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Zweigleisig aus der Corona-Krise

Zweigleisig aus der Corona-Krise

Zweigleisig aus der Corona-Krise

Nordschleswig/Kopenhagen
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Von Tingleff aus geht es eingleisig Richtung Pattburg weiter. Das soll nach Wunsch von Nils Sjøberg von Radikale Venstre anders werden. Foto: Volker Heesch

Der radikale Nils Sjøberg will außerordentliche Investitionen für Infrastruktur unter anderem für den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Tingleff und Pattburg einsetzen. Hans Christian Schmidt (V) befürchtet jedoch, dass sich keine Mehrheit finden wird.

Zweigleisig soll es zwischen Tingleff/Tinglev und Pattburg/Padborg aus den wirtschaftlichen Problemen, verursacht durch die Corona-Krise, hinausgehen. So zumindest die Vorstellung von Nils Sjøberg von Radikale Venstre.

Die Vorsitzenden mehrerer Parteien haben vorgeschlagen, dass Investitionen in öffentliche Infrastruktur vorgezogen werden, um die Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder anzukurbeln.

Und hier sieht Nils Sjøberg (Rad. V.) die Möglichkeit, einen Teil dieser Gelder für den lang ersehnten doppelgleisigen Ausbau der Strecke zwischen Pattburg und Tingleff einzusetzen.

„Es macht Sinn für die lokale Wirtschaft, für die Pendler sowie für die Umwelt", so Sjøberg gegenüber dem „Nordschleswiger".

„Für die Wirtschaft ist es eine Infrastruktur-Investition, die die Produktion am stärksten fördert. Wirtschaftsvertreter bezeichnen sie als absolut notwendig", meint der radikale Politiker.

Unterstützung von V und S

Nils Sjøberg hat daher an die übrigen Folketingsmitglieder aus Nordschleswig und Südjütland geschrieben und sie zu einem Videotreffen unmittelbar nach Ostern eingeladen.

Der Sozialdemokrat Troels Ravn steht der Initiative Sjøbergs positiv gegenüber.

„Dies ist ein wichtiges Projekt. Wir haben viele Jahre vergebens darauf gewartet. Jetzt soll es endlich angepackt werden", sagt er dem „Nordschleswiger".

Auch Venstres Eva Kjer Hansen erklärt ihre Zustimmung.

„Selbstverständlich unterstütze ich die Initiative. Ich habe schließlich schon 30 Jahre lang für diesen Streckenausbau gekämpft", meint sie.

Schmidt befürchtet langwierige Debatten

Und genau hier ist der Haken an der Sache. Denn bereits 1993 wurde der zweigleisige Ausbau der Strecke vom Folketing beschlossen. Bislang ist es jedoch nicht geglückt, Unterstützung dafür zu finden, dass Mittel für den Ausbau bereitgestellt werden.

Der Ausbau der 20 Kilometer langen Strecke zwischen Woyens/ ojens und Vamdrup hat 700 Millionen Kronen gekostet. Nils Sjøberg schätzt daher, dass die Strecke Pattburg-Tingleff für 500 Millionen Kronen machbar ist. Die EU ist bereit, 65 Millionen Kronen beizusteuern.

Eva Kjer Hansens Parteikollege Hans Christian Schmidt ist ebenfalls engagierter Befürworter des Projekts, doch gleichzeitig ist er pessimistisch in Bezug auf die Chancen für eine breite Unterstützung.

„Ich befürchte, es könnte zu langwierigen politischen Debatten kommen, wo jeder versucht, die eigenen Lieblingsprojekte zu verwirklichen", meint Schmidt.

„Nach der Corona-Krise haben wir jedoch den Bedarf, die Wirtschaft möglichst zügig anzukurbeln und sollten daher zunächst die Projekte angehen, die bereits vorbereitet sind", sagt er und verweist auf den Infrastrukturplan, den die vorige Regierung vorgelegt hatte. Damit folgt er der Linie seines Parteivorsitzenden Jakob Ellemann-Jensen, der ebenfalls vorgeschlagen hat, den Plan der VLAK-Regierung abzustauben.

Viele Wünsche

Troels Ravn (Soz.) meint jedoch, dass dieses Projekt spätestens bei den Infrastrukturverhandlungen nach den Sommerferien mit ganz obenan stehen sollte.

„Mir ist natürlich bewusst, dass es mehr Wünsche gibt, als es Mittel geben wird. Aber der Ausbau dieser Strecke ist nicht ,nice-to-have', er ist ,need-to-have'. Dies ist kein Luxusprojekt", sagt er.

Eva Kjer Hansen (V) verweist darauf, dass die Vertreter der roten Parteien vor allem in eigenen Reihen Unterstützung suchen sollen.

„Die Parteien, die die parlamentarische Grundlage der jetzigen Regierung ausmachen, müssen ja in erster Linie an Transportminister Benny Engelbrecht (Soz.) herantreten", meint sie.

Nils Sjøberg setzt darauf, dass die nordschleswigschen Parlamentarier gemeinsam Druck machen können.

„Es gibt breite Unterstützung, dass extra Mittel nach Corona fließen sollen. Da haben wir die Möglichkeit, auch für dieses Projekt Gelder frei zu machen."

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