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Große Sorge in Flensburg - Virusvariante breitet sich aus

Große Sorge in Flensburg - Virusvariante breitet sich aus

Große Sorge in Flensburg - Virusvariante breitet sich aus

dpa
Flensburg (dpa/lno) -
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Ein Forscher präsentiert einen PCR-Test. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die britische Virusvariante breitet sich in Flensburg rasant aus. Vor einem Monat wurde ihre Existenz erstmals in der Stadt bestätigt. Der Lockdown wirkt damit nur noch begrenzt.

Lange Zeit hat es in Flensburg relativ wenige Corona-Fälle gegeben. Doch seit Mitte Januar - mitten im Lockdown - steigen die Infektionszahlen erheblich. Mittlerweile rangiert die Stadt an der dänischen Grenze mit 181,9 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen auf Platz sieben der deutschen Kreise und kreisfreien Städte. Als Ursache wird die Verbreitung der in Großbritannien entdeckten Variante B.1.1.7 vermutet.

Diese Mutante wurde erstmals am 15. Januar in Flensburg nachgewiesen. Mittlerweile lässt sich nach Angaben der Stadt etwa ein Drittel aller seit Mitte Januar bestätigten Fälle auf sie zurückführen. Am Mittwoch (Stand: 11.00 Uhr) betrug die Zahl der vordiagnostizierte Meldungen 283 Fälle. «Es ist beunruhigend», sagte Stadtsprecher Clemens Teschendorf.

Auch bundesweit breitet sich die in Großbritannien entdeckte Variante des Coronavirus schnell aus. Nach neuen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) stieg ihr Anteil an den untersuchten positiven Proben binnen zwei Wochen von knapp 6 auf mehr als 22 Prozent, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte.

Das Flensburger Corona-Geschehen ist nach Ansicht des Leiters der Landesmeldestelle, Helmut Fickenscher, ursprünglich vor allem auf Aktivitäten einer größeren Personalvermittlungsfirma zurückzuführen. «Diese haben mehrere größere Betriebe im Raum Flensburg und auch in Dänemark betroffen», sagte der Infektionsmediziner der Deutschen Presse-Agentur. «Und das hat sich in der Bevölkerung in Flensburg und in angrenzenden Gebieten des Kreises Schleswig-Flensburg fortgesetzt.» Betroffen seien vor allem Menschen im Umfeld infizierter Beschäftigter dieser Firmen.

Laut Stadt konnte im Januar ein Großteil der Neuinfektionen noch auf eine illegale Silvesterfeier in Dänemark zurückgeführt werden, an der auch mehrere Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen teilnahmen, die in Flensburg wohnen. Mittlerweile sei das Ausbruchsgeschehen deutlich diffuser. «Wir haben ganz, ganz viele Stellen, wo das Virus auftaucht», berichtete Teschendorf. Selbst Fälle, die auf den ersten Blick zusammengehören, tun dies nicht unbedingt. So gab es kürzlich beispielsweise in einem Flüchtlingswohnheim sechs Fälle aus drei verschiedenen Strängen.

Noch am 16. Dezember meldete Flensburg 394 nachweislich Infizierte seit Beginn der Pandemie. 333 von Ihnen galten als bereits genesen. Die Sieben-Tages-Inzidenz lag bei 51. Zwei Monate später, am
16. Februar, registrierte die Stadt 1360 nachweislich Infizierte, davon 552 aktive Fälle. Die Sieben-Tages-Inzidenz hat sich mehr als verdreifacht und war zwischenzeitlich sogar noch höher. Die Virusvariante sei deutlich ansteckender und gefährlicher, warnte Teschendorf. Die Menschen müssten verstärkt auf das Einhalten von Abständen und der anderen Corona-Regeln halten, die auch gegen die mutierten Viren hülfen.

Auch der Geschäftsführer des Flensburger St. Franziskus-Hospitals, das schwerpunktmäßig die Behandlung von Corona-Patienten im nördlichen Landesteil übernommen hat, ist in Sorge. Die Krankenhauskapazitäten seien durch das einsetzbare klinische Personal begrenzt, sagte Klaus Deitmaring. «Die Mutation wird uns ohne wirkungsvolle Maßnahmen in vier Wochen an unsere Versorgungskapazitätsgrenzen führen.» Diese Situation stelle eine erhebliche Bedrohung für die Bevölkerung im gesamten Grenzland und konkret für die Flensburger Krankenhausversorgung dar.

Aktuell werden in den speziell für Covid-19-Patienten eingerichteten Isolier-Bereichen des Krankenhauses 29 Menschen behandelt; 7 werden wegen eines Corona-Verdachts versorgt, bei 22 wurde das Coronavirus nachgewiesen. Deitmaring bereitet Kopfzerbrechen, dass die Covid-Patienten deutlich jünger werden und auch nicht immer unter Vorerkrankungen litten. Zudem gebe es häufiger schwere intensivmedizinische Verläufe.

Um das Geschehen einzudämmen, hat Flensburg bereits vor Tagen die Corona-Regeln verschärft. So darf etwa nur noch eine Person pro Haushalt Einkaufen gehen. Auch die Besuchsregeln in Alten- und Pflegeheimen wurden verschärft; Schulen und Kindergärten öffnen zunächst nicht.

Auch der benachbarte Kreis Schleswig-Flensburg will die Schulen und Kitas am liebsten zunächst geschlossen halten. «Viele Flensburger*innen besuchen im Kreisgebiet Schulen und Kindergärten», sagte Landrat Wolfgang Buschmann. Im Kreisgebiet stiegen die Erkrankungen an der ansteckenderen Virus-Variante B.1.1.7. Angaben von Mittwoch zufolge wurden bisher insgesamt 44 Fälle der britischen Variante nachgewiesen.

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