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Grippeimpfung oder nicht? Das sollten Sie jetzt wissen

Grippeimpfung oder nicht? Das sollten Sie jetzt wissen

Grippeimpfung oder nicht? Das sollten Sie jetzt wissen

shz.de/ Waltraud Messmann
Berlin
Zuletzt aktualisiert um:
Eine Grippeschutzimpfung ist laut Experten für manche Menschen wichtiger als für andere. Foto: dpa

Reicht der Grippe-Impfstoff 2020? Sollten Kinder sich impfen lassen? Die Ständige Impfkommission ist da vorsichtig.

Gesundheitsminister Jens Spahn möchte sie, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowieso und nun auch immer mehr Ärzte: eine freiwillige Grippe-Impfung für alle. Die Ständige Impfkommission (STIKO) aber lehnt es ab, ihre bisherigen Empfehlungen über die üblichen Risikogruppen hinaus auszuweiten.

"Die Datenlage für eine so weitreichende allgemeine Empfehlung ist aktuell noch nicht ausreichend", betont der Leiter der STIKO Thomas Mertens im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Kommission würde sich berechtigter Kritik aussetzen, wenn sie auf "Druck von x" von der erforderlichen sorgfältigen Entscheidungsfindung abweichen würde.

Grippeimpfstoff reicht nicht für alle

Fakt sei, dass es für die gesamte Bevölkerung nicht genügend Impfstoff gebe, so der Experte. "In Zeiten von Corona sollten die Risikogruppen für schwere Influenzaerkrankungen aber möglichst vollständig geimpft werden." Zur Begründung führt er unterem an, dass die Risikogruppen für schwere Influenzaerkrankungen und Covid-19 Verläufe praktisch deckungsgleich seien. Nach Ansicht von Experten sind auch Doppelerkrankungen nicht ausgeschlossen.

Wenn es durch eine spontane Impfempfehlung für alle zusätzlich zu einer Verknappung des Impfstoffes für die Risikopatienten käme, könnte das kontraproduktiv sein, fasst Mertens zusammen. Denn dann wären ausgerechnet die Risikogruppen unterversorgt, durch deren Impfschutz man das Gesundheitssystem im Pandemieherbst entlasten möchte.

Wer sich unbedingt gegen Grippe impfen lassen sollte

Zu den Risikogruppen gehören laut STIKO chronisch Kranke, Menschen ab 60 Jahren, Schwangere und Beschäftigte im Gesundheitswesen. Ihnen wird die Grippeimpfung bereits seit vielen Jahren empfohlen und auch von der Krankenkasse bezahlt. Aktuell ist mit 25 Millionen Dosen zwar deutlich mehr Impfstoff verfügbar als in den vergangenen Jahren. Sollten sich aber alle Risikopatienten vor Influenza schützen, würden allein dafür 40 Millionen Grippeimpfstoffdosen benötigt.

Nach einer besonders hohen Impfbereitschaft unter Risikopatienten sieht es aber derzeit nicht aus: Ursula Sellerberg, Pressesprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), berichtet zwar von einer deutlich erhöhten Nachfrage nach Grippeimpfungen in den Arztpraxen und auch in den Apotheken. Gleichzeitig weist sie aber auf eine repräsentative Umfrage aus dem August dieses Jahres hin, wonach sich fast jeder zweite Angehörige von Risikogruppen (45 Prozent) nicht gegen Influenza impfen lassen will.

STIKO zögerlich bei Grippeimpfung für Kinder

Neben der freiwilligen Grippeimpfung für alle wird auch der Piks für Kinder heftig diskutiert: So raten viele Kinderärzte Eltern teils eindringlich, ihren Nachwuchs in diesem Herbst gegen Grippe impfen zu lassen. "Die Zeit" zitiert Johannes Hübner, leitender Oberarzt der Kinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie: "Wir wissen, dass Kinder den Influenza-Virus maßgeblich übertragen." Die Empfehlung für eine allgemeine Kinderimpfung sei ein "Dauerthema" der STIKO, sagt dazu Mertens. Grundsätzlich gelte, dass Änderungen der Empfehlungen immer möglich seien, wenn sich eine neue Datenlage ergeben hat.

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