Gesundheitswesen

Erholung im Klinikgeschäft treibt Fresenius an

Erholung im Klinikgeschäft treibt Fresenius an

Erholung im Klinikgeschäft treibt Fresenius an

dpa
Bad Homburg
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Die Corona-Pandemie belastet nach wie vor Deutschlands größten privaten Krankenhausbetreiber Fresenius. Foto: Arne Dedert/dpa

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Lange hatte der Krankenhaus- und Medizinkonzern unter den Folgen der Pandemie gelitten. Nun hellt sich die Lage bei Fresenius wieder auf. Steigende Infektionszahlen und Mutationen bleiben aber eine Gefahr.

Der Medizinkonzern Fresenius erholt sich überraschend stark von der Pandemie und erwartet etwas bessere Geschäfte.

Dabei profitierte Deutschlands größter privater Krankenhausbetreiber im zweiten Quartal von mehr Behandlungen in seinen Kliniken, aber auch der Flüssigmedizin- und Infusionshersteller Fresenius Kabi sowie der Gesundheitsdienstleister Vamed legten zu. Jedoch belasteten weiter Einbußen bei der ebenfalls im Dax notierten Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC), wo noch immer viele chronisch Nierenkranke am Coronavirus sterben.

Von April bis Juni steigerte Fresenius den Umsatz um 4 Prozent zum Vorjahresquartal auf gut 9,2 Milliarden Euro. Der Gewinn zog um 15 Prozent auf 471 Millionen Euro an. Fresenius-Chef Stephan Sturm zeigte sich zufrieden, warnte aber vor Virusmutationen und steigenden Corona-Zahlen. «Wir haben bei Umsatz und Gewinn trotz der andauernden Auswirkungen der Pandemie sehr gesunde Zuwächse erreicht. Die gestiegenen Impfquoten in vielen unserer wichtigen Märkte sind ermutigend, aber natürlich ist die Pandemie noch nicht vorbei», sagte er am Freitag. Die frühere Annahme, dass sich die Rahmenbedingungen in der zweiten Jahreshälfte verbessern, sei zunehmend in Gefahr.

Gerade das Geschäft von Fresenius Helios mit rund 90 Kliniken in Deutschland hatte unter der Pandemie gelitten. Viele Menschen blieben Krankenhäusern aus Angst vor Infektionen fern und verschoben nicht dringende Eingriffe. Nun zogen solche Behandlungen wieder kräftig an. Besonders hoch war die Nachfrage in Fresenius-Kliniken in Spanien.

Der Flüssigmedizin-Anbieter Kabi konnte derweil mit einem Wachstum in Schwellenländern sowie China zulegen und damit Belastungen wegen des Preisdrucks in Nordamerika ausgleichen. Die Projekttochter Vamed, die Dienstleistungen für Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen erbringt, schaffte es wieder in die schwarzen Zahlen.

Der Dialyseanbieter FMC litt dagegen weiter heftig unter der Pandemie. Während der Umsatz um 5 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro fiel, brach der Gewinn um 38 Prozent auf 219 Millionen ein. Jedoch hatte das Unternehmen im Vorjahresquartal auch stark von staatlichen Corona-Hilfen in den USA profitiert. Im Frühjahr hatte FMC Investoren mit der Prognose eines Ergebniseinbruchs in diesem Jahr schockiert. Immerhin ging die Übersterblichkeit bei Dialysepatienten wegen des Coronavirus nun zurück.

Wegen der Erholung bei Fresenius hob das Management die Jahresziele an. Es erwartet nun für 2021 einen Zuwachs des um Sondereffekte und Währungseinflüsse bereinigten Gewinns im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Zuvor wollte Fresenius das Ergebnis noch «mindestens in etwa stabil» halten. Der Umsatz soll weiter währungsbereinigt im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen.

Um die Effizienz zu steigern, hatte Fresenius ein Sparprogramm angekündigt, das bis 2023 mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr bringen und schon jetzt erste Früchte tragen soll. Dazu zählen niedrigere Verwaltungs- und Einkaufskosten sowie eine optimierte Produktion. Fresenius könnte sich auch von Kliniken trennen: Man lege «einen Schwerpunkt auf die strategische Überprüfung des Krankenhausportfolios», hieß es.

Für FMC sollen im Herbst Details zur Überprüfung des Geschäftsmodells folgen. Fresenius-Chef Sturm hatte aber auf der Hauptversammlung im Mai die Aufstellung des Konzerns verteidigt und Spekulationen über einen möglichen Verkauf des 32-prozentigen Anteils an FMC dementiert. An der Börse kamen die Quartalszahlen nicht gut an. FMC-Aktien fielen um mehr als 5 Prozent, Fresenius-Papiere um gut 3 Prozent.

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