Vor 100 und vor 50 Jahren

Chronik: Pressesterben, verbotene Lieder und aparter Putz

Chronik: Pressesterben, verbotene Lieder und aparter Putz

Chronik: Pressesterben, verbotene Lieder und aparter Putz

Jürgen Ostwald
Nordschleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Hutmode zum 9. Januar 1923 Foto: Berliner Tageblatt

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Was hat im Januar vor 100 und vor 50 Jahren für Schlagzeilen gesorgt? Jürgen Ostwald hat im Archiv die Zeitungen durchforstet und aufgelistet, was die Menschen 1923 und 1973 bewegt hat.

Foto: DN

Wie jedes Mal zu Jahresbeginn blicken wir in die damals bekannteste bzw. journalistisch anerkannteste deutsche Zeitung, das „Berliner Tageblatt“, das Leitmedium des Kaiserreiches und auch noch der frühen Weimarer Republik. Noch immer ist Theodor Wolff, der langjährige Freund Georg Brandes’, Chefredakteur. Wolffs Neigung zum Norden ist es auch zu verdanken, dass etwa Dänemark öfter Thema wird als in anderen Berliner Blättern.

Donnerstag, 4. Januar 1923
Ein Nordisches Institut der Kieler Universität
An der Kieler Christian-Albrechts-Universität ist jetzt ein Nordisches Institut gegründet worden, womit für den westlichen Norden eine Einrichtung geschaffen ist, wie sie für den Osten schon seit einer Reihe von Jahren besteht und wirkt. Greifswald hat, seiner geografischen Lage und seiner Geschichte folgend, seine Tätigkeit hauptsächlich auf Schweden und Finnland gerichtet; Kiel wird durch seine Bedingungen vor allem auf Dänemark und Norwegen, dann auf Schweden gewiesen. So tritt das Kieler Nordische Institut als Ergänzung neben das Greifswalder.

Freitag, 5. Januar 1923
Vom Sterben der Presse
Mit der ersten Nummer des 50. Jahrganges hat das „Echo vom Wald“ in Triberg sein Erscheinen eingestellt. Das im 58. Jahr erscheinende „Lengenfelder Tageblatt“ hat mit dem 30. Dezember sein Erscheinen eingestellt. Der im 12. Jahrgang erscheinende „Heimatbote“ in Gera stellt sein Erscheinen ein, ebenso hat das im 42. Jahrgang stehendem „Stadthagener Kreisblatt“ zu erscheinen aufgehört.

Die Inflation und exorbitant gestiegene Papierpreise ließen die Pressen in den Druckereien zahlreicher deutscher Gazetten stillstehen. Monat für Monat werden Listen publiziert.

Sonnabend, 6. Januar 1923
Adam Müller-Guttenbrunn ist, wie ein Telegramm meldete, in Wien gestorben. Als er vor einigen Monaten siebzig jahre alt wurde, durfte auf die mannigfaltigen Verdienste hingewiesen werden, die der talentvolle und regsame Mann sich erworben. Er hat Romane und Dramen geschrieben, und die zuletzt erschienenen beweisen, wie tief Müller-Guttenbrunn den Zusammenbruch seiner österreichischen Heimat und der Vaterstadt Wien empfand. Seine wesentliche Leistung bleibt aber die Gründung des Wiener Raimund-Theaters, an die man sich immer erinnern wird, wenn dies Haus die volks- und kunstfreundlichen Wege wandelt, die sein Schöpfer ihm vorgezeichnet hat, und erst recht dann, wenn es sie verlässt. In den letzten Jahren entstand in dem Verstorbenen auch ein energischer Vorkämpfer des Deutschtums in den bedrohten Grenzländern.

Adam Müller-Guttenbrunn war eine der herausragenden Persönlichkeiten der donauschwäbischen Welt. Aus dem Banat stammend, war er nach dem Zusammenbruch der Donau-Monarchie einer der Wortführer der donauschwäbischen Volksgruppe in Rumänien. Seine Wirkung strahlte weit aus. Selbst in Nordschleswig las man vor 100 Jahren seine Romane und Schriften. Ich habe zahlreiche Bücher Müller-Guttenbrunns vor 30, 40 Jahren, als deutsche Bücher in großer Zahl aus den Nachlässen auf nordschleswigschen Bücherflohmärkten (Spider, Lions-Club usw,) auftauchten, erwerben können.

Diese Zeichnung wie auch die unteren beiden erschienen im „Moden-Spiegel“ vom 9. Januar, einer Beilage des „Berliner Tageblatts“. Es war eine der damals üblichen Frauenbeilagen der Tageszeitungen. Foto: Berliner Tageblatt

Dienstag, 9. Januar 1923
Geselligkeit
Da die Zeitverhältnisse die Geselligkeit in bescheidenere Bahnen lenkten, ist es selbstverständlich, dass auch die Kleidung einfacher und nicht mehr so abwechslungsreich ist wie bisher. Dass sie dennoch vielseitig gestaltet werden kann, ist ein Erfolg der mannigfaltigen Anregungen, die die unermüdlichen Modeschöpfer ersinnen.

Neben den schmalen, sich eng um den Körper schmiegenden Formen ist reges Interesse für Stilkleider erwacht, die sich in völliger Unabhängigkeit an die verschiedenen Epochen anlehnen. In krassem Gegensatz zu der schlanken gewickelten Linie steht das breitgebauschte Taftkleid. Man trägt den runden Spitzenkragen und hohe spanische Manschetten, liebt stumpfe, matte Seiden neben prunkenden Brokaten, deren anspruchsvolle Zeichnungen der Renaissancezeit entlehnt zu sein scheinen. Prächtige Agraffen erhöhen den glanzvollen Eindruck. Um auch einem schlichten Anzug reizvolle Vollendung zu geben, erfindet man aparten Kopfputz und originelle Hüte, die dem Stil der Kleider gerecht werden und wie sie immer ein wenig metallisch glänzenden Schmuck aufweisen.

Diese Zeichnung erschienen ebenfalls im „Moden-Spiegel“ vom 9. Januar, einer Beilage des „Berliner Tageblatts“. Foto: Berliner Tageblatt

Sonntag, 14. Januar 1923
Der Asphalt. Von Emil Bönnelykke

Ich bin ein Läufer der Straße, ein Bursche, den die Ruhelosigkeit, die Unrast, die wilde Jagd der wirbelnden Stadt gepackt hat. Ich empfinde den Tag mit dem Herzen, und fühle mich mager vor Hast.

Ich bin der Sohn des Asphalts, den seine Träume von automobilen und Anschlagsäulen, Häuserfassaden und Pflastersteinen, Läden, Markisen, lärmenden Rädern und Straßenbahnwagen versehren und verzehren. Mein Vater war ein Stein, mein Geschlecht ist das erbarmungslose Eisen.

Doch wer ist meine Mutter?

Ich bin ein Läufer, dessen Fuß wund wurde durch die Entfernungen, den anspannenden Wettkampf, das jahrelange Rasen über den Asphalt, der meine Bahn wird. Ich bin der treue, ausdauernde Läufer meiner Stadt, in meinem Herzen ruht die

Kunde von willen, Jugend und Sieg verkapselt; und meine Hände sind beim lauf geballt.

Mich schmerzt die harte Straße, mich schmerzen die steinernen Fassaden, die lärmenden Wagen, die schreienden Lettern der Reklamen. Mich schmerzt der Asphalt, dessen Sohn ich bin; und im ermatten flüstere ich: O, wer ist meine

Mutter?

Ist es der blaue Himmel? Die gabenmilde Sonne? Ist es der Wind, der tröstend meine Wange streicht? Ist es das rieselnde Blatt?

Ich fühle, ich Bursche kenne die Straße. Ich weiß. Wie wohl es tut, wenn man einen Wagen voll duftender Blumen trifft. Ich kenne das erquickende Lächeln eines jungen Mädchens. Ich kenne den ermunternden Händedruck eines Freundes. Und während ich von Ruhelosigkeit, von Unrast gepackt, dem dunklen Ziele entgegenlaufe, das ich, ich ahne es, einmal erreichen werde, suche ich Ruhe bei den duftenden Blumen, Linderung in dem Lächeln eines jungen Mädchens, Zuflucht bei eines Freundes Händedruck, bei dem blauen Himmel, der Sonne, dem milden Winde und bei dem sanften, rieselnden Laut der Blätter – und frage:

Ist all das meine Mutter?

Aus dem Dänischen von Frida Erdmute Vogel.

Emil Lundstrøm: Porträt Emil Bønnelykke, 1921 Foto: smk, København

Emil Bønnelykke (1893-1953) gehörte in seiner Frühzeit zu den lautstarken expressionistischen Kopenhagen-Dichtern, der die öffentlichen Lesungen seines Rosa-Luxemburg-Langgedichts mit Pistolenschüssen zu beenden pflegte. 1918 war seine Sammlung Asfaltens Sange in Kopenhagen erschienen. Der Abdruck im „Berliner Tageblatt“ ist die erste und für die Frühzeit wohl einzige Publikation auf Deutsch. Ein Buch auf Deutsch ist von ihm, der viel publizierte, nie erschienen.

Bønnelykke kannte Berlin und den Sturm-Kreis und die dazugehörige Galerie, in der übrigens vor genau 100 Jahren Francisca Clausen ein und aus ging. Der Sturm gab ihm, dem „Valbyparnass“ und der Autoren- und Künstlerschar um die Zeitschrift „Klingen“ zahlreiche Anregungen. Über die Übersetzerin Frida Erdmute Vogel ist wenig bekannt. Sie war eine Kunsthistorikerin, 1876 geboren, die bereits vor dem Weltkrieg in Kopenhagen lebte. Womit sie ihren Lebensunterhalt dort bestritt, ist nicht bekannt. Sie übersetzte offenbar anonym. Nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichte sie in Kopenhagen einen kleinen Roman, den sie auf Deutsch geschrieben hatte und der von Edith Rode, mit der sie offenbar befreundet war, ins Dänische übertragen wurde. Zudem sind Briefe Martin Andersen-Nexös an Vogel bekannt. Es wäre interessant, der völlig in Vergessenheit geratenen deutsch-dänischen Autorin nachzugehen.

Donnerstag, 18. Januar 1923
Das Singen deutscher Lieder verboten – Auf Befehl der Besatzungsbehörde
Auf Befehl der Besatzungsbehörde ist das Singen nationaler Lieder wie „Die Wacht am Rhein“ und das Deutschlandlied verboten worden.

Die Ruhrbesetzung war eine der herausragenden und folgenreichsten Geschehnisse der Weimarer Republik. Ja, sie war ein entscheidendes Faktum in der Geschichte der Weimarer Republik. Französische und belgische Truppen hatten deutsches Staatsgebiet militärisch besetzt, um Reparations-Forderungen durchzusetzen. Zugleich wurden politische Einschränkungen wie die obigen befohlen und durchgesetzt, die eigentlich ausgeschlossen worden waren. Am 27. Januar meldete das Tageblatt: „,Wilhelm Tell’ ist dem Koblenzer Stadttheater von der Rheinlandkommission verboten worden. Darauf gäbe es eine gute Antwort. In jeder deutschen Stadt, in den größeren mindestens an einer Bühne, müsste angekündigt werden: ,Morgen und die folgenden Tage: ,Wilhelm Tell’.“

Das Schauspiel „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller, der einstmals zum Ehrenbürger Frankreichs ernannt worden war, wurde von den Besatzungsbehörden als Widerstands-Literatur gebrandmarkt. Wie heißt es im Drama? „Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht, wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, wenn unerträglich wird die Last – greift er hinauf getrosten Mutes in den Himmel, und holt herunter seine ew’gen Rechte (…) zum letzten Mittel, wenn kein anderes mehr verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben“. 20 Jahre später, 1944, erschien in Kopenhagen – Dänemark war bekanntlich von deutschen Truppen besetzt – eine kleine Broschüre auf Deutsch für den Schulgebrauch im Verlag Reitzel für 1,50 Kronen: „Wilhelm Tell. Schauspiel in fünf Aufzügen. Mit Einleitung und Erläuterungen von H. Hertig Jørgensen“. Henrik Hertig war damals Deutsch- und Lateinlehrer und veröffentlichte das Drama im Alter von 29 Jahren. Er war von 1960 bis 1984 Rektor des Gymnasiums in Maribo.

Die Empörung über die Ruhrbesetzung war im ganzen Reich groß. Foto: Berliner Tageblatt

Sonnabend, 20. Januar 1923
Columbus von Johs. V. Jensen
Der dänische Dichter begeht heute seinen fünfzigsten Geburtstag. Wir bringen aus diesem Anlass das folgende Gedicht von ihm, das hiermit zum ersten mal in deutscher Sprache erscheint. Die Redaktion

Es schwankt auf den Wogen so manches Schiff mit ragendem Bau.

Und manch verwegener Schiffer ward am Ruder grau.

Und dort auch verlor sich Christopher Columbus,

verführt durch sein niemals ruhendes Herze,

auf Windes und Nebels Pfaden unter des Monds verlorener Kerze.

(…)

Der 50. Geburtstag Jensens wurde in deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften nur vom „Berliner Tageblatt“ gewürdigt, sieht man von einer kurzen Notiz in der „Vossischen Zeitung“ ab – ein Beweis für die Wertschätzung, die dem dänischen Literatur- und Kulturleben im Tageblatt eingeräumt wurde. Übersetzt hatte dieses Gedicht, das viele Dutzend Verse zum Abdruck brachte, Erwin Magnus, der für das „Berliner Tageblatt“ damals einer der Korrespondenten für dänisches Literaturleben war.

Das Gedicht Jensens ist Teil des Romans „Columbus“, der in Dänemark bereits erschienen war, in Deutschland im Sommer bzw. im Herbst in die Buchläden kommen wird. Magnus hat den Roman nicht übersetzt, er war nämlich gerade mit der Übersetzung eines Romans der Ehefrau Jensens befasst.

Donnerstag, 25. Januar 1923
Der Skandinavien-Schweiz-Express
Der neue deutsche Luxuszug, der Skandinavien-Schweiz-Express, der sich infolge seiner raschen Verbindung durch Deutschland-Stockholm, Kristiania (heute Oslo), Kopenhagen-Basel in 28 bzw. 30 bzw. 26 Stunden – steigender Benutzung erfreut, hat durch einige Fahrplanänderungen neue wichtige Anschlüsse erhalten; so wartet auf der Rückfahrt von der Schweiz der D-Zug D 199 (Frankfurt-Berlin) in Magdeburg auf den von Basel kommenden Skandinavien-Schweiz-Express, und dieser Anschluss stellt eine neue rasche Schlafwagenverbindung Schweiz-Berlin her. Weiter stellt der Express die schnelle Verbindung zwischen Skandinavien und Süddeutschland und Skandinavien-Italien her.

Ältere Leserinnen und Leser dieser Zeilen werden sich noch an den Kopenhagen-Rom-Express erinnern, der vor Jahrzehnten das Reisen in den Süden noch zu einem Vergnügen machte. Längst ist er eingestellt. Mühsam wühlt man sich heute durch die Fahrpläne und stellt fest, dass alles viel länger dauert und dass man von Kopenhagen bis Basel schon fünfmal umsteigen muss.

Mittwoch, 31. Januar 1923
Der dänische Kunstsammler J. Hage gestorben
Der glücklichste dänische Sammler alter Bilder, J. Hage, ist hochbetagt auf seinem Landsitz Nivågård gestorben, in Hages Kunstbesitz, den der Sammler schon 1908 dem dänischen Staat gewidmet hat, sind die besten Namen der niederländischen Meister vertreten: Rembrandt mit einem Frauenporträt von 1632, Jan Steen mit drei Bildern, P. De Hooch, Metsu, Terborch, J. und S. Ruisdael u. a. Klein, aber gewählt ist die italienische Abteilung mit Bildern von Cima, G. Bellini, Lotto, Bordone u. a.

Johannes Hage, der am 14. Januar über 80-jährig gestorben war, war nicht nur Sammler, sondern auch Politiker und Kaufmann. Er war nicht nur der Stifter der heute noch bestehenden Nivaagaards Malerisamling, sondern auch von Nivaagaards Hospital und anderer Stiftungen. Am 28. Januar beginnt in Nivaagaards Malerisamling übrigens die Ausstellung „Kunstnerkolonierne Hornbæk & Arild“.

 
Foto: DN

Mittwoch, 24. Januar 1973
Islands „Heiliger Berg“ speit Feuer
Ein Vulkanausbruch in der Nacht zum Dienstag hat die Insel Heimaey in der isländischen Vestmann-Inselgruppe praktisch in zwei Teile auseinandergerissen. Alle 6.000 Einwohner wurden in einer Blitzaktion auf das 16 Kilometer entfernte Festland evakuiert. Eine Armada von hundert Fischerbooten, Küstenschiffen, Flugzeugen und Hubschraubern eilte zu Hilfe. Geologen in Reykjavik äußerten die Befürchtung, dass die nur etwa 40 Quadratkilometer große Insel im Meer versinken könnte. 1963 war bei einem Vulkanausbruch die Insel Surtsey entstanden, rund 20 Kilometer von Heinaey entfernt.

Die Vestmann-Inseln galten unter Geologen als vulkanisch „tot“. Nach wissenschaftlichen Berechnungen lag der letzte Ausbruch des „Helgafjellud“ – des „Heiligen Bergs“ von Island – 4.000 bis 5.000 Jahre zurück. Zumindest wurde seit Beginn der Besiedlung der Inselgruppe durch die Wikinger im Jahre 784 n. Chr. Kein Ausbruch mehr bekannt.

Donnerstag, 11. Januar 1973
Jens Otto Krag und Helle Virkner-Krag lassen sich scheiden
Der frühere Staatsminister Jens Otto Krag und seine Frau, Helle Virkner, wollen sich scheiden lassen. Jens Otto Krag war von 1962 bis 1968 und von 1971 bis 1972 Staatsminister. In der gemeinsamen Mitteilung Helle Virkners und Jens Otto Krags heisst es, dass Helle Virkner das Haus im Kopenhagener Stadtviertel Frederiksberg, in dem das Ehepaar wohnte, behalten wird. Jens Otto Krag will sich eine neue Wohnung suchen.

Das Ehepaar war einst das berühmteste Paar Dänemarks. So nimmt es nicht wunder, dass „Der Nordschleswiger“ die Nachricht der Scheidung wie andere Blätter auch auf der ersten Seite in einem Kasten brachte.

Sonnabend, 27. Januar 1973
In der Ostsee wimmelt es augenblicklich von Dorsch, Butt und Hering
Für Sonderburgs Erwerbsfischer ist die „goldene“ Jahreszeit angebrochen. Sie haben Hochsaison. In den vielen Fanggründen der Ostsee wimmelt es augenblicklich von Dorschen, Butts und Heringen. „Wir nehmen den Fischern“, so sagte es Geschäftsführer Viggo Pedersen von „Fiskerens Fællessalg“ gestern in einem Gespräch mit dem Nordschleswiger, „täglich bis zu zehn Tonnen Fisch ab.“

Die Zeiten sind längst vorbei. Und ob sie wiederkehren, ist selbst unter Fachleuten umstritten. Überfischung, Überdüngung usw. führten zu einem fast vollständigen Zusammenbruch der Bestände. Vor 50 Jahren bestand die Flotte der Sonderburger Fischer noch aus 30 Kuttern! Heute sind es nur noch wenige. Fangverbote zur Erholung und Sicherung der Bestände ließen die Schiffszahlen schrumpfen.

Mittwoch, 28. Januar 1973
Vietnam-Konferenz sucht nach Kompromisslösung
Auf der Internationalen Vietnam-Konferenz in Paris deutete sich am Dienstag noch keine Einigung darüber an, wie der Frieden gesichert werden soll.

In dem Jahrzehnt bis zum Januar 1973 verging keine Woche, in der nicht über den Krieg der USA in Vietnam berichtet worden war – und die Demonstrationen dagegen.In der Nacht zum Mittwoch wurde ein Vertrag unterzeichnet, der den Krieg der USA beendete. Dieses bedeutende Ereignis muss hier zumindest erwähnt werden.

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