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Freitag, 24. März 2017

Gebrannte Kinder

Bei Frauen und Männern, die für ihre ehrenamtliche Arbeit ausgezeichnet werden – zum Beispiel entweder mit einem deutschen oder dänischen Orden – können sich oft auch andere über diese Ehrung freuen. Ohne irgendeine Leistung schmälern zu wollen, so fällt jedoch ein Name auf, der auf keiner Ehrenliste erscheint, obwohl dieser Mann eine jahrzehntelange Arbeit geleistet hat, die Trauer, Enttäuschung, Hoffnung und Versöhnung zugleich miteinander verbunden hat. Es handelt sich um den Vorsitzenden des dänischen Vereins der deutschen Kriegskinder („Danske KrigsBørns Forening", DKBF), Arne Øland aus Hillerød, dessen unermüdlicher Einsatz dazu beigetragen hat, ein dunkles Kapitel unserer dänisch-deutschen Geschichte zu beleuchten. 
Es ist ein jahrzehntelang tabuisiertes Thema in der dänischen Gesellschaft, das noch immer starke Gefühle weckt. Die Frauen, die entweder während oder nach der Besatzungszeit Kinder von einem Besatzungssoldaten zur Welt brachten, wurden nach 1945 als „Nazis“ stigmatisiert, manche kahlgeschoren sogar durch die Straßen gejagt. Insgesamt gibt es offiziell 5.579 Kinder von deutschen Besatzungssoldaten, inoffiziell wird die Zahl auf 10.000 bis 12.000 geschätzt. Diese Kinder – zwischen den Fronten erzeugt – wurden oft  Nachkriegs-Verlierer, ihnen wurde die Wahrheit entweder von der eigenen Mutter etwa aus Scham oder aber auch – ganz bewusst – von den dänischen Behörden verschwiegen. Es war das Verdienst der Historikerin Professor Anette Warring, dass sie 1994 mit einem Buch auf das Schicksal von „tyskerpiger“ und deren Folgen hinwies und so Probleme publik machte, die viele dieser damals als „Hurenkinder“ beschimpften noch heute traumatisieren. 1996 wurde der Verein der Kriegskinder in Dänemark gegründet, von Arne Øland, der nach 1945 von seiner dänischen Mutter nur erfuhr, dass ein gewisser „Karl“ sein Vater sei. Nun gab es damals in Dänemark ja viele mit dem Namen Karl, aber erst bei einem Familientreffen 93-94 erfuhr Øland zufällig, dass „Karl“ in Wirklichkeit ein deutscher Besatzungssoldat gewesen ist. Genauer gesagt: ein Kroate in Diensten der deutschen Wehrmacht. Øland hat auch die innere Kraft gehabt, sich mit seiner neuen „Familie“ anzufreunden. Eine Geschichte mit einem Happy End, doch eher eine Ausnahme, denn eine  solche ist nur wenigen vergönnt gewesen, die Ähnliches erlebten und die bei ihren Nachforschungen  immer wieder auf eine Mauer des Schweigens stießen.  
Im März will der ehemalige Lehrer Øland, der sich auch international in diesen Fragen große Verdienste erworben hat, nun sein Amt als Vorsitzender niederlegen, und sollte es keinen Nachfolger finden, dann könnte dies leider, leider sogar das Aus für den Verein bedeuten. Ølands Mitteilung hat bereits viele nationale und internationale Reaktionen hervorgerufen:  Der Historiker Claus Bryld zollte ihm großen Respekt, Dr. E. W. Born bedauerte „das Ende einer Epoche". Nicht zuletzt wurde auch immer wieder auf die Zeitschrift „Rødder“ verwiesen, die Øland von Anfang an redaktionell verantwortlich herausgebracht hat: ein zeitgeschichtliches Monument.
Nicht nur gebrannte, sondern auch menschlich verbrannte Kinder danken „Karl“ Øland: Er hat stellvertretend einen Orden verdient! 
 

S. Matlok

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