BUTTERSCHIFF

Ute Johannsen will die MS Sonderborg nach Flensburg holen

Ute Johannsen will die MS Sonderborg nach Flensburg holen

Ute Johannsen will die MS Sonderborg nach Flensburg holen

Paul Niklaus Stahnke/shz.de
Flensburg
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Die MS Lamara vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Foto: Privat

Das Schiff fuhr einst die Strecke Flensburg-Sonderburg. Derzeit wird es in Vorpommern wieder seetüchtig gemacht.

Das erste Mal bin ich vor fünf Jahren auf die MS Sonderborg gestoßen“, sagt Ute Johannsen. Die Flensburger Gastronomin hatte damals schon Interesse am Schiff – „ich war schockverliebt“ – scheute jedoch den Kauf, auch wegen des Preises.

Im vergangenen Jahr kam dann ein Bekannter auf sie zu, hatte die Sonderborg in Barth (Mecklenburg-Vorpommern) wiederentdeckt, mittlerweile billiger. Sowohl die Werft als auch der Besitzer wollten das Schiff loswerden. Johannsen zögerte nicht lange und kaufte das ehemalige Butterfahrtschiff. So rettete sie die MS Sonderborg vor dem Hochofen.

Vielgereistes Schiff

Wie Nachforschungen von Ute Johannsens Tochter Luisa ergaben, fuhr die Sonderborg zwischen 1958 und 1961 die Strecke Flensburg-Sonderburg als Butterschiff. Für Johannsen ein weiterer Grund, das Schiff zu retten: „Aus dem Schiff aus Barth wurde auf einmal ein Flensburg-Schiff.“

Zwischen 1961 und 1974 war die MS Sonderborg unter dem Namen My Fair Lady auf dem Ijsselmeer (Niederlande) unterwegs, danach wechselte sie den Namen ein zweites Mal und war als MS Lamara auf der Kieler Förde, dem Greifswalder Bodden und vor Südost-Rügen unterwegs. Seit 2016 liegt sie wegen eines Lecks im Barther Trockendock.

Schiff liegt am Bodden

Noch bis Mitte Juni wird die MS Sonderborg nun am Bodden in Vorpommern auf Vordermann gebracht. Sobald sie wieder seetüchtig ist, will Ute Johannsen die MS Sonderborg in den Flensburger Hafen überführen. Dort soll das Schiff, wenn es nach Johannsen geht, festliegend als Café-Schiff dienen.

„Das wäre mein Plan A“, so die Gastronomin. Alternativ wäre ihr auch eine Nutzung für Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Firmenfeiern recht. Auch als Fahrgastschiff könnte die Betreiberin des Beach-Clubs sich eine Zukunft für die MS Sonderborg, wenn auch ungern, denken. Sollte die Stadt keine der drei Möglichkeiten zulassen, müsste sich Johannsen einen anderen Heimathafen suchen.

MS Sonderborg war Butterschiff

Für Ute Johannsen ist der Schritt nach Flensburg der einzig richtige für die MS Sonderborg. Schließlich fuhr das Schiff selbst einst die Strecke nach Sonderburg als Butterschiff. Um an das historische Erbe des Schiffes anzuknüpfen, will Johannsen dem Schiff auch seinen alten Namen wiedergeben.

Umtaufpatin soll, wenn es nach Johannsen geht, am besten eine Nachfahrin von Katharina Andersen, der damaligen Taufpatin, sein. Parallel zur Suche nach ihr stellt Luisa Johannsen ein Buch zur Geschichte des Schiffes zusammen.

Deutsch-dänische Verbundenheit

Für Ute Johannsen hat die MS Sonderborg als ehemaliges Butterschiff einen ganz besonderen Stellenwert, sowohl in Bezug zu Flensburg wie auch persönlich. „Meine Großmutter ist mit mir immer auf die Petuh-Schiffe gegangen“, sagt sie. Für die Gastronomin steht das Schiff so auch als Symbol für die deutsch-dänische Verbundenheit im Grenzland.

Sieben Mitarbeiter des Beach-Clubs und Freunde sind noch in Barth damit beschäftigt, die MS Lamara wieder seetüchtig zu machen. Einen Kaufpreis nennt Ute Johannsen nicht, rechnet jedoch bis zur Fertigstellung des Schiffs mit einer sechsstelligen Investition – kein Hinderungsgrund für sie: „Für mich war klar, die MS muss nach Flensburg zurück.“ Am 18. Juni soll es soweit sein, dann wird die MS Sonderborg Barth verlassen.

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