Leichtathletik

Spurten statt am Strand liegen: Auf dem Weg zur EM

Spurten statt am Strand liegen: Auf dem Weg zur EM

Spurten statt am Strand liegen: Auf dem Weg zur EM

swa/tf
London
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Die Staffel von Mathilde Uldall Kramer (2. v. r.) kurz nach dem aufgestellten Rekord in Lausanne Foto: Dansk Atletik Forbund

Die bei AAIG in Apenrade groß gewordene Leichtathletin Mathilde Uldall Kramer ist mit der 4x100-Meter-Staffel bei der EM dabei

Mathilde Uldall Kramer aus Loit Kirkeby steht vor dem größten Ereignis ihrer noch jungen Leichtathletik-Karriere: der Teilnahme an der EM in Berlin.

Mit der 4x100-Meter-Staffel der Frauen wird sie vom 6. bis 12. August im Olympiastadion um Medaillen kämpfen. Die offizielle Bestätigung, dass die Staffel für die EM gesetzt ist, wird für Donnerstag erwartet. Doch das dänische Quartett liegt derzeit auf Platz 16 der europäischen Bestenliste – und somit auf einem EM-Platz. Da die Liste seit Montag geschlossen ist, wird sich an der Platzierung auch nichts mehr ändern. Die EM ist sicher.

„Mit der EM würde für mich ein riesiger Traum in Erfüllung gehen. Es ist einfach großartig, dabei sein zu können“, so die Sportlerin mit Verweis darauf, dass die offizielle Bestätigung noch aussteht.

Topform für Berlin

Für Berlin gilt es nun, sich in absolute Topform zu trainieren. Das heißt: spurten, sprinten und schwitzen anstatt am Strand zu liegen und die Sommerferien zu genießen. Bereits morgen geht es für die Staffel ins Trainingslager nach Polen, danach direkt weiter nach Berlin.

„Bei der Hitze ist es natürlich schon sehr anstrengend. Aber wir achten auf Schatten und genug Wasser. Und für den Wettbewerbslauf selbst ist es von Vorteil, wenn die Muskeln schön warm sind“, erzählt die 25-Jährige.
Mit ihrem Team hat sie Anfang Juli einen neuen dänischen Rekord von 44,95 Sekunden aufgestellt, der 34 Jahre und 331 Tage ungebrochen war. Und mit Teamkollegin Louise Østergaard, Ida Karstoft und Mette Graversgaard landete sie beim Diamond League Meeting in London mit 45,06 Sekunden auf Platz 9. Immerhin die zweitbeste bisher gelaufene Zeit einer dänischen Frauen-Staffel über 100 Meter. Mit diesen Achtungserfolgen geht die Staffel ins EM-Rennen.

Noch Luft nach oben

Nationaltrainer Piotr Haczek sieht noch Luft nach oben: „So wie ich das sehe, müssen wir den Rekord fast noch mal verbessern, aber die Mädchen können das“, so Haczek, der noch in vielen Bereichen Verbesserungspotenzial ausgemacht hat.

Für Mathilde Uldall Kramer, die beim AAIG in Apenrade sportlich groß geworden ist, wäre die EM nach der Wildcard für die Hallen-WM im vergangenen März ein weiterer Meilenstein in der Karriere.
Immerhin ist es erst acht Jahre her, dass die 25-Jährige dem Pferdesport den Rücken gekehrt und sich der Leichtathletik zugewandt hat.

Nach ihrem studienbedingten Umzug nach Kopenhagen geht Kramer für FIF an den Start, Trainer ist aber nach sieben Jahren Zusammenarbeit weiterhin Poul Beck aus AAIG-Zeiten.
„Meine Eltern wohnen ja noch immer in Apenrade, und ich bin oft zu Besuch. Und wenn ich da bin, trainiere ich auch weiterhin im Apenrader Stadion.“

Verzicht gefordert

Dass sie mit der Staffel zur EM fährt, hat für die Sportlerin einen Verzicht gefordert: „Ich konnte mich nicht so sehr auf meine individuelle Disziplin vorbereiten. Daher hat es für die individuelle Teilnahme an der EM nicht gereicht. Die Vorbereitungen für die Staffel haben doch sehr viel Zeit und Energie gebraucht. Daher habe ich meine 100 Meter als Einzelläuferin weniger intensiv trainieren können. Am Ende war ich 0,14 Sekunden von der EM-Teilnahme entfernt. Aber so war es eben ein Kompromiss. Am Ende bin ich froh, mit der Staffel so erfolgreich zu sein.“

Ihre individuelle Athletik-Karriere will Mathilde Uldall Kramer in den kommenden Jahren vorantreiben. „2019 findet die Hallen-EM statt, und in zwei Jahren ist ja wieder eine Leichtathletik-EM. Spätenstens dann will ich auch als Einzelläuferin dabei sein. Das ist auf jeden Fall mein Ziel.“

Die Studentin wird sich nach dem Sommer an ihre Bachelorarbeit machen. Dass sie ihre Sommerferien derzeit weniger entspannt genießen kann, bereut sie nicht.

„Klar, ich wäre gerne auch auf Reisen gegangen. Aber so gesehen reise ich mit der Staffel ja auch. In London haben wir Sightseeing gemacht, jetzt kommt Polen und dann Berlin – das ist ja auch toll. Und ausruhen kann ich mich ein andermal.“

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