Lehrerflucht

Jeder fünfte Volksschullehrer ohne passende Ausbildung

Jan Peters
Jan Peters Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Viele ausgebildete Pädagogen schlagen aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen andere Berufswege ein. Der Elternverband „Skole og Forældre” fordert die Kommunen zum Handeln auf. An der Deutschen Schule Sonderburg sieht die Lage hingegen anders aus.

Jeder siebte Volksschullehrer im Land steht vor den Schülern, ohne eine passende Ausbildung zu haben. Das geht aus einer Untersuchung der gewerkschaftsnahen Denkfabrik AE (Arbejderbevægelses Erhversråd) hervor. Von 2010 bis 2016 ist ihre Zahl landesweit von knapp zehn Prozent auf 16,2 Prozent gestiegen. In den vier Nordschleswiger Kommunen pendelt der Anteil des Lehrpersonals ohne Ausbildung zwischen 21,2 Prozent in Tondern, 18,4 in Apenrade und 14,8 Prozent in Hadersleben.

Ein großer Teil der Unterrichtenden ohne Ausbildung bringen bestenfalls ein Abitur mit ins Klassenzimmer. Es gibt jedoch auch Pädagogen und Akademiker, doch ihr Anteil ist gering.

Eltern entsetzt

Das bringt neben den Eltern inzwischen auch Schüler und Lehrer auf die Barrikaden, denn in den Klassenräumen wird es durch das fehlende pädagogische und methodische Wissen nicht nur lauter, sondern es wird auch schlechter und weniger gelernt, wie Jakob Bonde Nielsen, Vorsitzender der dänischen Schülervereinigung Dansk Skoleelever, erklärt.

Schuld an den fehlenden Lehrern ist nicht etwa ein Lehrermangel. Ausgebildete Lehrer gibt es nämlich genug. Nur seien über 17.000 von ihnen vor allem durch schlechter gewordenen Arbeitsbedingungen in die privaten Schulen oder sogar andere Berufszweige abgewandert, erklärte der Schulforscher Andreas Rasch-Christensen vom VIA University Collage gegenüber Danmarks Radio. Er fordert deshalb dazu auf, die Arbeitsbedingungen für Lehrer attraktiver zu machen.

Laut dem Elternverband „Skole og Forældre” wird das Problem in den Kommunen nicht gut genug und mit zu wenig Aufmerksamkeit gehandhabt. „Weil es nur um die Ausbildung unserer Kinder geht, werden einfach einige Studenten im letzten Ausbildungsjahr in die Klassen geschickt, die dort unterrichten”, sagte die Vorsitzende Mette With Hagensen zu Danmarks Radio.

Hoffen auf gute Lohnverhandlungen

Zur Zeit stehen die Lohnverhandlungen auch für die Lehrer an und Anders Bondo Christensen, der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft Danmarks Lærerforeningen hofft dabei, dass sich die Bedingungen für seine Kollegen verbessern werden und so der Beruf wieder attraktiver wird.

Kein Lehrerproblem an deutschen Schulen

Bei der Deutschen Schule Sonderburg nachgefragt, berichtet Konrektor Jan Wachtberg Schmidt, dass unausgebildete Lehrer an seiner Schule eine Seltenheit sind. „Alle Lehrer bringen bei uns eine Lehrerausbildung mit. Einzig wenn wir kurzfristig für Ersatz sorgen müssen, weil beispielsweise viele Lehrer krank sind, kann es vorkommen, dass eine Vertretung in die Klassen kommt, die keine Ausbildung hat”, so Wachtberg Schmidt.

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