Schiffsunglück

Bergung der „Ebba Aaen“ hat begonnen

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Für die Arbeiten ist eine Firma aus Hanstholm in Nordjütland angerückt.

Seit Donnerstagmorgen ist die Bergung des historischen Haikutters „Ebba Aaen“ im Gang. Noch läuft alles nach Plan. Dennoch könnte es bis zu eine Woche dauern, bis das Schiff gehoben ist.

Aus der trüben Brühe des Hafenbeckens steigen Luftblasen auf. Am Pier stehen die Arbeiter einer Firma aus Hanstholm, die mit ihrem Kran angerückt sind, um den 94 Jahre alten Haikutter „Ebba Aaen“ aus dem Wasser zu heben. „Schlechte Sicht da unten“, murmelt der Taucher, der aus dem Wasser gestiegen ist und sich aus seinem Taucheranzug schält.

Die Bergung der „Ebba Aaen“ hat begonnen. Noch ist nicht viel zu sehen. Das Schiff liegt schief im Wasser. Nur die drei Masten und ein bisschen was vom Deck lugen heraus. „Ein trauriger Anblick“, sagt einer der Schaulustigen, die die Bergungsarbeiten beobachten. Wie lange die dauern, kann keiner genau sagen. „Das kann alles von einem Tag bis zu einer Woche sein“, schätzt der Betriebsleiter des Apenrader Hafens, Tonni Schrøder.

Der Taucher hat unter dem Schiff Gurte befestigt.

Einfach so aus dem Wasser ziehen können sie das Schiff nicht: Dazu ist es zu schwer. „Es muss erst mal aufgerichtet werden. Dann muss das Deck aus dem Wasser, damit das Wasser rauslaufen kann“, erklärt Nis-Edwin List-Petersen die nächsten Schritte. Viele Menschen hat er jahrelang für Ausflüge mit dem Schiff über die deutsch-dänische Förde geschippert, bei der grenzüberschreitenden Apfelfahrt mitgemacht. Seit Mitternacht ist er zurück aus Gran Canaria, wo er normalerweise den Winter verbringt. Ist gleich in der Nacht noch zum Hafen gefahren. „Da war aber nichts zu sehen.“

Nis-Edwin List-Petersen (rechts im Bild) bespricht mit dem Betriebsleiter des Hafens und den Arbeitern, wie die Bergungsarbeiten laufen sollen.

Nach außen wirkt er gefasst. Man könne ja nichts machen, sagt er. Doch als sein Ziehsohn Steen Handler zum Hafen kommt, ihn lange umarmt, da merkt man, wie sehr ihn das Schiffsunglück mitnimmt. Das Interesse daran ist groß. Nis-Edwin List-Petersens Handy klingelt ständig, „TV Syd“ rückt mit Kameras an. Schaulustige beobachten die Bergung. Zücken Handys. Einer kommt mit seiner Kamera, er mache privat Fotos, erklärt er. Währenddessen sind die Arbeiter weiter dabei, das Schiff für die Bergung vorzubereiten.

„Wenn das Schiff aufgerichtet und auf Deckhöhe aus dem Wasser ist, fangen die an, das Wasser abzupumpen“, erklärt Nis-Edwin List-Petersen. Vorher kann es nicht gehoben werden – es wäre zu schwer für den Kran.

Auch wenn bislang alles nach Plan läuft: Einfach ist die Bergung der „Ebba Aaen“ nicht.

Dass das Schiff gehoben wird, hat die Versicherung veranlasst. Ob die „Ebba Aaen“ wieder in See stechen wird: unklar. „Der Höchst-Kaskoschaden liegt bei 600.000 Kronen. Wenn die Reparaturkosten das überschreiten, dann müssen wir entscheiden, was wir machen“, sagt Nis-Edwin List-Petersen.

Dass das Schiff jetzt schon seit der Nacht zum Dienstag unter Wasser sei: Nicht das eigentliche Problem, erklärt List-Petersen. „Aber die gesamte Elektronik ist kaputt, und das ist relativ viel. Das Schiff ist ja hochmodern ausgerüstet.“ Motor und Getriebe – beides erst vor vier Jahren erneuert – seien aber hoffentlich noch zu retten. „Ein Mechaniker steht auf Abruf bereit. Die Maschine muss sofort gespült werden, wenn sie aus dem Wasser ist.“

Warum das Schiff in der Nacht zu Dienstag gesunken ist, dafür gibt es bislang keine Erklärung, sagt Nis-Edwin List-Petersen. Die „Ebba Aaen“ habe insgesamt sechs Pumpen gehabt und sei vergangenes Jahr in der Werft überholt worden. „Sie war dicht und eigentlich in einem sehr guten Zustand. Da muss irgendetwas passiert sein.“

Die Arbeiter tasten sich Schritt für Schritt weiter, um das historische Schiff aus dem Wasser zu heben.

Vor ein paar Jahren sei die „Ebba Aaen“ zweimal von Frachtschiffen gerammt worden. Zwar sei das alles repariert worden; beim ersten Mal aber nicht richtig, sodass die Maschine ausgetauscht werden musste, weil sie unter Wasser stand. „Vielleicht sind das jetzt Folgeschäden.“ Sicher weiß Nis-Edwin List-Petersen das erst, wenn sein Schiff aus dem Wasser ist.

Wie lange die Bergung der „Ebba Aaen“ dauert, kann zur Stunde keiner genau sagen.
Die orangefarbene Sperre um das Schiff herum soll verhindern, dass sich der Dieselkraftstoff weiter ausbreitet.