Landwirtschaft

LHN-Experte: Land säuft ab, weil Wasserläufe nicht gereinigt werden

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Tingleff
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Land unter in ganz Dänemark – wie auf dem Foto bei Tombüll. Nun wird die Politik wach und will abwässern. Foto: Karin Riggelsen

Hans Henrik Post: „Eine größere Katastrophe, dass die Kommunen ihrer Verpflichtung, die Wasserläufe frei zu halten, nicht nachkommen.“

Dass die enormen Niederschlagsmengen der letzten vielen Monate vielerorts in Dänemark Land unter bedeutet, wissen jetzt nicht nur die betroffenen Bauern und Anlieger, weil gestern Morgen alle inklusive Folketingspolitiker zu der Mitteilung aufwachten, dass der viele Regen den Grundwasserspiegel zu neuen Höhen hat steigen lassen. Laut Professor Jørgen Eivind Olsen von der Uni Aarhus sei das, so Jyllands-Posten, ein bisher nicht sehr beachtetes Klimaproblem – das aber weit akuter sei, als der steigende Meeresspiegel.

Der leitende Pflanzenbauexperte des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig, Hans Henrik Post, wundert sich ein wenig darüber, dass die Meldung über den steigenden Grundwasserstand so dramatisch einschlägt – begrüßt aber, dass unter anderem die Vorsitzende des Umweltausschusses des Folketings, Pia Adelsteen (DF), angekündigt hat, dass man nun die Abwasserprobleme auf den Feldern politisch angehen muss. Das aktuelle Problem komme völlig überraschend für Christiansborg, so die DF-Frau.

Die Lage auf den Feldern „wirklich extrem“

„Dass die Grundwasser-Reserven stark steigen bei so viel Niederschlag, ist kein neues Phänomen. Da ist es eine größere Katastrophe, dass die Kommunen ihrer Verpflichtung, die Wasserläufe frei zu halten, nicht nachkommen. Es ist ein generelles Problem, dass die Kommunen, um zu sparen, Bäche und Auen nicht reinigen. Das führt dann zum Wasserstau, und das Wasser kann von den Feldern nicht ablaufen.Das ist schon ein Armutszeugnis, wenn die Politik dies erst jetzt erkennt. Die Wasserläufe müssen gereinigt und ausgegraben werden. Wir können die Natur nicht ändern, aber wir können Abhilfe schaffen“, so LHN-Experte Post mit dem Hinweis, dass die Lage auf den Feldern nach dem vielen anhaltenden Niederschlag 2017 schon „wirklich extrem“ ist: „Es gab bisher nicht viele Jahre, wo man so wenig Wintersaat eingebracht hat wie in dieser Saison. Es muss in diesem Frühjahr sehr, sehr viel Sommersaat eingebracht werden – so viel, dass das Saatgut quasi schon ausverkauft und Mangelware ist“, so Hans Henrik Post.

Neben der politischen Einsicht, dass die aktuellen Wassermassen den Bauern nicht nur viel Extra-Arbeit, sondern auch Milliarden Kronen kosten werden, diskutiert die Politik nun auch, ob man verstärkt tief liegende Ländereien einfach stilllegen und überfluten lassen sollte. Der Vize des dänischen Bauernverbandes, Lars Hvidtfeld, stellt aber fest, dass man die Kapazität der Wasserläufe erweitern muss. Das sei aber nicht genug, meint der umweltpolitische Sprecher der Genossen, Christian Rabjerg Madsen aus Kolding: „Wir müssen einfach einsehen, dass sich einige Areale nicht für die Landwirtschaft eignen. Wir müssen darauf schauen, ob diese nicht stattdessen als Naturgebiete dienen können, die etwas vom vielen Wasser aufnehmen können.“

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