Unterschätztes Ausflugsziel

Wacken – auch ohne Heavy Metal ein richtig schöner Ort

Wacken – auch ohne Heavy Metal ein richtig schöner Ort

Wacken – auch ohne Heavy Metal ein richtig schöner Ort

SHZ
Wacken
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An Alsens Tongrube bei Wacken: Idylle pur mit viel Ruhe, hier und da Vogelgezwitscher und einem richtig schönen Ausblick. Foto: Anna Krohn

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Wer die 1900-Seelen-Gemeinde Wacken im Kreis Steinburg allein mit dem Wacken Open Air (WOA) und schwarzen Metal-Massen verbindet, der hat sich dort anscheinend noch nie genauer umgesehen.

Es gibt da ein kleines Problem. Allein schon der Satz: „Ich fahre nach Wacken“ bedeutet für zigtausende Menschen auf der ganzen Welt – und das kann man ihnen auch nicht verübeln – so viel wie: „Ich fahre zum WOA und knalle mir ein paar Tage lang in bester Gesellschaft harte Metal-Sounds rein.“ Nach Wacken fahren heißt eben, zum Wacken Open Air (WOA) zu fahren, so bekannt ist der 1900-Seelen-Ort im Kreis Steinburg wegen seines Heavy-Metal-Festivals, das auch noch das größte auf der ganzen Welt ist.


Dass das WOA wegen der Corona-Pandemie zwei Jahre in Folge schon nicht stattfinden konnte, das hat inzwischen fast jeder mitbekommen. Die große Hoffnung liegt jetzt auf dem Comeback im Jahr 2022.

Paradies für Metalfans – und auch für alle anderen

Aber, wer hätte das gedacht: Wacken ist auch ein ganz normaler Ort. Mit Häusern und dergleichen, mit Einkaufsmärkten, einer Schule, Kindergarten, Gaststätte, Imbiss und Eisdiele, sogar mit einer Tankstelle. Und mit einer sehr schönen Kirche. Und ja, dort in Wacken wohnen auch ganz normale Menschen.

Und selbst, wer gern spazieren geht, der findet in der Gemeinde und der Umgebung genau das, wonach er sucht: Ziemlich ruhige, idyllische Fleckchen Erde, wo man richtig durchatmen und runterkommen kann.


Wenn man von der A23 kommt, die L130 entlangfährt, die zweite Straße links abbiegt und ein kleines Stückchen weiterfährt, kommt man an einen besonders schönen Ort: „Alsens Tongrube“. Als um das Jahr 1904 im nahe gelegenen Itzehoe die Tonvorkommen erschöpft waren, konzentrierte sich die Zementfabrik Alsen auf dieses Gebiet. Man kann den schönen Blick über den See kaum fassen: Er fällt auf gemütlich im Wasser treibende Boote und mobile Badestege, eine alte Holzbrücke am Ufer.

Spätestens jetzt wird einem klar: Ja, auch ohne das WOA ist Wacken wirklich ein schöner Ort. Doch Moment! Genau genommen steht man hier, wo sich auch die Gaststätte „Schweinehof“ befindet, ja gar nicht direkt in Wacken, sondern in Agethorst. Kenner wissen ja aber auch längst, dass selbst das Wacken Open Air gar nicht nur in Wacken stattfindet, sondern aufgrund seiner Größe längst die Gemeindegebiete von Gribbohm, Bokelrehm und Holstenniendorf umfasst. Jedenfalls gibt es hier diese tolle Tongrube, an der man sich einfach gern aufhalten mag.

Auch ohne Heavy Metal geht in Wacken musikalisch eine Menge

Und selbst, wenn es um Musik geht, geht in Wacken ohne das WOA eine ganze Menge. Und das wird schon bald unter Beweis gestellt: In der Heiligen-Geist-Kirche veranstaltet die Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein am Sonnabend, 25. September, ab 18 Uhr ein Konzert. Das „Leonkoro Quartet“, vier junge preisgekrönte Streichmusiker, spielen Werke von Ludwig van Beethoven und Maurice Ravel.


Die Kirche liegt mitten an der Hauptstraße in Wacken – also genau dort, wo, wenn das WOA stattfindet, zigtausende Metalfans tagein tagaus vorbeiwandern, und auch hineinschauen. Denn die Kirche ist als „Metal-Church“ immer aktiv am WOA beteiligt.

Und es lohnt sich übrigens auch, einfach mal die Hauptstraße entlang zu spazieren und hinter dem mehr als auffälligen WOA-Tower die Straße rechts hinein zu gehen und sich ab dort auf dem opulenten „Festivalgelände“ umzusehen. Hier kann man einmal die große Runde machen und gelangt automatisch wieder zurück ins Dorf, wandert vorbei an Feldern und Wiesen, trifft viele Hunde-Spaziergänger. Schön ist es in Wacken – selbst ohne schwarze Massen, Metal und Matsch.

Wer das Konzert des „Leonkoro Quartets“ besuchen möchte (statt Eintritt eine Spende), melde sich per E-Mail (info@brahms-sh.de) oder unter Telefon 0481/63186 an.

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Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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