Energiekrise

Die Tage der Schleswiger Jugendherberge sind gezählt

Die Tage der Schleswiger Jugendherberge sind gezählt

Die Tage der Schleswiger Jugendherberge sind gezählt

Sven Windmann/shz.de
Schleswig
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Die Jugendherberge an der Spielkoppel in Schleswig ist in den 1930-er Jahren gebaut worden. Foto: Sven Windmann/shz.de

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Die Politik hat grünes Licht gegeben, die ersten Gespräche wurden geführt: Läuft weiter alles glatt, wird die Stadt Schleswig die Jugendherberge an der Spielkoppel kaufen. Denn der Bedarf an Unterbringungsplätzen für Flüchtlinge ist weiter hoch.

Seit dem Beginn der Coronapandemie vor nun schon fast drei Jahren hat hier kein Gast mehr übernachtet. Im Gegensatz zu anderen Jugendherbergen in der Region ist das Haus an der Spielkoppel in Schleswig seitdem nicht wiedereröffnet worden. Und so wie es aussieht, bleibt das auch dauerhaft der Fall.

Ernste Anzeichen für dauerhafte Schließung schon im Herbst 2022

Bereits im vergangenen September zeichnete sich ab, dass das Kapitel Jugendherberge in Schleswig bald beendet sein könnte. Schon damals hielt man sich beim zuständigen Deutschen Jugendherberkswerk (DJH) Nordmark auf Nachfrage bedeckt, was eine Wiedereröffnung des Hauses betraf. Man arbeite, so erklärte Sprecherin Katharina Pauly seinerzeit auf Nachfrage, an einer „gesamtverbandlichen Standortplanung“, bei der offenbar jedes Haus auf dem Prüfstand stand. Diese Planung hing „maßgeblich von den Folgen der Pandemie und den Auswirkungen der Energiekrise ab“.

Stadt bestätigt Kaufverhandlungen

Nur wenige Wochen später wurde dann bekannt, dass die Stadt an einem Kauf der Immobilie interessiert sei, um dort (vorwiegend aus der Ukrainie kommende) Flüchtlinge aufzunehmen. Und tatsächlich: Diese Plänen haben sich inzwischen konkretisiert. „Ja, wir sind in Gesprächen mit dem Jugendherbergswerk“, bestätigt die zuständige Fachbereichsleiterin Julia Pfannkuch aus dem Schleswiger Rathaus nun. Bereits im November 2022 hatte der Sozialausschuss der Verwaltung den Kauf des Hauses empfohlen. „Das haben wir aufgenommen und sind am Ball“, sagt Pfannkuch. Allerdings „zieht es sich zurzeit etwas“, weil es mehrere Personalausfälle in der Verwaltung gebe.

Dennoch gibt es Druck in der Geschichte. Denn die Stadt braucht dringend Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge, die aus der Ukraine stammen. Bereits im vergangenen Jahr war die leer stehende Jugendherberge dafür hergerichtet worden, am Ende aber wurde diese Möglichkeit der Aufnahme seitens der Stadt dann doch nicht genutzt. Das allerdings könnte sich bald ändern, denn die letzten Prognosen sagen voraus, dass Schleswig allein in 2023 mit bis zu 450 Flüchtlingen rechnen muss.

„Die Zahlen ändern sich zwar laufend, aber wir müssen so oder so vorbereitet sein“, sagt Julia Pfannkuch. Zurzeit würde die Stadt Wohnungen anmieten, um Flüchtlinge unterzubringen. Das allein jedoch werde auf Dauer nicht reichen, unter anderem die Jugendherberge könnte also Abhilfe schaffen. Denn bis zu 60 Menschen hätten dort Platz.

Stadt muss Wohnraum für Flüchtlinge bereitstellen

Dass das am Ende viel Geld kosten wird, weiß auch die Fachbereichsleiterin. Im Herbst war die Rede von 1,6 Millionen Euro, die die Stadt für den Kauf des Hauses sowie den Erwerb und das Aufstellen von zusätzlichen Wohncontainern einplant. „Wir haben Wohnraum zur Verfügung zu stellen, das ist eine kommunale Aufgabe, der wir natürlich nachkommen“, betont Pfannkuch. Zumal die Stadt einen Großteil der Kosten ja über die sogenannte Integrationspauschale erstattet bekommt. Sie sei also optimistisch, dass man sich am Ende mit dem DJH über einen Kauf der Jugendherberge einigen werde. Zumal man das Haus später ja auch „für andere Zwecken nutzen könnte.“

Das wiederum würde das Ende eine langen Tradition in der Schleistadt bedeuten. Denn das in den 1930er-Jahren gebaute Haus ist in Schleswig eine echte Institution. In seinen 123 Betten, überwiegend verteilt in Gruppenzimmer für vier oder sechs Personen, wurden vor Corona jährlich bis zu 12.000 Übernachtungen gezählt. Dennoch schien eine Wiedereröffnung der deutlich in die Jahre gekommenen Einrichtung auch bereits vor Ausbruch des Krieges in der Urkaine unwahrscheinlich.

Das sagt das DJH zu einem möglichen Verkauf

Entsprechend offen zeigt man sich auch beim DJH Nordmark einem Verkauf des Hauses gegenüber. Dazu Sprecherin Katharina Pauly: „Wichtig ist uns, dass das Gebäude gesellschaftlich sinnstiftend genutzt wird. Dies können wir aktuell nicht durch einen regulären Jugendherbergsbetrieb gewährleisten. Denn eine Wiederinbetriebnahme als Jugendherberge würde eine lange Vorlaufzeit erfordern.“ Wenn die Stadt das Gebäude für die Unterbringung geflüchteter Menschen nutzen können und möchte, so Pauly weiter, „sehen wir darin eindeutig eine sinnstiftende Nutzung. Das wäre in unserem Sinne.“

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