zwei Schiffe gleichzeitig an, dann kommt eine Sponsoring-Anfrage, oder jemand möchte am Hafen fischen – ihre Aufgaben sind breit gefächert.

„Kein Tag ist wie der andere. Es kann immer etwas passieren, womit man nicht rechnet“, sagt Hviid-Hansen: „Das liebe ich. Du weißt nicht, was der Tag bringt.“

Frauenanteil in der Hafenbranche liegt bei nur 16 Prozent

Dass Frauen wie Hviid-Hansen in der Hafenbranche immer noch eine Seltenheit sind, belegt die Studie „Women in Maritime“ aus dem Jahr 2024 der „International Maritime Organization“ (IMO) in Kooperation mit „Women’s International Shipping & Trading Association“:

Nur 16 Prozent der Gesamtbelegschaft in den befragten Unternehmen sind weiblich. Noch geringer ist der Anteil der Frauen auf See: Laut der Studie sind gerade etwas mehr als 1 Prozent Frauen Teil der Besatzungen. Der Frauenanteil ist von 2021 bis 2024 sogar zurückgegangen.

Wenig Frauen in Aufsichtsräten in Dänemark

Worum geht es in der Studie?

Die „Women in Maritime Survey 2024“ wurde von der „International Maritime Organization“ (IMO) in Zusammenarbeit mit der „Women’s International Shipping & Trading Association“ (Wista International) durchgeführt. Sie untersucht, inwiefern und in welchen Bereichen Frauen weltweit in der maritimen Branche vertreten sind.

Der Bericht präsentiert die Analyse von Daten aus den Mitgliedstaaten der IMO und der gesamten maritimen Industrie und liefert Einblicke in die Bereiche Führung, Beteiligung der Arbeitskräfte, Politik und Bildung sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor.

Am Hafen in Apenrade arbeitet Jette als Betriebs- und Finanzassistentin und hat vielfältige Aufgabenbereiche.

Auch der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten des Firmen- oder Organisationssitzes fällt erstaunlich gering aus: „Zu den Ländern mit dem geringsten Frauenanteil in den Aufsichtsräten (weniger als 20 Prozent) gehören unter anderem Dänemark und Spanien“, heißt es in der Studie. Mit einem Frauenanteil von 10 Prozent in Aufsichtsräten in der dänischen Hafenbranche liegen nur Monaco, Südkorea und Somalia mit 0 Prozent unter Dänemark.

Der prozentuale Anteil von Frauen in der maritimen Privatwirtschaft in Skandinavien und anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise Deutschland, Frankreich, Spanien, Griechenland und Großbritannien, liegt bei etwa 22 Prozent. In osteuropäischen Ländern wie Polen oder Kroatien liegt der Frauenanteil hingegen bei etwa 48 Prozent.