Haus und Garten

Igel in den Garten locken

Marlies Wiedenhaupt
Marlies Wiedenhaupt Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Finden Igel in der Natur gute Bedingungen, erspart das den Aufenthalt im Igel-Hort. Foto: Karin Riggelsen

Igel sind ein Segen für jeden Garten: Wer den nützlichen und niedlichen Tieren einen Unterschlupf bieten möchte, sollte einiges beachten.

Die einzigen Insektenfresser mit Winterschlaf

Igel überbrücken die kalte Jahreszeit, indem sie Winterschlaf halten. Sie sind die einzigen Winterschläfer unter den Insektenfressern. In einem wetterfesten, gut wärme-isolierten kugelförmigen Nest können Igel bis zu fünf Monate die nahrungsarme kalte Jahreszeit verschlafen. Sie rollen sich zur Stachelkugel und verbleiben wochen- beziehungsweise monatelang in dieser Haltung.

Igel werden als Plüschtiere geliebt, sind die Stars vieler Kinderbücher und Hauptdarsteller in so manchem Puppentheater. Sie sind ja so niedlich – und als richtige Lebewesen sogar äußerst nützlich. Im Garten fressen sie die Schnecken weg – und verschmähen dabei nicht mal die Spanische Nacktschnecke. Ihnen schmecken außerdem Würmer, Kellerasseln, Ohrenkneifer, Käfer und alles mögliche Gewürm.

Wenn das kein Grund ist, sie in den Garten zu locken – obwohl Ohrenkneifer ja auch sehr nützlich sind. Aber als Schneckenkiller sind Igel nahezu ein Geschenk der Natur. Doch wie bringt man die Stacheltiere dazu, sich im Garten niederzulassen – und zu bleiben?

Optimale Bedingungen bieten

Zunächst einmal muss man ihnen optimale Bedingungen bieten: gute trockene Verstecke, Zugang zu Wasser und Schutz vor Füchsen und Hunden. Auf jeden Fall ist es in Dänemark verboten, die friedlichen Tiere in Gefangenschaft zu halten, berichtet bolius.dk, das Ratgeberforum für Hausbesitzer.

Ist der Igel einmal da, sollte man ihn innerhalb des Gartens nicht an einen neuen Platz setzen, das verwirrt ihn, und er findet dann den Platz nicht wieder, an dem er sich tagsüber aufhält – und das kann sogar tödlich für ihn sein. Ebenso lebensbedrohlich sind für ihn Milch und Avocado.

Gute Verstecke können Schuppen bieten, Spielhütten oder Hohlräume in Brennholzstapeln. Letztere dürfen nicht größer als 20 Zentimeter sein, damit Füchse sich den Igel nicht schnappen können.
Der Untergrund für die Igel-Behausung darf nicht aus harter Erde oder Beton bestehen, damit das Stacheltier sich bei Kälte eingraben kann.

Die Tiere müssen ihren Unterschlupf stets ungehindert aufsuchen oder verlassen können – das heißt, wenn sie etwa in einem Schuppen leben, brauchen sie eine mindestens 10 Zentimeter große Öffnung.

Gute Plätze

Offene Komposthaufen oder Ast- und Zweighaufen in einer dunklen und ruhigen Ecke des Gartens, die unverändert liegen bleiben dürfen, sind auch gute Aufenthaltsplätze. Igel bauen ihre Nester auch gern in dichten, breiten Hecken und unter tief hängenden Büschen wie Rhododendron oder kriechenden Nadelgehölzen.
Die Igelplätze sollten so liegen, dass sich bei Regen dort nicht das Wasser sammelt (eventuell mit Erde auffüllen, um Überschwemmungen zu verhindern).

Wer keine natürlichen Plätze im Garten hat, kann eine Igel-Wohnung bauen: wind- und wasserdicht an einer schattigen ruhigen Stelle, wo es wenig Störungen gibt. Wichtig ist außerdem eine gute Durchlüftung, damit sich kein Schimmel bildet, der bei Igeln Hautkrankheiten hervorrufen kann.

Chancen erhöhen

Wer viele unaufgeräumte Plätze anbietet, optimiert die Chancen, dass der Igel sein natürliches Futter findet.
In trockenen Perioden findet das Tier möglicherweise nicht genug zu fressen. Dann kann man ihn mit Katzentrockenfutter unterstützen, das man in der Umgebung seines Unterschlupfes ausstreut. Ein exklusives Angebot wäre natürlich ein Futterhäuschen, gebaut z. B. aus einigen Ziegelsteinen mit einer Platte obendrauf und einer kleinen Öffnung (ca. 15 x 15 cm) für den Igel. Die Platte sollte mit einem Stein beschwert werden, damit weder Katzen noch Füchse sie entfernen können. Die Futtermenge sollte allerdings nicht allzu üppig ausfallen, damit der Igel noch Lust hat, sich selbst um seine Mahlzeiten zu kümmern.

Wichtig ist zudem, dass die Tiere Zugang zu Wasser haben. Wer keine natürliche Wasserquelle im Garten hat, kann eine Vogeltränke aufstellen. Eine Hühnertränke oder eine alte Bratpfanne tut’s auch. Ein Schattenplatz für das Gefäß unter einem Busch ist ideal, das Wasser muss aber regelmäßig gewechselt werden.

Neugierig und unvorsichtig

Hat das Stacheltier das Grundstück eines Igelfreundes zu seinem Domizil erklärt, sollte derjenige einige Dinge beachten, damit das Tier dort keinen unnötigen Gefahren ausgesetzt ist. Denn die sind für das kleine Säugetier vielfältig.

Hunde: Obwohl Igel durch 5.000-6.000 Stachel gut geschützt sind, können Hunde oder Füchse sie trotzdem beißen. Das hinterlässt schlimmstenfalls Wunden, in die Schmeißfliegen ihre Eier ablegen. Die Maden wiederum fressen den Igel dann bei lebendigem Leib auf. Deshalb: Hund wegziehen, sobald man bemerkt, dass er einen Igel aufgespürt hat. Am besten man bringt dem Hund – mit Belohnungen – bei, Igel in Ruhe zu lassen.

Füchse: Sorgen Sie dafür, dass der Eingang zu einer Igelbehausung, die sich unter einem Schuppen, in einem Spielhaus oder unter der Terrasse befindet, groß genug für den Igel ist, aber zu klein für den Fuchs – 10 bis 20 Zentimeter Durchmesser sind ideal.

Gartenarbeit: Vorsicht ist geboten bei Gartenarbeiten, etwa mit dem Spaten oder der Hacke und beim Harken unter Hecken. Denn dort kann sich der Igel mit seinen Jungen aufhalten. Auch Rasenmäher können hier gefährlich sein für das Tier.

Fallen: Igel sind sehr neugierig und unvorsichtig. Sie krabbeln gern durch schmale Öffnungen und sogar durch zu schmale Öffnungen. Sie können sich deshalb in Fußballnetzen verheddern (deshalb: Maschendurchmesser von 12 cm verwenden), in Drahtzäunen (10 cm über dem Boden enden lassen) oder Obstnetzen (Enden feststopfen).
Igel verfangen sich außerdem in Schnüren, die im Garten herumliegen – was ihre Blutzirkulation stoppen kann –, sie fallen Kellertreppen runter, plumpsen in Lichtschächte oder in gegrabene Löcher. Können sie sich nicht befreien, legen Schmeißfliegen ihre Eier auf ihnen ab – mit den oben genannten lebensbedrohlichen Folgen.
Deshalb: Kritische Plätze vermeiden oder öfter kontrollieren. An der Kellertreppe kann man zum Beispiel ein unbehandeltes Brett ablegen, damit der Igel die Chance hat, wieder heraufzukrabbeln.

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