Arbeitsmarkt in Flensburg

Danfoss – Kampf um die Arbeitsplätze

Carlo Jolly/shz.de
Flensburg
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2009 gab es große Proteste in Flensburg gegen das Aus für die Produktion in Flensburg. Foto: Marc Euler/SHZ

Wo einst weit mehr als Tausend Mitarbeiter arbeiteten, sind noch rund 60 übrig. Von Danfoss ging es in Flensburg über Secop zu Nidec: Der ehemalige Kompressoren- und Kühlgeräte-Hersteller wartet auf den Spruch der Einigungsstelle.

Wieviel Zukunft eine Belegschaft noch hat, die ihre Monatsgespräche mit dem eigenen Management vor dem Arbeitsgericht einklagen muss? Stefan Neubert und seine knapp 60 Kollegen von Nidec auf dem ehemaligen Danfoss-Gelände an der Mads-Clausen-Straße hoffen noch und kämpfen. Über das Stadium der Befürchtungen sind sie aber weit hinaus: „Wir waren schon in Verhandlungen um Sozialplan und Interessenausgleich“, sagt Neubert.

Diese Woche enden die Verhandlungen in Hamburg um die 59 Jobs von Nidec in der Einigungsstelle. „Wir sollen runter auf 22 bis 24“, referiert das fünfköpfige Betriebsratsgremium die Pläne der Managements, das sein Headquarter in Italien hat. Am Freitag wird der Spruch der Stelle erwartet.

Nidec? Im vergangenen Frühjahr übernahm der japanische Industrie-Konzern mit 120.000 Beschäftigten den Nachfolger der Danfoss-Kompressorensparte, Secop, für 185 Millionen Euro. Seinerzeit war die Nachricht in der Belegschaft noch positiv aufgenommen worden: „Wir dachten, wir kommen jetzt endlich wieder in ein produzierendes Unternehmen“, so der Betriebsrat. Bei Secop hatte seit 2010 die Münchner Industrieholding Aurelius das Sagen, eine InvestmentGruppe mit Büros in ganz Europa. Doch nach dem Wechsel ist längst Ernüchterung eingetreten. „Wir fragen uns, warum der Geldwert jetzt vernichtet wird“, sagt Neubert.

„Im Prinzip soll der ganze Standort weg“

Jetzt sollen in Flensburg offenbar Vertrieb und die Entwicklungsabteilung weichen, der technische Kundendienst und die Finanzen bleiben zunächst. Vertriebsexperten und Entwickler überflüssig? „Man sagt, die Kompetenzen seien auch an anderen Standorten vorhanden“, so Neubert, zum Beispiel in Österreich.

„Im Prinzip soll der ganze Standort weg“ befürchtet Flensburgs IG-Metall-Chef Michael Schmidt, der diese Woche im Hamburg mit am Tisch sitzt. „Im Zeitalter von Industrie 4.0 ist das ein Witz“, schimpft er. Der Altersdurchschnitt der Belegschaft liegt bei knapp 50 Jahren, bei 18 Jahren Betriebszugehörigkeit. Ein Angebot, an anderen Standorten im Nidec-Konzern zu arbeiten, soll lediglich für zwei Mitarbeiter vorliegen.

Haushaltskompressoren werden heute im Konzern in den Werken in der Slowakei und in China produziert. Die Sparte mit den gewerblichen Kühlgeräten zum Beispiel für die Supermarkt-Kühlwaren, bei Secop unter Mogens Søholm noch zentral, soll künftig offenbar nicht mehr diese Bedeutung haben. Doch Søholm und das alte Management sind seit Herbst von Bord: „Nidec geht nicht mehr auf die hochpreisigen Produkte, sondern auf den Massenmarkt“, sagt Neubert.

Vom Management aus Italien ist nichts zu hören: Eine Anfrage des Flensburger Tageblatts an Katia Drusian aus der Geschäftsleitung blieb seit Donnerstag unbeantwortet. Immerhin: Die rund 35 Motorenentwickler der Tochter MCC in Harrislee sind von den Plänen offenbar nicht betroffen.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Eine neue Laufbahn“