Adventskalender

10. Dezember - Wintergedicht

10. Dezember - Wintergedicht

10. Dezember - Wintergedicht

Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Adventskalender-blau-2018-10
Foto: DN

Zur kalten Jahreszeit können an so manch eisigem Tag auch Worte und Gedanken wärmen. Heute versteckt sich ein winterliches Gedicht hinter unserem Adventskalendertürchen.

Leseerlebnis

Ton einschalten, Video starten und das Gedicht erleben.

Heinrich Heine

„Altes Kaminstück“

(1852)

Draußen ziehen weiße Flocken
Durch die Nacht, der Sturm ist laut;
Hier im Stübchen ist es trocken,
Warm und einsam, stillvertraut.

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
An dem knisternden Kamin,
Kochend summt der Wasserkessel
Längst verklungne Melodien.

Und ein Kätzchen sitzt daneben,
Wärmt die Pfötchen an der Glut;
Und die Flammen schweben, weben,
Wundersam wird mir zumut'.

Dämmernd kommt heraufgestiegen
Manche längst vergeßne Zeit,
Wie mit bunten Maskenzügen
Und verblichner Herrlichkeit.

Schöne Fraun, mit kluger Miene,
Winken süßgeheimnisvoll,
Und dazwischen Harlekine
Springen, lachen, lustigtoll.

Ferne grüßen Marmorgötter,
Traumhaft neben ihnen stehn
Märchenblumen, deren Blätter
In dem Mondenlichte wehn.

Wackelnd kommt herbeigeschwommen
Manches alte Zauberschloß;
Hintendrein geritten kommen
Blanke Ritter, Knappentroß.

Und das alles zieht vorüber,
Schattenhastig übereilt -
Ach! da kocht der Kessel über,
Und das nasse Kätzchen heult.

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