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Dänemark will aus dem Schatten der Vergangenheit treten

Dänemark will aus dem Schatten der Vergangenheit treten

Dänemark will aus dem Schatten der Vergangenheit treten

Ritzau/hdj
Herning/Apenrade
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Auf Lærke Nolsøe wird es bei der EM besonders ankommen: Sie ist die einzige Spielerin für den linken Flügel im dänischen Aufgebot. Foto: Bo Amstrup/Ritzau Scanpix

Die meisten dänischen Handballfans erinnern sich an die glorreichen 90er Jahre, als das Frauen-Nationalteam von einem Erfolg zum nächsten eilte. Lang ist es her, doch der Schatten verfolgt die Mannschaft noch heute.

Von 1993 bis 2004 hat die dänische Handball-Nationalmannschaft der Frauen dreimal Olympiagold geholt, einen WM-Titel gewonnen, eine Silber- sowie eine Bronzemedaille, drei Europameisterschaften und zweimal EM-Silber.

Die Erfolge streckten sich von den 90er Jahren unter Ulrik Wilbek bis zum Anfang dieses Jahrhunderts mit dem jetzigen SønderjyskE-Trainer Jan Pytlick am Ruder.

Danach ging es allerdings steil bergab für das erfolgsverwöhnte Team. Seit der Silbermedaille bei der Europameisterschaft 2004 hat die dänische Mannschaft lediglich bei der WM 2013 eine Medaille geholt – und die war aus Bronze.

Tiefpunkte waren die verpassten Qualifikationen für die Olympischen Spiele 2008, 2016 und 2020, die wegen der Corona-Pandemie ins Jahr 2021 verlegt worden ist.

Die Vergangenheit muss bewältigt werden

„Es ist ein schweres Erbe für uns Spielerinnen; das hat unser Spiel schon beeinflusst“, sagt die rechte Rückraumschützin Louise Burgaard. Sie ist eine von nur drei Spielerinnen im dänischen Kader, die 2013 beim Gewinn der Bronzemedaille dabei war.

Die Mannschaft müsse sich von der Vergangenheit lösen, meint Burgaard.

„Wir müssen uns als ein neues Team sehen. Wir dürfen keine Angst vor den Vergleichen mit früheren Mannschaften haben, sondern sollten die große Aufmerksamkeit genießen“, so die Spielerin von Metz Handball.

Lærke Nolsøe hingegen ist noch nicht lange dabei. Doch auch sie ist sich bewusst darüber, was den Fans als Erstes einfällt, wenn sie von der Nationalmannschaft hören.

„Es wurden viele Jahre lang Parallelen zu ‚Den eisenharten Ladies‘ gezogen. Doch das ist viele Jahre her, und der Handball hat sich seitdem stark weiterentwickelt“, sagt die Flügelspielerin. „Ich finde aber auch, dass man ruhig Ansprüche an uns stellen soll. Das finde ich total in Ordnung“, so die 24-Jährige.

Die Anhängerin will es besser machen

Das letzte Mal, dass ein internationales Turnier in Dänemark ausgetragen wurde, war die Weltmeisterschaft im Jahr 2015. Die junge Spielmacherin Mie Højlund saß als Fan auf der Tribüne – und wurde enttäuscht. Dänemark schied im Viertelfinale gegen Rumänien aus.

„Das ist ein Teil unserer Geschichte, und es ist etwas, aus dem wir eine Menge gelernt haben“, sagt Mie Højlund über die Niederlagen der Vergangenheit.

Bei der WM in Japan im vergangenen Jahr war sie dabei und musste die Enttäuschung am eigenen Leib spüren. Mit dem Erwartungsdruck könne sie allerdings umgehen.

„Es stört mich nicht, dass wir immer wieder daran erinnert werden. Im Gegenteil: Ich finde, dass wir den Kritikern bald mal durch gute Leistungen das Gegenteil beweisen sollten“, so Mie Højlund.

Dänemarks erstes Gruppenspiel findet am Freitag ab 20.30 Uhr in Herning statt; der Gegner ist Slowenien.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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