Mobilität

Unterricht gegen Aggression im Straßenverkehr: „Es hilft nicht, sich zu ärgern“

Unterricht gegen Aggression im Straßenverkehr: „Es hilft nicht, sich zu ärgern“

Ministerin: Unterricht gegen Aggression im Straßenverkehr

Kopenhagen
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Die Ruhe bewahren – das fällt manchen im Straßenverkehr nicht immer leicht. Die Politik will die Umgangsregeln nun prüfungsrelevant für Fahrschülerinnen und Fahrschüler machen. Foto: Joshua Wordel/Unsplash

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Trine Bramsen klagt über zunehmend unverantwortliches Verhalten – und will in den Fahrschulen gegensteuern. Bei Venstre kommt das gut an. Untersuchungen zeigen: Schuld sind für die meist männlichen Täter meistens die anderen.

Es gibt zu viele Probleme mit Wut und Schikane im Straßenverkehr, sagt Verkehrsministerin Trine Bramsen (Soz.), die das Problem nun politisch lösen will.

Konkret soll dies dadurch geschehen, dass der Unterricht in den Fahrschulen des Landes ausgeweitet wird. Zukünftige Autofahrerinnen und Autofahrer sollen lernen, wie man sich im Straßenverkehr auch abgesehen von den reinen Straßenverkehrsregeln angemessen verhält, und sie sollen im Rahmen der Prüfung sogar daraufhin getestet werden, schreibt die Nachrichtenagentur „Ritzau“.

Nach dem Willen der Ministerin soll dies Teil der neuen Fahrausbildung sein, die am 1. Januar 2024 eingeführt werden soll.

Zustimmung aus der Opposition

„Leider haben wir festgestellt, dass sich schlechtes Benehmen auf der Straße einschleicht. Wir haben Beispiele von Bestattern gesehen, die ihre Arbeit nicht machen können, weil sie von anderen Fahrern belästigt werden. Wir haben Schikanen, Wahnsinnsfahrten und andere Dinge gesehen“, so Bramsen.

Kristian Pihl Lorentzen, verkehrspolitischer Sprecher der rechtsliberalen Venstre, stimmt dem Vorschlag Bramsens laut „Ritzau“ voll und ganz zu – nennt ihn gar „eine fantastische Botschaft“.

Pihl Lorentzen ist selbst Mitautor des Buches „Stoppt den Egoismus im Straßenverkehr“, in dem es just um Raserei und schlechtes Verhalten im Straßenverkehr geht.

„Ich denke, die große Mehrheit der jungen Fahrschülerinnen und Fahrschüler kann den Sinn darin erkennen. Vor allem, wenn es auch eines der Themen der Prüfung ist, die sie machen müssen“, sagt er.

Die guten Gewohnheiten, die wir früh lernen, übertragen sich auf unser Fahrverhalten.

Trine Bramsen

Bramsen bestreitet, dass es sich für manche möglicherweise eher belehrend denn lehrreich anfühlen mag, wenn ihnen gesagt wird, dass sie sich im Auto nicht aufregen sollten.

„Ich glaube nicht, dass es jemandem schadet, ein zweites Mal daran erinnert zu werden – und wer sich ohnehin anständig verhält und nicht zu dieser Art von Konflikten im Straßenverkehr beiträgt, wird es einfach bestehen können“, meint sie, und ergänzt: „Ich glaube, dass vieles von dem, was wir lernen, wenn wir den Führerschein machen, hängen bleibt. Die guten Gewohnheiten, die wir früh lernen, übertragen sich auf unser Fahrverhalten.“

Trine Bramsen
Trine Bramsen (Archivfoto) Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Aggression im Straßenverkehr, „road rage“ oder „vejvrede“ – viele Namen für ein männliches Problem

Wie der dänische Rat für Verkehrssicherheit (Rådet for Sikker Trafik) auf seiner Internetseite schreibt, gibt es noch keine eindeutige Erklärung dafür, weshalb einige Menschen im Straßenverkehr Wut entwickeln – und andere nicht.

Die Organisation, der öffentliche und private Einrichtungen wie Gewerkschaften, Reichspolizei, Verkehrsbehörde, Kommunen und Verkehrsclubs angehören, hat einige Fakten zum Thema zusammengetragen.

  • Ursachen sind häufig Stress und Zeitmangel.
  • Autofahrende sind häufiger in Fälle mit aggressivem Verhalten verwickelt als Fahrradfahrende.
  • Männer sind häufiger Täter als Frauen.
  • Täter geben oft an, dass sie vom Verhalten des oder der anderen erschreckt waren oder dessen bzw. deren Fehler aufzeigen wollten.
  • Dieselben Personen meinen, dass andere sich aggressiv verhalten würden, weil sie ihre Aggressionen nicht kontrollieren können.

In einer Umfrage aus dem Jahr 2020 haben laut Verkehrssicherheitsrat 30 Prozent der befragten Personen angegeben, im vorangegangenen Jahr im Straßenverkehr angebrüllt worden zu sein. 23 Prozent gaben an, dass ihnen der Mittelfinger gezeigt wurde. Allerdings gaben lediglich 25 Prozent an, selbst gebrüllt zu haben und nur 15 Prozent räumten ein, den Mittelfinger gezeigt zu haben.

Aggression im Straßenverkehr – das raten die Expertinnen und Experten

Es ist wichtig, dass du versuchst, dich im Verkehr nicht aufzuregen. Denn wenn du wütend wirst, bist du abgelenkt und kannst dich weniger auf den Verkehr konzentrieren. Und das erhöht das Risiko von Unfällen, schreibt der Rat für Verkehrssicherheit auf seiner Internetseite.

Wie du es vermeidest, dich über andere zu ärgern

  • Bleib ruhig, auch wenn du durch das Verhalten einer Person verunsichert wirst.
  • Bedenke, dass die andere Person dich wahrscheinlich nicht absichtlich stören will.
  • Denke daran, dass wir alle Fehler machen können. Es hilft nicht, sich zu ärgern.

Was tust du, wenn jemand wütend auf dich ist?

  • Denke daran, dass die andere Person wahrscheinlich verängstigt war.
  • Bleib ruhig und versuche, die Situation zu deeskalieren.
  • Bleib im Auto, wenn jemand dir gegenüber aggressiv ist.
  • Verlasse den Schauplatz ruhig und sicher.

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Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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