Zweckehen

Regierung will ausländische Brautpaare screenen

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Foto: Scott Webb/Unsplash

Dänemarks Regierung will verhindern, dass die Rathäuser im Lande als Hintertür für den Aufenthalt in Europa benutzt werden. Die Sozialministerin spricht von „kriminellen Netzwerken“.

In Dänemark soll es für ausländische Bürger künftig nicht mehr möglich sein, durch Pro forma-Hochzeiten die EU-Bürgerschaft zu erwerben. Die Regierung hat laut Tageszeitung Berlingske einen Plan erarbeitet, um dies künftig zu verhindern. „Unter meiner Aufsicht wird es kriminellen Netzwerken nicht gestattet sein, Hochzeiten in Dänemark als Hintertür nach Europa zu nutzen“, zitiert das Blatt Sozialministerin Mai Mercado (Kons.).

Es soll eine zentrale Spezialeinheit eingerichtet werden, die sämtliche Paare screenen soll, wenn nicht beide Ehepartner dänische Staatsbürger sind oder eine permanente Aufenthaltsgenehmigung in Dänemark haben. Dabei sollen die Dokumente bewertet werden, die für das für die Hochzeit benötigte Attest vorausgesetzt werden.

Sollte der Verdacht einer Pro forma-Ehe bestehen, soll das betreffende Paar zu eingehenden Gesprächen vorgeladen und letztlich abgewiesen werden können. Im Dezember berichtete Berlingske, dass 10.437 ausländische Paare in Dänemark verheiratet worden sind, während nur 3.280 dänische Paare geheiratet haben, was einer Verdoppelung innerhalb von zehn Jahren entspricht.

Europol warnte damals davor, dass solche Ehen in zunehmendem Maße für kriminelle Zwecke genutzt werden, wo EU-Bürgerinnen mit Männern aus Nicht-EU-Ländern verheiratet werden.

Mai Mercado meint unterdessen nicht, dass die Maßnahmen zu hart seien für Paare, die einander aus Liebe heiraten wollen: „Nein, ich denke, dass die das gar nicht bemerken werden, weil sie vermutlich gar nicht zu einem Gespräch geladen werden“, sagt sie zu Berlingske.

Der Nachrichtenagentur Ritzau sagte sie am Sonnabend, dass auch neue gesetzliche Rahmen geschaffen werden sollen: „Wir brauchen ein Verbot, wie es das in sehr vielen EU-Ländern gibt. Das haben wir in Dänemark nicht und das heißt, dass es für Schwindler attraktiv ist, ins Land zu kommen, weil es keine Konsequenzen hat.“

Die nordschleswigschen Kommunen zählen zu den bei ausländischen Brautpaaren besonders beliebten Kommunen.

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