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Massentourismus kann für Minderheiten gefährlich werden

Massentourismus kann für Minderheiten gefährlich werden

Massentourismus kann für Minderheiten gefährlich werden

Camilla Sørensen, Flensborg Avis
Dagebüll/Doogebel/Dagebøl
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Bahne Bahnsen erläuterte den Besucherinnen und Besuchern die Situation der Friesinnen und Friesen in Schleswig-Holstein (Archivfoto). Foto: Cornelius von Tiedemann

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Das diesjährige Treffen der FUEN-Gruppe für Minderheiten ohne Mutterstaat hatte das Thema Tourismus. Für einige Völker ist das große Interesse von Touristen ein Problem.

Wie können Minderheiten ihre Kultur und Sprache trotz des massiven Interesses von Touristen bewahren? Denn bei einigen europäischen Minderheiten ist das Interesse so groß, dass die Minderheit im Massentourismus untergeht.

Diese Herausforderung stand auf der Tagesordnung, als die Arbeitsgruppe für Minderheiten ohne Mutterstaat, die zur Union der Minderheiten in Europa (FUEN) gehört, Ende November in Nordfriesland tagte. Das berichtet „Flensborg Avis“.

„Die Minderheiten könnten von den Touristen erdrückt werden“, erklärt Bahne Bahnsen, ein Frise, stellvertretender Vorsitzender der FUEN und Sprecher der Arbeitsgruppe.

Die ladinische Gemeinde in Norditalien beispielsweise veranstaltet jedes Jahr eine Osterparade, zu der laut Bahne Bahnsen Tausende von Touristen anreisen. Das Gleiche gilt für das friesische Biikefest in Nordfriesland.

„Die Menschen strömen in Scharen herbei, und in manchen Fällen müssen wir einen anderen Weg einschlagen, um wir selbst zu sein“, so Bahne Bahnsen.

Die Gruppe diskutierte auch darüber, wie Touristen dafür sensibilisiert werden können, dass vor Ort eine Minderheit mit einer eigenen Kultur lebt. Ein Beispiel ist die nordfriesische Insel Föhr (Feer/Før).

„Die Friesen leben seit mehr als tausend Jahren auf Föhr, und die Touristen kommen und wissen nichts über die Minderheit, sagt Bahne Bahnsen“. Er hofft, dass mehr Beschilderungen in friesischer Sprache dazu beitragen können, das Bewusstsein für die Minderheit zu schärfen.

Über die friesische Kultur lernen

Die FUEN-Gruppe trifft sich jedes Jahr und die Mitglieder wechseln sich als Gastgebende ab. Während des jährlichen Treffens lernen sich die Minderheiten besser kennen. In diesem Jahr traf sich die Gruppe in Nordfriesland, wo die Friesinnen und Friesen an der Reihe waren, einen Einblick in die friesische Kultur und Geschichte zu geben.

Vertreter von acht europäischen Minderheiten ohne Mutterland reisten nach Nordfriesland, während zehn weitere Minderheiten über eine Internetverbindung an den Arbeitstreffen teilnahmen. Bahne Bahnsen vermittelte der Gruppe gerne einen Eindruck von Nordfriesland.

„Es war ein Vergnügen und wir kamen der friesischen Kultur sehr nahe“, sagt er.

Die Gruppe unternahm einen Ausflug auf die Insel Föhr. Hier besuchten sie das Dr. Carl Haeberlin Friesen-Museum, wo die Mitglieder in die friesische Geschichte eingeführt wurden. Es blieb auch Zeit für einen Abend mit Essen und geselligem Beisammensein im friesischen Hallenhaus in Fahretoft (Foortuft/Fartoft), dem Hans-Momsen-Haus, in dem einst das friesische Genie Hans Momsen lebte.

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