Verkehr

Senioren müssen nicht mehr zum Arzt, um den Führerschein zu verlängern

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Der dänische Seniorenverband jubelt – die Ärzte sind besorgt: Senioren über 75 können ihren Führerschein jetzt ganz ohne Kontrolle um 15 Jahre verlängern. Deutschland dient den Ärzten als abschreckendes Beispiel.

Der dänische Seniorenverband jubelt – die Ärzte sind besorgt: Senioren über 75 können ihren Führerschein jetzt ganz ohne Kontrolle um 15 Jahre verlängern.

Ältere Autofahrer in Dänemark können seit dem 1. Juli ihren Führerschein ungeachtet ihres Gesundheitszustandes behaten. Zu verdanken haben sie das der Initiative von Transportminister Ole Birk Olesen (Liberale Allianz), der die Folketingsmehrheit davon überzeugt hat, die obligatorischen ärztlichen Untersuchungen abzuschaffen. „Ein fantastischer Tag für uns Rentner“, sagt der Vorsitzende des Verbandes Danske Seniorer, Jørgen Fischer, der selbst mit 76 Jahren noch viel im Auto unterwegs ist.

Die neue Gesetzgebung verlangt von den Autofahrern über 75 Jahren kein ärztliches Attest mehr – sondern lediglich den Besuch beim Bürgerservice, wo der Führerschein um gleich 15 Jahre verlängert werden kann. „Entwürdigend und Altersdiskrimination“ hatte Minister Olesen über die ärztlichen Untersuchungen gesagt. Schließlich stellten die Alten keine besondere Risikogruppe unter den Verkehrsteilnehmern in Dänemark dar.

Der Ärzteverband ist da jedoch ganz anderer Ansicht. Denn gerade weil es bisher die ärztlichen Kontrollen gab, sei die Zahl der Unfälle mit Senioren in Dänemark so niedrig, sagt Tue Flindt Müller, Vorsitzender des Attestausschusses des Verbandes.

Besorgter Blick nach Deutschland

„Es steht zu befürchten, dass künftig mehr Senioren in Verkehrsunfälle verwickelt sein werden, weil sie etwas übersehen oder weil sie dement sind“, sagt er. Den Alten könne es schwer fallen, selbst einzuschätzen, ob ihre Sehkraft noch für das Autofahren ausreicht. „Und dann gibt es Senioren, die zu dement sind, um den Verkehr zu überblicken. Es ist Teil der Krankheit, dass man das selbst nicht erkennt“, sagt Müller.

Jetzt, beklagt er, lege man die Verantwortung dafür in die Familie. „Es werden jetzt die Kinder und Enkel, die den Älteren sagen sollen, dass es nicht mehr verantwortbar ist, zu fahren“, so der Arzt.

Die dänische Regierung hätte sich in Deutschland schlau machen sollen, meint er. Dort gibt es weder Altersgrenze noch Arztkontrolle. Und dort sind Autofahrer über 75 deutlich häufiger in Unfälle verwickelt als in Dänemark. „Deshalb haben die deutschen Versicherungsgesellschaften kürzlich den Bundestag darum gebeten, eine obligatorische Fahrprüfung für Personen über 75 Jahre einzuführen. Das könnte doch daruaf hindeuten, dass die bisherigen Regeln hierzulande vernünftig waren“, so Thue Flindt Müller.

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