Flensburger Ernährungsexpertin

Tipps und Tricks: Richtig essen will gelernt sein

Tipps und Tricks: Richtig essen will gelernt sein

Tipps und Tricks: Richtig essen will gelernt sein

Flensburg
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Foto: Georg Wendt/dpa

Wer lange gesund leben will, muss einfache Regeln beachten. Eine Flensburger Ernährungsexpertin hat Ratschläge parat.

Ein Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, Wissenschaftler haben in einer Studie die Bekleidungsgewohnheiten der Menschen unter die Lupe genommen und beobachteten, was in welchen Kulturkreisen am häufigsten getragen wird. Sie führten Befragungen durch, erfassten Durchschnittswerte und formulierten abschließend eine verallgemeinerte Empfehlung.

So lautet das Fazit, dass Jeans und Langarm-Shirt die passende Universal-Bekleidung für die Weltbevölkerung sind. Eine These, die mit Expertenmeinungen medienwirksam kolportiert wird – und die Druck macht: Wer will schon das Falsche tragen? Spätestens jetzt sollte die Studie zu denken geben: Jeans und Langarm-Shirts sind gewiss von Vorteil im gemäßigten Klima. Wie aber sieht es im Tiefschnee aus? Oder in den Tropen?

Bücherregale sind voller Ratgeber für mehr Wohlbefinden

Was für viele passend sein mag, muss nicht für jeden das Richtige sein. Eine im Grunde simple Erkenntnis, die sich auch auf die Vielzahl der Ernährungsempfehlungen übertragen lässt und dennoch zu wenig Beachtung findet. Experten bieten der Allgemeinheit immer neue Patentrezepte zur gesunden Ernährung, die sich allesamt gut vermarkten lassen.

Die Bücherregale sind gefüllt mit Ratgebern für mehr Wohlbefinden. Paleo, Keto-, Low-Carb-, Strunz- oder Atkins-Diät – und wie sie alle heißen. Etliche Wege scheinen zu mehr Fitness zu führen. Umso erstaunlicher, dass die Fettleibigkeit hierzulande zunimmt. Die Deutschen werden dicker: Laut statistischem Bundesamt bringen 62 Prozent der Männer zu viele Kilos auf die Waage, bei den Frauen sind es 44 Prozent. Jedes fünfte Kind ist korpulent.

Und je mehr überschüssiges Fett, desto fataler die Folgen: Der Organismus der Fettleibigen altert biologisch schneller, weshalb die Betroffenen laut Wahrscheinlichkeitsrechnung zehn Jahre früher sterben als Menschen mit angemessenen Körpermaßen – in einem Land mit eigentlich optimalen Ernährungsbedingungen.

Keine strikten Essenspläne

Ines Heindl, Professorin im Ruhestand der Universität Flensburg, ist seit über 35 Jahren aktiv in der Ernährungsbildung. Sie hält lange schon nichts von Reduktionsdiäten, die den Mensch als Individuum außer Acht lassen. Sollte ein Maurer wirklich das gleiche essen wie eine Kassiererin? Heindl verzichtete bei ihren Beratungsgesprächen auf strikte Essenspläne.

Sie lässt weder Zutaten abwiegen, noch Punkte oder Kalorien zählen und setzt auf Strategien statt Diäten. „Wichtig ist, dass jeder Hilfesuchende selbst herausfindet, was für seinen Körper gut ist – auch wenn es einfacher wäre, etwas vorgeschrieben zu bekommen“, betont sie.

„Ich habe alles ausprobiert, nichts hilft auf Dauer. Ich nehme immer wieder zu“ ist ein Satz, den sie zu Beratungsbeginn immer wieder von Betroffenen hört. Eine Aussage, die auf dem klassischen Jo-Jo-Effekt beruht: Wer nur für ein paar Wochen seine Essgewohnheiten ändert, fällt danach schnell wieder in alte Muster zurück und greift aus purer Gewohnheit erneut zu Ungesundem. Und mit der ursprünglichen Ernährungsweise kommt auch das ursprüngliche Gewicht zurück.

Protokoll führen, Ernährung verbessern

Ines Heindl ist es daher wichtig, dass Ratsuchende ihre Ernährungsweise detailliert protokollieren und sie sich damit bewusstmachen. Ist die Limonade das Problem? Oder zu viel Schokolade? Der Teufel steckt im Detail. Aus Erfahrung weiß die Professorin, dass bei der Auswertung der Protokolle ein Laster immer wieder hervorsticht, woraus auch ihr erster Rat für mehr Gesundheit resultiert: „Nehmen Sie die zugefügte Süße raus!“

Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein war Zucker ein wichtiger und vor allem seltener Energieträger. Heute ist er ein Grundnahrungsmittel, das ständig verfügbar, unbegrenzt haltbar und vor allem billig ist. So hat sich unser Zuckerkonsum in den letzten 50 Jahren verdreifacht. Zucker versüßt das Leben.

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