Schulsportfest

Zwischen Harry Potter und geschälten Kastanien

Florian Papenfuhs
Apenrade/Aabenraa
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Das Geländespiel war mit seinen zahlreichen bunten Plastikbällen bei einem Großteil der Schüler sehr beliebt. Foto: Karin Riggelsen

Kreative Wettbewerbe vom deutsch-dänischen Schulsportfest in Apenrade begeistern hunderte Lehrer und Schüler. Auch die traditionelle Bewegung kommt nicht zu kurz.

Bereits zum siebzehnten Mal fand am Donnerstag der deutsch-dänische Schulsporttag statt. Rund 950 Schüler, alle aus der sechsten Klasse, nahmen an den unkonventionellen Disziplinen teil. Jedes Jahr werden dänische und deutsche Schulen aus der Umgebung zum Sportfest eingeladen. Nachdem der Schulsporttag im letzten Jahr in Flensburg gastierte, fand er am Donnerstag, wie schon zwischen 2015 und 2017, in Apenrade statt. Bereits von 9 Uhr an hielten die ersten Busse auf dem Parkplatz des Stadions, aus denen teils muntere, teils verschlafene Gesichter schauten. Gegen 10 Uhr wurde der Sporttag dann offiziell eröffnet. Die Schüler fanden sich in 42 Teams auf dem Rasen zusammen. Die Zusammensetzung war simpel: Je eine deutsche und eine dänische sechste Klasse bildeten eine Gruppe.

Dann gab es Reden und Danksagungen von der Kommune, die die Geduld eines manchen Schülers auf die Probe stellte. So sagt Sally Polzyn-Stitzel: „Das lange Warten am Anfang war für die Kinder natürlich etwas schwierig. Aber jetzt sind sie froh, sich bewegen zu können.“ Auch lobt die Lehrerin von Sylt die ungewöhnlichen Spiele, die dazu führen, dass sich die Kinder von Anfang an konzentrieren, um den Regeln folgen zu können.
Verschiedenste Disziplinen stehen den Kindern zur Verfügung; beispielsweise ein übergrößer Tischkicker, in dem jedes Kind stets an seiner Stange bleiben muss, eine Rundball-Variante mit Tennis- und Footballbällen und Frisbees, und auch der Bungee-Run, bei dem versucht werden muss, an einem Bungee-Seil befestigt, so weit wie möglich von einer Wand wegzulaufen.

Rund 950 Schüler hatten in Apenrade gestern Spaß mit den verschiedenen Sportspielen. Foto: Karin Riggelsen

Traditionelle Bewegung kommt nicht zu kurz

Doch auch traditionelle Bewegung kommt nicht zu kurz, so werden auch ein Crossfit-Lauf durch den Wald sowie Tauziehen angeboten. Lasse, von der Gesamtschule aus Husum, hat das Geländespiel am besten gefallen. Hier treten zwei Teams gegeneinander an, jedem Team gehört eine Hälfte des Spielfelds. Mit kleinen, bunten Plastikbällen, müssen die Spieler versuchen andere abzuwerfen und gleichzeitig den Kugeln ausweichen. Lasse sagt, seine ältere Schwester ist vor vier Jahren schon einmal hier gewesen. „Ich habe sie aber nicht nach dem Sportfest gefragt. Ich wollte mich überraschen lassen.“

Auch Sportlehrer Jan von Garrel ist begeistert. Als er seine Schüler zum Quidditch-Feld begleitet, erzählt er uns: „Manche der Spielformen werde ich sogar in den Unterricht übernehmen.“ Quidditch meint tatsächlich den großen Sport aus der Hexen- und Zaubererwelt von „Harry Potter“, jedoch selbstredend ohne Besen und Schnatz, sondern auf den Füßen im Gras, und mit kleinen und großen Bällen. „Das Feld könnte größer sein. Es ist etwas unübersichtlich.“, schmunzelt der Sportlehrer aus Husum, betont jedoch gleichzeitig, dass es „darum ja auch gar nicht geht. Wichtig ist eher das schöne Miteinander.“ Dieses Augenmerk macht sich auch zwischen den Stationen bemerkbar. Die Kinder reden weniger über Ergebnisse und Leistungen. Eher sprechen sie mit den Mitstreitern aus dem Nachbarland oder beschäftigen sich mit ihrer Umwelt.

Manchen Kindern sind die Teilnehmer von der anderen Seite der Grenze gar nicht mal so fremd. „Wir hatten vor zwei Wochen ein Austauschprojekt mit einer Schule aus Sörup. Die Kinder haben wir heute alle wieder getroffen.“, erzählt Sandra Olesen von der Deutschen Schule Hadersleben. Nahezu jeder Teilnehmer, egal ob Kind oder Lehrer, lobt die spaßigen Spiele und den lockeren Austausch. Stundenlang ist kein einziger Jubelschrei über einen abgeworfenen Gegenspieler zu hören. Stattdessen läuft ein Mädchen aufgeregt ihren Mitschülern hinterher und ruft „Lina, schau mal! Ich hab eine Kastanie geschält!“.

Auf dem Quidditch-Feld war es rappelvoll. Foto: Karin Riggelsen
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