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Dienstag, 28. März 2017

Albtraum Gerhard

Am gleichen Tag, da Dänemark im Weltglücksbericht hinter Norwegen auf Platz 2 „abrutschte“, kam eine Meldung, die jeden einzelnen Dänen wieder glücklicher machen muss: Finanzminister Kristian Jensen konnte die historische Nachricht verkünden, dass Dänemark erstmalig seit 1834 keine Auslandsschulden mehr in fremder Währung zu verzeichnen hat.  Ja, die Situation hat sich ja inzwischen so verändert, dass manche Länder ihre Währung heute in Dänemark anlegen. Da sie angesichts niedrigster Zinsen dafür sogar Geld bezahlen müssen, ist dies auch ein Beweis dafür, dass Dänemark heute international als Stabilitätsanker angesehen wird.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, denn die hohe Auslandsverschuldung war über lange Zeit das größte Problem für das Königreich, ja, es bedrohte sogar die Existenz des Landes. Eine wirtschaftliche Talfahrt mit ständigen Abwertungen ließ den damaligen sozialdemokratischen Finanzminister Knud Heinesen verzweifelt ausrufen, Dänemark befinde sich auf dem Wege in den Abgrund – aber erster Klasse! Szenarien wurden beschrieben, wonach zwei nadelgestreifte Gentlemen aus Washington in Kopenhagen landen würden, um als Vertreter des Internationalen Währungsfonds ganz Dänemark unter Administration zu setzen. Die Nationalbank in Kopenhagen wurde als Filiale der Frankfurter Bundesbank verspottet. Auch nach dem EWG-Beitritt 1973 galt Dänemark als großes Sorgenkind, wurde als „Italien des Nordens“ tituliert – wegen politischer und wirtschaftlicher Destabilität. Schreckensbilder aus den Geschichtsbüchern wurden hervorgeholt, Erinnerungen an den 1292 geborenen Holsteiner Grafen Gerhard III. wachgerüttelt.  „Den kullede greve“, wie der glatzköpfige Graf von den Dänen genannt wurde, verjagte den damaligen König Christoffer II., wurde Reichsvorsteher, Herzog von Schleswig und hatte sowohl Fünen als auch Jütland in (Faust-)Pfand genommen. Bis er 1340 in Randers vom dänischen Ritter Niels Ebbesen getötet wurde. Ein sieben Meter hohes Denkmal erinnert in Randers noch heute an Niels Ebbesen, dessen Name für die Dänen so heldenhaft vergleichbar ist wie Holger Danske auf Kronborg.  
Anfang der 80-er Jahre kam politisch-ökonomisch ein neuer Niels Ebbesen. Es war Poul Schlüter, dessen Rosskur die Lohn- und Preisspirale im Lande stoppte und der zusammen mit seinem Venstre-Finanzminister Henning Christophersen ein entscheidendes Instrument fand, das das Schuldenmachen langsam in den Griff bekam. Schluss mit Abwertungen, es war die feste Kronen-Politik, die seitdem verdienstvoll unter allen Regierungen – auch unter den Sozialdemokraten  – weitergeführt wurde.  Obwohl Dänemark sich per Volksabstimmung dem Euro zweimal verweigerte, wurde eine Politik geführt, die sich – nun nicht mehr an der DM – sondern am Euro orientierte mit geringen Schwankungen nach oben und unten. Diese Disziplinierung der ökonomischen Politik hat dazu geführt, dass Dänemark – natürlich auch begünstigt durch internationale Entwicklungen – wieder Herr im eigenen Haus geworden ist, ohne einen neuen Gerhard befürchten zu müssen. 
Der nationale Spielraum hat ein Stück Freiheit zurückgewonnen. Das bedeutet nicht, dass man nun wieder loslassen kann. Dänemark wird auch künftig auf das Ausland angewiesen sein. Ohne Auslandsschulden aber nicht mehr so abhängig!  

 

S. Matlok

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