Integration

Zwangs-Krippe in sozialen Brennpunkten spaltet Lokalpolitiker

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Ab dem ersten Geburtstag müssen Kinder, die in sogenannten „Ghettos“ leben, bald in die Krippe. Foto: freestocks.org/Unsplash

Dänemarks Minderheitsregierung hat mit den Stimmen von Sozialdemokraten und DF eine Absprache getroffen, nach der Kinder, die in sogenannten „Ghettos“ leben, mindestens 25 Stunden pro Woche eine Kinderkrippe besuchen müssen. Ansonsten drohen finanzielle Strafen.

Die Politiker der drei größten Städte Dänemarks sind sich nicht einig darüber, was von dem jüngsten integrationspolitischen Vorstoß aus dem Ministerium der Ausländer- und Integrationsministerin Inger Støjberg (Venstre) zu halten ist. 25 Stunden pro Woche sollen Kinder, die in bestimmten Wohngebieten leben, die nach von der Regierung bestimmten Kriterien als „Ghettos“ bezeichnet werden, in eine Kinderkrippe. Folgen die Eltern dieser Regelung nicht, wird ihnen das Kindergeld gestrichen.

Die Regierungsparteien (Venstre, Liberale Allianz, Konservative) sowie die Sozialdemokraten und die Dänische Volkspartei (DF) haben dem Vorschlag zugestimmt. Damit besteht eine breite Folketingsmehrheit.

Auch in Kopenhagen wird die Absprache begrüßt – in Aarhus und Odense hingegen herrscht Skepsis. „Jetzt müssen die Pädagogen die Stoppuhr rausholen und herausfinden, ob man weniger als 25 Stunden die Woche da ist und ob einem das Kindergeld gestrichen werden soll“, sagt Thomas Medom von der Sozialistischen Volkspartei (SF), der dem Rat für Kinder und Jugendliche im Rathaus von Aarhus vorsitzt. „Ich finde, dass es sehr schade ist, dass eine Gute Idee von obligatorischer Kinderkrippe sich zu dem hier entwickelt hat“, sagt er. Er befürchtet eine Reihe von praktischen und administrativen Problemen.

Die sieht seine Odenser Amtskollegin, Susanne Crawley Larsen von der sozialliberalen Radikale Venstre nicht. Sie wolle sich aber dafür einsetzen, dass mehr Eltern ihre Kinder freiwillig in Kinderkrippen und Kindergärten schicken.

In Kopenhagen, wo die Ausschussvorsitzenden sich Bürgermeister nennen, sagt der sozialdemokratische Bürgermeister für Kinder und Jugend, Jesper Christensen, dass die Maßnahme von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Kinder sei.

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