Porträt

Simone Sippel – zwischen Heimatwurzeln und frischem Wind

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Bei der nächsten Schulleiterdienstbesprechung will DSSV-Schulrätin Simone Sippel Pedersen über einheitliche Handyregeln beraten.

Mit Sicherheit weite Sprünge wagen: Die neue Schulrätin schöpft ihre Kraft aus Ruhe und Vertrautheit. Welche Rolle die Thüringer Bratwurst dabei spielt und warum Sicherheit für Simone Sippel Pedersen eine Art Motor ist, erzählt dieses Porträt.

„Vertrauen Sie mir“ – ein kurzer Satz aus dem Jahr 2000, der bis heute Sippel Pedersens Leben prägt. Absender war Norbert Spahn, zum Zeitpunkt ihrer Bewerbung Schulleiter am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN).

Es ist einer von Sippel Pedersens letzten Arbeitstagen am DGN. Sie ist gut vorbereitet: Die Notizen, die sie sich im Vorfeld gemacht hat, hat sie vor sich auf dem Schreibtisch ausgebreitet – sie wird sie während des Gesprächs mit dem „Nordschleswiger“ keines Blickes würdigen.

An dieser Stelle wird zum ersten Mal deutlich, was für die 56-Jährige ein wichtiges Bedürfnis ist: eine gute Vorbereitung und etwas Sicherheit – vor allem in Situationen, die für sie neu sind.

Ein Bürostuhl wie kein anderer

Das passt ins Bild, das Sippel Pedersen mit ihrer Geschichte zeichnet. Denn wäre da nicht ihre langjährige Erfahrung im nordschleswigschen Schulwesen, dann hätte sie den Perspektivwechsel in die Rolle der Schulrätin wohl eher abgeblockt – sich die Rolle nicht zugetraut. Aber davon kann keine Rede sein – 25 Jahre am Minderheitengymnasium in Nordschleswig haben sie vorbereitet. Das und der Zuspruch von den Menschen, die sie als die optimale Besetzung des Amtes sehen, geben ihr Sicherheit.

Auf ihrem Bürostuhl sitzend – den sie nebenbei bemerkt so gern hat, dass dieser mit ihr ins Haus Nordschleswig umzieht –, hinter dem Schreibtisch, der gut die Hälfte des Einzelbüros im DGN füllt, sitzt sie. Ihre Haltung ist aufrecht – aus physiotherapeutischer Sicht gibt es da nichts zu meckern. Auf Fragen antwortet sie ruhig und bedacht.

Heute bin ich froh, dass alles so gekommen ist – weil ich mit dem Ergebnis zufrieden bin.

Simone Sippel Pedersen

Nach einem Vierteljahrhundert hat sich Sippel Pedersen nun von diesem Arbeitsplatz mit Blick ins Grüne verabschiedet. Seit dem 1. August ist sie die neue Schulrätin in Nordschleswig.

Das Schlagwort

Je nach Thema weicht ein konzentrierter Ausdruck einem freundlichen Lächeln. Sie wirkt aufgeräumt, zugewandt, vielleicht ein klein wenig nervös – und: auf sympathische, subtile Weise selbstsicher.

Sicherheit – ein Wort, das schon jetzt im Kontext dieses Porträts an zwei Stellen vorkommt. Dass dieses Substantiv eine prägende Rolle im Leben der Apenraderin spielt, wird nachvollziehbar, wenn sie ihre Geschichte erzählt.

Aufgewachsen in behüteten Verhältnissen in der ehemaligen DDR, bricht während ihrer Studienzeit in Thüringen viel von dem weg, was der damaligen Studentin vertraut ist.

Nach 25 Jahren verlässt die gebürtige Thüringerin das DGN.

„Meine Studienzeit fiel in die Jahre der Wende. Auf einmal war alles neu. Auch das Studium veränderte sich – es wurde freier, flexibler, aber eben auch unsicherer. Alte Strukturen brachen weg, vieles wurde ungewiss. Wir kannten vorher nur klare Abläufe – und plötzlich war alles offen.“

Auch wenn sie die Zeit als „wild“ beschreibt, ist rückblickend ein Gedanke im Vordergrund: „Heute bin ich froh, dass alles so gekommen ist – weil ich mit dem Ergebnis im Prinzip zufrieden bin.“

Eine Thüringerin wird zur Nordschleswigerin

Denn Sippel Pedersen weiß die neuen Freiheiten, die ihr der Mauerfall beschert, zu nutzen. Und nach ihrer Anstellung am Eleonorengymnasium in Worms wagt sie mit 27 „erneut“ den Umzug in ein anderes Land.

Die Liebe zu einem Dänen ist ausschlaggebend dafür, dass sie sich im Jahr 2000 gen Norden orientiert. „Ich hatte viel Glück, dass mein Profil gerade gesucht wurde – und dass ich auch die anderen Voraussetzungen mitbrachte“, erinnert sich Sippel Pedersen. Schulleiter Spahn habe dann alles in Bewegung gesetzt – unter anderem die Versetzung in das Bundesland Schleswig-Holstein, eine Voraussetzung für die Lehramtstätigkeit in Dänemark.

Vielleicht brauche ich zwischendurch einfach mal eine neue Herausforderung.

Simone Sippel Pedersen

Sie sei herzlich empfangen worden, sodass ihr der Start in Nordschleswig wenige Probleme bereitet habe. Schnell habe sie Dänisch gelernt und sich mit der neuen Kultur vertraut gemacht.

Durch ihre 17-jährige Tochter, die gebürtige Nordschleswigerin ist, erlebte sie das Aufwachsen in der deutschen Minderheit aus zweiter Hand. Für ihre Tochter ist Nordschleswig Heimat – für Sippel Pedersen ist es ihr Zuhause. „Ich fühle mich hier sehr wohl – aber Thüringen wird natürlich immer meine Heimat bleiben.“

Zweimal im Jahr fährt sie nach Ostdeutschland, um ihre Mutter zu besuchen – und um sich mit einem stattlichen Vorrat von original Thüringer Bratwurst einzudecken. „Die habe ich immer in der Gefriertruhe. Zwischendurch brauche ich das einfach mal“, sagt sie und lächelt verschmitzt.

Ruhiges und Vertrautes sind Kraftquellen für Simone Sippel Pedersen.

Wer braucht weite Reisen, wenn Nordschleswig das Zuhause ist?

Aber nicht nur in Bezug auf Kulinarik mag die neue Schulrätin Vertrautes. Auch wenn die Reiseplanung ansteht, ist sie niemand, der drängendes Fernweh stillen muss. Aufregende Fernreisen, exotische Abenteuer, Städtereisen zu überfüllten Touristenzielen – das ist nicht ihr Ding. „Noch nicht“, wie sie sagt. Sie mag es ruhiger: Mit Mann, Tochter und Boot entdeckt sie lieber neue Flecken auf dänischen Inseln wie Tunø oder Samsø. Und wenn es doch mal eine weitere Reise sein darf, geht es auf die Kanaren. Denn dort war sie zuvor, die spanischen Urlaubsinseln sind ihr vertraut.

Ruhe und Entspannung sind das, woraus Simone Sippel Pedersen Kraft schöpft. Auch in ihrer Freizeit setzt sie auf unaufgeregte Aktivitäten: Spaziergänge mit dem Hund, Yoga, MTV-Sport, Singen in der Musikvereinigung und im Kammerchor.

Um es auf den Punkt zu bringen: Sie ist jemand, der sich mit Vertrautem zwar besonders wohlfühlt – für den an Stillstand aber gar nicht zu denken ist. Oder wie sie selbst es abrundet: „Vielleicht brauche ich zwischendurch einfach mal eine neue Herausforderung“, überlegt sie laut und lächelt.

Sippel Pedersen weiß, was sie kann – und sie weiß, was sie braucht. Eine lebensfrohe Person, mit der auf jeden Fall in aller Entspanntheit gut Würstchen essen ist.