Familienunternehmen F. Engel

Ein Engel kommt selten allein

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Engel
Deutsch Drathhaar Rüde Chester fährt täglich mit Fabrikant Carl D. Engel (r.) auf den Firmensitz am Norgesvej. Die Direktoren John Engel, Jørgen Lauritzen und Lars Engel (v. l.) gehören der Führungsspitze an. Foto: Karin Riggelsen

90 Jahre Firmengeschichte: Das Familienunternehmen „F. Engel“ blickt zuversichtlich in die Zukunft. Das Brüder-Trio wird von Finanzdirektor und Seniorchefs unterstützt.

Die Firma F. Engel hat Ende 2017 ein markantes Jubiläum gefeiert. Der erfolgreiche Familienbetrieb wurde am 27. November 1927 gegründet. 90 Jahre später haben die drei Urenkel Carl Eric Engel, John Cockrell Engel und Lars C. H. Engel das Sagen. Die Firmenleitung setzt sich außer den drei Direktoren aus Finanzdirektor Jørgen Lauritzen zusammen. Lauritzen ist auch Vorsitzender des Vorstandes. Diesem gehören neben den Brüdern auch deren Vater Carl Damgaard Engel und dessen Schwester Inger Damgaard Engel an.

Die Geschwister Carl und Inger Engel leiteten mehr als vier Jahrzehnte erfolgreich die Geschicke des Unternehmens. Der Wechsel in der Geschäftsleitung ist gleitend vollzogen worden. Die aktiven Senioren haben nach wie vor den Finger am Puls der bekannten Konfektionsfabrik mit Hauptsitz am Norgesvej in Hadersleben.

„Wir sind ein Familienunternehmen und jagen niemanden weg vom Futtertrog“, lacht John Cockrell Engel (51). Gemeinsam mit seinem Vater, dem Bruder Lars Christian Harris Engel (49) und Jørgen Lauritzen (52), lud er zum Interview. Treffpunkt ist beim Senior im ersten Stock.

Friedrich Engel kam 1888 aus Mecklenburg

„Ich sehe fast täglich nach dem Rechten“, schmunzelt der 84-Jährige. Nicht anwesend waren sein ältester Sohn, Carl Eric Engel (53), der geschäftlich im Ausland zu tun hatte und seine 82-jährige Schwester.

Den Grundstein für das Unternehmen legte Friedrich Engel, der 1888 aus Malchin in Mecklenburg nach Hadersleben kam, wo er sich als Textilkaufmann selbstständig machte. Die Konfektionsfirma ist nach ihm benannt und wurde im November 1927 von seinem Sohn Carl Jacobsen Engel gegründet. Anfang der 30er Jahre stieg Carl Engels Bruder Jacob Jacobsen Engel in das Unternehmen mit ein.

Als Finanzdirektor Jørgen Lauritzen 2014 zu dem erfolgreichen Betrieb stieß, wurde die Direktionsgruppe gebildet. „Das sind vier fantastische Jahre gewesen“, blickt Engel Senior zurück. Seine Söhne leiten jeweils eine Abteilung:

  • Carl Eric Engel führt einen Teil der Berufsbekleidung und Produktentwicklung.
  • John C. Engel hält die Fäden in der Herrenkonfektionsabteilung „Sunwill“ in der Hand.- Lars C. H. Engel steht an der Spitze der Abteilung für Jagd- und Outdoorbekleidung „Deerhunter“.
  • Jørgen Lauritzen kümmert sich hauptsächlich um die Finanzen.

Carl Damgaard Engel
Fabrikant Carl Damgaard Engel. Foto: Karin Riggelsen

„Wir sind vollkommen unabhängig“

„65 Prozent unserer Arbeitszeit richten wir das Augenmerk auf unsere Abteilungen. Die restliche Zeit beschäftigen wir uns gemeinsam mit der stetigen Weiterentwicklung unseres Unternehmens“, erklärt John C. Engel. Die Strategie scheint zu funktionieren. Die Firma Engel verkauft ihre Produkte weltweit. Berufsbekleidung ist auch 90 Jahre nach der Firmengründung so gefragt, dass sie 60 Prozent der Produktion ausmacht.

Der Betrieb steht gut da: „Wir brauchen nicht in die Bank zu gehen, um Geld zu borgen. Wir sind vollkommen unabhängig“, erklärt John C. Engel. Dass der Erfolg nicht von alleine kommt, haben die Brüder quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Sie besserten bereits ihr Taschengeld mit Jobs auf, als die Fabrik noch an der Norderstraße lag. Der erste Standort der Konfektionsfabrik lag in der Bischofsstraße, unweit der alten Stadtmauer.

Ohne das Engagement tüchtiger Mitarbeiter hätte man das Unternehmen nicht so erfolgreich aufbauen können, unterstreichen die Engels. Von den rund 500 Mitarbeitern, von denen der größte Teil in den beiden Fabriken in Litauen beschäftigt ist, haben viele jahrzehntelang „Engel-Erfahrung“. Im Standort in Zarasai erfolgt der Zuschnitt von Herrenhosen und Berufsbekleidung. Im Hauptwerk in Utena sind die Nähstuben. Die Standorte haben sich im Laufe von rund 20 Jahren zu Ecksteinen des Unternehmens entwickelt. Dort, wie auch in Hadersleben, ist die Mitarbeiterpflege im Fokus.

Mit Überzeugung in die Zukunft

So sind lange Betriebszugehörigkeiten in der Domstadt von 25 oder 40 Jahren keine Seltenheit. In Litauen freuen sich die Engels auch über Mitarbeiter, die seit Anbeginn vor rund 22 Jahren dabei sind.

Das Familienunternehmen investiert regelmäßig in die Zukunft. Derzeit wird für einen zweistelligen Millionenbetrag in Hadersleben ein neues IT-System eingeführt. „Ein 90-Jähriger kann auch der neuesten Entwicklung Rechnung tragen. Das Projekt, das hoffentlich Mitte 2019 abgeschlossen sein wird, und die erzielten Ergebnisse der Konfektionsfabrik, lassen uns mit Überzeugung an die Zukunft glauben“, sagt Jørgen Lauritzen.

Sieben Enkel im Alter von 9 bis 20 Jahre wachsen in fünfter Generation heran. Ob sie an die Tradition der Familie anknüpfen, wird sich im Laufe der kommenden Jahre zeigen.

90 Jahre Tradition und Unternehmergeist

Das Geschäftsjahr 2016/2017 schloss „F. Engel “ mit einem Nettoumsatz von über 333 Millionen Kronen ab. Das Ergebnis vor Steuer pendelte sich bei über 26 Mio. Kronen ein. Das Unternehmen verzeichnete in den vergangenen zwei Jahren einen Zuwuchs von 13 Prozent. Die Firma Engel beschäftigt knapp 500 Mitarbeiter. 150 Angestellte arbeiten in Dänemark an den Standorten Norgesvej und Simmerstedter Weg. Etwa 350 Mitarbeiter sind in den beiden Fabriken in Litauen sowie Gesellschaften in Europa angestellt.

2017 erweiterte „Engel“ seinen Stab in Dänemark mit 13 Mitarbeitern. Am Haderslebener Hauptsitz liegen u. a. Administration, Lager und Designabteilung. Standort der Deerhunter-Abteilung ist am Simmerstedter Weg. Die Jagd- und Freizeitbekleidung bekam 2009 ein vornehmes Prädikat, als es zum Königlich Dänischen Hoflieferanten ernannt wurde.

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