Freitag ist Schluss

Der letzte Schlachter sagt adieu

Ilse Jacobsen
Sonderburg/Sønderborg
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Carsten Franke schließt nach zwölf Generationen das Sonderburger Familienunternehmen Slagter Franke. Foto: Karin Riggelsen

Slagter Franke in Sonderburg lädt zum Abschiedsempfang. Warum der letzte Schlachter in Sonderburg nach zwölf Generationen Schluss macht, erzählte Carsten Franke unserer Journalistin.

Seit eh und je – genauer gesagt, seit ganzen zwölf Generationen – hat die Familie Franke dafür gesorgt, dass in Sonderburg delikat und frisch zubereitete Fleisch- und Wurstwaren auf die Teller kommen können.

Aber damit ist am heutigen Freitag Schluss. Carsten (51) und Bettina (46) Franke verabschieden sich um 12 Uhr mit einem Abschiedsempfang im Hinterhof, bei dem kostenlos gegrillte Ringreiterwürstchen und ein oder zwei Bierchen gereicht werden.

Carsten übernahm den Betrieb im Jahr 2000 von seinen Eltern Uwe und Anne Marie. Sie hatten Slagter Franke seit 1976.
„Ich bin ja eigentlich hier aufgewachsen. Ich mochte das Handwerk, und das tue ich immer noch“, so Carsten Franke.

Er hat eine Lehre bei Schlachter Hilbig in Apenrade gemacht, und anschließend war er zehn Jahre in Kopenhagen. Dann kehrte er wieder nach Sonderburg zurück. Franke junior wollte das Unternehmen seiner Familie übernehmen.

Dass Slagter Franke schließen muss, war keine leichte Entscheidung. „Darüber haben wir schon seit vorigen Sommer diskutiert. Das war ein sehr langer Prozess. Wir mussten herausfinden, bleiben wir oder machen wir dicht“, erklärt Carsten Franke. Das Ehepaar hat versucht, den alten traditionsreichen Familienbetrieb zu verkaufen. Aber das glückte nicht. „Jetzt habe ich das meiste Stück für Stück verkauft. Die ganzen Geräte sind weg“, sagt er.

Carsten Franke vor seinem Sonderburger Schlachtergeschäft. Foto: Karin Riggelsen


Einen solchen Laden zu schließen, macht nicht nur Carsten traurig. „Es war ja eigentlich ein Ort für meine ganze Familie. Auch für meine Eltern und Geschwister. Es war unsere feste Haltestelle hier in der Stadt. Hier konnte man sich immer eine Tasse Kaffee holen“, so Carsten. Auch seine Eltern sind traurig, „aber jetzt müssen wir nach vorn schauen“, wie der Schlachter feststellt.

Carsten Frankes neuer Job ist in Kopenhagen, bei seinem früheren Arbeitgeber Slagter Lund, Bettina Franke ist am 1. Dezember fertig ausgebildete Köchin, und sie hat eine feste Stelle in einer Kantine erhalten.

In den vergangenen Monaten wurde im ganzen Haus kräftig aufgeräumt. Der Schlachter hat über 100 Jahre an der dortigen Adresse gelegen. Dort wurden unter anderem ganz viele Bilder, Schüsseln und alte Behälter gefunden. „Ganz viel Geschichte – und plötzlich steht man damit an der Mülldeponie“, so der Schlachter.Carsten Franke weiß, was heute bei einem Laden in der Fußgängerzone alles dazugehört. „Man muss einen Laden haben, Mahlzeiten liefern und jedes Wochenende arbeiten. Hinzu kommt der Internet-Verkauf. Sonst läuft es nicht rund.“
Er hat seine Arbeit schon immer geliebt: „Ich habe schon immer gern mit den Kunden gearbeitet. Und das alte Handwerk – alles von Grund auf zuzubereiten. Das mag ich“, meint er.

Die Handelsgewohnheiten ändern sich – das hat nun auch Konsequenzen für Carsten Franke. Er schließt am heutigen Freitag ein Gseschäft. Foto: Karin Riggelsen

Der Schlachtermeister weiß, dass die Fußgängerzone sich verändert – die kleinen Läden haben es schwer. Es kommen wohl mehr Cafés, vermutet er. „Die Leute haben heute auch andere Einkaufsgewohnheiten und wollen die ganze Woche einkaufen können“, stellt er fest. Seine Kunden waren meist ältere Menschen, die in der Stadtmitte wohnen.

Für Carsten Franke war die offizielle Verkündung der Schließung ein traurige Sache – aber auch ein Augenöffner. Viele Kunden waren traurig, und der Schlachter hat in den vergangenen Wochen sehr viel zu tun gehabt. „Die Leute haben uns wirklich auf die Schulter geklopft und mit uns gehalten. Es war gut, dass wir hier waren. Das tat uns unglaublich gut. Das war ein guter Abschluss, wenn man das so sagen kann“, stellt Carsten Franke fest.

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