Schleswig-Holstein & Hamburg

Generalvikar Thim leitet Erzbistum Hamburg kommissarisch

Generalvikar Thim leitet Erzbistum Hamburg kommissarisch

Generalvikar Thim leitet Erzbistum Hamburg kommissarisch

dpa
Hamburg/Köln
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Stefan Heße, Erzbischof von Hamburg, spricht bei einer Feier. Foto: Markus Scholz/dpa/Archivbild

Ein Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln hat Konsequenzen in Hamburg: Erzbischof Stefan Heße bietet dem Papst seinen Amtsverzicht an. Einen neuen, kommissarischen Leiter gibt es bereits. Die Reform-Initiative Maria 2.0 hat eine große Sorge.

Nach dem angebotenen Amtsverzicht des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße leitet nun Generalvikar Ansgar Thim kommissarisch das Erzbistum. Der Erzbischof nehme keine Termine mehr wahr, sagte ein Sprecher am Freitag. In der Leitung des Erzbistums werde der 63-jährige Thim durch Verwaltungsdirektor Alexander Becker und Weihbischof Horst Eberlein unterstützt. Heße hatte den in Mecklenburg-Vorpommern geborenen Thim 2015 zu seinem Generalvikar ernannt. Zum Erzbistum Hamburg gehören knapp 400 000 Katholiken in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg.

Am Donnerstag hatte Heße Papst Franziskus seinen Amtsverzicht angeboten. Es war die Konsequenz aus einem Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln. Der Strafrechtler Björn Gercke hatte ihm Pflichtverletzungen aus seiner Zeit als Personalchef im Erzbistum Köln vorgeworfen. Dabei handele es sich unter anderem um Verstöße gegen die Melde- und Aufklärungspflicht.

Auf die Frage, wann wohl mit einer Entscheidung des Papstes zu rechnen sei, antwortete der Sprecher des Erzbistums: «Das liegt allein in Rom. Zu einer zeitlichen Perspektive können wir uns nicht äußern.» Man gehe davon aus, dass der Papst die Bitte des Erzbischofs respektieren werde.

In seiner Erklärung hatte Heße am Donnerstagabend Fehler eingeräumt, bestand aber darauf: «Ich habe mich nie an Vertuschung beteiligt.» Dennoch wolle er Schaden vom Amt des Erzbischofs und vom Erzbistum Hamburg abwenden und sei bereit, die Konsequenzen aus den Folgerungen der Gutachter zu ziehen.

Am Freitag wandte sich Heße mit einem Brief an die Gemeinden: «Jetzt, wo die Dinge endlich auf dem Tisch liegen, kann und will ich mich ihnen entschlossen und direkt stellen», schrieb er. «Ich übernehme meine Verantwortung für damalige Fehler und das Versagen des Systems.» Es bedrücke ihn sehr, wenn durch sein Verhalten Betroffenen ein weiteres Mal Leid zugefügt worden sei. «Ich weiß heute nicht, wie mein Weg als Mensch, als Christ und als Seelsorger nun weitergehen wird», so Heße weiter.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hatte nach eigenen Angaben schon vor einigen Wochen gefordert, dass der Erzbischof sein Amt vorerst ruhen lassen möge. «Als Jugendverbände zollen wir seiner Entscheidung, dem Papst seinen Amtsverzicht anzubieten, unseren höchsten Respekt», sagte der Diözesanvorsitzende Patrick Kirsch (28) in Hamburg der Deutschen Presse-Agentur. «Wir schätzen Erzbischof Heße und haben ihn in den vergangenen Jahren als zugewandten, interessierten und gesprächsbereiten Erzbischof erleben dürfen - gerade im Umgang mit jungen Menschen in der kirchlichen Jugendarbeit.» Doch das vorgestellte Gutachten zeige, dass der Rücktritt notwendig sei.

Auch die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) begrüßte den Schritt. Es sei jedoch mehr als bedauerlich, dass es dazu des am Donnerstag veröffentlichten Gutachtens bedurfte, das den Erzbischof in die Ecke gedrängt habe, sagte die Vorsitzende des kfd-Diözesanverbands Hamburg, Gabriele Semrau. «Wir erwarten von einem Kleriker, einem Seelsorger, dass er eine moralische Verantwortung übernimmt und sich auch seiner Schuld als Mensch und Christ bewusst wird.»

Auch für Brigitte Jaschke von der katholischen Reform-Initiative Maria 2.0 in Hamburg ist die von Heße gezogene Konsequenz «notwendig und selbstverständlich». Es sei jedoch schade, dass er damit so lange gewartet habe, sagte sie. Sie rechne damit, dass es ein bis zwei Jahre dauern werde, bis ein neuer Erzbischof komme. «Wir haben immer mehr die Sorge: Es gibt doch irgendwann kein vernünftiges Personal mehr, dem man so ein Amt zutrauen kann.»

Am Donnerstag hatte bereits der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten. Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff bat darum, beurlaubt zu werden, wie das Erzbistum Köln am Freitag mitteilte.

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