Erwachsenenbildung

Kluft zwischen VUC-Vision und Wirklichkeit: Gewerkschaft greift ein

Ute Levisen
Ute Levisen Lokalredakteurin
Hadersleben/Haderslev
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Das VUC Lighthouse am Haderslebener Hafen: Hinter der Fassade schwelt es seit Langem. Am vergangenen Donnerstag machten die Lehrer ihrem Frust Luft. Foto: Ute Levisen

Die Erwachsenenbildungsstätte VUC Syd hat einen Gewinn von 22 Millionen Kronen erwirtschaftet – dabei aber eine enorme Durchfallquote unter den Schülern zu verzeichnen. Die Lehrer sprechen von seit Jahren kritischen Arbeitsbedigungen – der Vorstand muss bis Mitte September einen Bericht an die zuständige Behörde liefern.

„Die Zukunft ist dein!“ – Das ist die Vision der Erwachsenenbildungseinrichtung VUC Syd. Die Wirklichkeit ist ernüchternd, denn die Durchfallquote ist hoch am VUC Syd. Dem aktuellen Jahresbericht zufolge bestanden 2014/2015 gerade einmal 56 Prozent der Schüler ihre Abschlussprüfungen. Im Jahr 2010/2011 waren es noch 67 Prozent. An mangelndem Kapital kann es nicht liegen, dass grob gerechnet gerade einmal jeder zweite besteht, denn im Jahr 2016 erwirtschaftete das VUC Syd einen Überschuss in Höhe von 22 Millionen Kronen – gerechnet hatte man lediglich mit zwölf. Zugleich ist auch die Zahl der Schüler in den vergangenen Jahren beträchtlich gestiegen: 2010 durchliefen 4.016 eine Ausbildung am VUC – 2014 bereits 5.545.

Während der Überschuss zweistellige Millionenhöhe erreicht, sinken die Lohnkosten je 100 Schüler : von rund 6,3 Mio. Kronen im Jahre 2012 auf 5,2 Mio. im Vorjahr. Das ist ein Grund der enormen Unzufriedenheit, Stress und des hohen Krankenstandes, die seit Jahren den Alltag von Mitarbeitern und nunmehr Ehemaligen prägen.

„Die Verhältnisse für die Lehrer am VUC sind seit Jahren kritikwürdig“, stellt deren Gewerkschaft, „Gymnasieskolernes Lærerforening“ (GL), fest. In der vergangenen Woche war deren Vorsitzende, Annette Nordstrøm Hansen, daher bei der amtierenden VUC-Direktorin Vinnie Lerche Freudendal in Hadersleben. Es sei ein konstruktives Treffen gewesen, stellt die Gewerkschaftschefin nachfolgend in ihrem Referat fest: Die Direktion habe eingesehen, dass etwas geschehen müsse – und zwar schnell! Und: Die Lehrer wollen künftig über das Vorgehen der Leitung informiert – und einbezogen werden.

Lehrer hoffen, dass den Worten Taten folgen – Behörde und Ministerium beobachten

Auf einem Lehrertreffen im Anschluss an das „Spitzengespräch“ kam zum Ausdruck, dass die erlittenen Blessuren der Vergangenheit Zeit zum Heilen brauchen. Die Lehrer hoffen, dass es sich nicht nur um leere Versprechungen seitens der Direktion handelt, sondern dass den positiven Worten entsprechende Taten folgen und die psychischen Arbeitsbedingungen, unter denen die Lehrer in der Vergangenheit gelitten haben und die zu einer hohen Mitarbeiterfluktuation führten, ins Lot kommen. Die Situation war in der Vergangenheit derart zugespitzt, dass das GL-Sekretariat die Funktion des Vertrauensbeauftragten übernehmen musste, da niemand am VUC diese Aufgabe wahrnehmen wollte.

Seitens der Gewerkschaft heißt es, diese wolle sich dafür einsetzen, dass der staatliche Zuschuss, den das VUC für die Ausbildung der jungen Leute bekommt, auch zu Unterrichtszwecken verwendet wird. Unterdessen muss der VUC-Vorstand bis Mitte September einen Bericht über die bisherige Praxis am VUC für die „Behörde für Ausbildung und Qualität“ (STUK) erarbeiten. Die Behörde wiederum soll auf Anweisung des Bildungsministeriums die Zustände am VUC unter die Lupe nehmen.

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