Energie in Schleswig-Holstein

Gaspreise: Der Preisschock kommt mit der Heizkostenabrechnung

Gaspreise: Der Preisschock kommt mit der Heizkostenabrechnung

Gaspreise: Der Preisschock kommt mit der Heizkostenabrechnung

SHZ
Kiel
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Solarthermie oder, wie hier, Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach: Mit dem eingespeisten Strom lassen sich auch steigende Heizkosten gegenfinanzieren. Foto: Michael Kuhr Foto: 90037

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Die Kostenexplosion beim Gas wird sich erst sukzessive bemerkbar machen. Diese Lösungen für günstigere Energie sind derzeit extrem gefragt.

Frieren für die Ukraine! So einfach ist das nicht. „Man kann nicht einfach mehrere Pullis überziehen – das birgt die Gefahr, dass die kalten Wohnungen schimmeln“, warnte jüngst Vonovia-Chef Rolf Buch. Dabei überlegen auch viele Schleswig-Holsteiner, wie sie die kalte Jahreszeit ohne finanzielles Desaster überstehen können. Wer von seinem Gaslieferanten den Vorauszahlungsplan für die nächsten Monate bekommt, dem stockt nämlich der Atem.

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„Mein Vertrag ist ausgelaufen und ich musste zu neuen Konditionen verlängern. Jetzt soll ich 290 Euro monatlich bezahlen, doppelt soviel wie vorher. Das bereitet mir schlaflose Nächte“, berichtet eine Kieler Rentnerin, die in einer 65 Quadratmeter großen Eigentumswohnung lebt und es „gerne warm hat, weil mir die Glieder sonst weh tun“.

Preissteigerungen von bis zu 114 Prozent

Kein Einzelfall: Die weltweit hohe Nachfrage nach Energie und der Ukraine-Krieg haben die Gaspreise auf Rekordhöhen getrieben. Im vergangenen Monat haben sich die Kosten für die Gasheizung mehr als verdoppelt. Das zeigt eine Analyse der Beratungsgesellschaft „co2online“. Wer einen neuen Gasvertrag abschließen musste, zahlt für eine durchschnittliche Wohnung 80 Euro mehr als im Vorjahresmonat – ein Plus von 114 Prozent. Für ein Einfamilienhaus sind die monatlichen Kosten im Schnitt um 155 Euro (113 Prozent) gestiegen. Und das seit Beginn der Ukraine-Krieges.

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Dabei hatte die Preisrallye schon vorher eingesetzt. Laut Vergleichsportal Verivox sind die Gaspreise für Haushaltskunden auch bei laufenden Verträgen seit Oktober um rund 85 Prozent angestiegen. Wer ein Einfamilienhaus mit 20000 Kilowattstunden (kWh) beheizt, bezahlt aktuell rund 2596 Euro – vor sechs Monaten waren es noch rund 1402 Euro.


Vieles spricht dafür, dass sich die Kostenexplosion noch gar nicht richtig bemerkbar gemacht hat, weil bei vielen Mietern die günstigen Altverträge noch laufen und Preiserhöhungen erst mit der nächsten Heizkostenabrechnung sichtbar werden. „Betroffene machen die Augen zu und wollen gar nicht wissen, was da auf sie zukommt“, beobachtet Carsten Wendt vom Mieterbund Schleswig-Holstein.

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Und auch Alexander Blazek vom Eigentümerverband Haus&Grund befürchtet: „Das wird sich erst sukzessive durchsetzen und ein böses Erwachsen geben – spätestens bei der Heizkostenabrechnung für 2022.“

Allerdings kann sich sein Verband vor Beantragungsanfragen zur Installation von Photovoltaikanlagen kaum retten. „Das geht derzeit durch die Decke“. Dabei spiele nicht nur Kostenersparnis eine Rolle. „Vorrangig wollen die Leute autark sein – koste was es wolle!“ Die Folge des Booms: Wer Solarzellen aufs Dach haben will, muss sich derzeit gedulden. Die Panel-Lieferanten melden Engpässe und die Handwerker haben proppevolle Auftragsbücher und lange Wartezeiten.

Ohne Mieterstrom ist die Solarpflicht sinnlos

Blazek bedauert, dass die Landesregierung es bislang versäumt habe, im Sinne der Energiewende Solaranlagen auf den Dächern zu fördern. Das größte Hindernis sei zudem die Bürokratie, die es privaten Vermietern schwer mache, Solarstrom zu produzieren. „Die aktuell diskutierte Solarpflicht ist Unsinn, solange man uns beim Mieterstrom ausbremst.

Die von der Bundesregierung angekündigte Hilfe zur Abfederung des Energiepreisschocks wird nach Ansicht des Mieterbundes nicht ausreichen. „Wir haben deshalb die Landesregierung schon aufgefordert, diese Hilfe aufzustocken“, so Wendt.

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