Jes-Schmidt-Stiftung

„Das war eine einmalige Chance für mich“

„Das war eine einmalige Chance für mich“

„Das war eine einmalige Chance für mich“

Kopenhagen/Hongkong
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Magali Diallo
Magali Diallo auf dem Heimweg von der Arbeit. Die roten Minibusse – wie hier im Stadtteil Mong Kok auf der Kowloon-Festlandseite –sind typisch für das dortige Straßenbild. Foto: Privat

Im dreimonatigen Praktikum bei der Firma Jebsen & Co. in Hongkong konnte Magali Diallo das an der Uni Gelernte in der Praxis anwenden. Durch ein Legat der Jes-Schmidt-Stiftung bekam sie ein Stipendium von Jebsen & Co.

Auf der Rückreise von Hongkong nach Kopenhagen hatte Magali Diallo nicht nur einige Kilo mehr im Gepäck, sondern hat auch die Koffer, Rucksäcke und Reisetaschen ihrer Mitmenschen mit neuen Augen angeschaut. Waren die etwa so modern, dass sie – weil mit Bluetooth ausgestattet – ihren Besitzern hinterherrollen konnten? Hatte ein Reisender auf dem Flughafen Hongkong das sogenannte „Smart Luggage“ dabei? Denn genau damit hatte sich die 22-Jährige sehr intensiv beschäftigt während ihres Aufenthaltes in der chinesischen Stadt. Der Grund dafür war das dreimonatige Praktikum bei der Firma Jebsen & Co. in Hongkong, ermöglicht durch ein Legat der Jes-Schmidt-Stiftung.

„Das war richtig, richtig gut“, schwärmt die junge Frau über ihre Zeit in der Consumer-Abteilung der Firma, wo sie mit eigenen Projekten betraut wurde und sehr selbstständig arbeiten konnte (siehe nebenstehenden Artikel). „Eine einmalige Erfahrung! Um die Aufgaben zu bewältigen, hatte ich viel Freiheit und war auf mich selbst gestellt.“ Gemeistert hat Magali Diallo diese Herausforderungen mit dieser Kombination: „Gesunder Menschenverstand, gepaart mit dem, was ich an der Uni gelernt habe. Dazu gehörte Verhandeln, Psychologie und ein gewisses Kulturverständnis. Denn es war wichtig einzuschätzen, was Kunden sowohl in China als auch in Hongkong interessiert. Hongkong gehört zwar geografisch zu China, hat aber einen Autonomiestatus. So habe ich eigentlich zum ersten Mal erlebt, dass das, was ich an der Uni gelernt habe, auch in der Praxis taugt“, erzählt Magali begeistert.

Gewohnt hat sie in Hongkong in einem Zimmer in einer Dreier-Wohngemeinschaft auf Hongkong-Island. „Das hatte ich mir vorher selbst gesucht. Hongkong-Island ist ein angesagtes Viertel, und die Wohnung lag in der elften Etage eines Hochhauses mit einem bombastischen Blick auf einen Park. Zum Glück nicht auf ein anderes Hochhaus – das hätte auch passieren können“, so Magali. „Von dort aus war alles gut zu erreichen, und mit der Metro war ich in 30 Minuten bei der Arbeit.“

Bei ihrer Ankunft in Hongkong sei alles „total gut organisiert“ gewesen. „Alles war gut ausgeschildert, und die Menschen waren nett und freundlich. Ich habe mich sehr wohlgefühlt und war ganz begeistert, dass Hongkong, das ja aus 263 Inseln besteht, so grün ist. Dort gibt es generell einen guten Mix aus westlicher und asiatischer Kultur.“

Am meisten überrascht habe sie, dass sich Hongkong-Island und das Festland so sehr unterscheiden. „Das Festland ist sehr ursprünglich und sehr dicht bevölkert, Hongkong-Island ein Mix aus internationalem und lokalem Flair – mit viel Weite und grüner Natur. Das hatte ich nicht so extrem erwartet. Die Luft war auch nicht so schlecht, wie ich befürchtet hatte.“

Was Magali in Hongkong sehr überrascht hat, ist, dass die Kollegen nach der Arbeit noch so viele Dinge zusammen unternehmen – wie etwa zum Karaoke-Singen zu gehen („Karaoke-Bars gibt es dort sozusagen an jeder Ecke), zum Yoga im Park oder zum gemeinsamen Lunch. „Das Arbeitsklima war sehr persönlich und gut. Und ein Highlight war für mich auch, dass ich Hans Michael Jebsen persönlich kennengelernt habe. Das Praktikum war eine einmalige Chance für mich, und ich bin unglaublich dankbar über Jebsens Stipendium, durch das mir Flug, Unterkunft und ein kleines Gehalt gezahlt wurden. Sonst wäre ein Praktikum dort nicht möglich gewesen, allein schon wegen der hohen Lebenshaltungskosten“, so die 22-Jährige, die neben Deutsch, Dänisch und Englisch auch recht gutes Französisch spricht, weil sie in Brüssel geboren wurde und dort einige Jahre gelebt hat.

Magali Diallo zur Person

Magali Diallo ist in Brüssel geboren, hat einige Jahre dort gelebt, bevor sie nach Deutschland gezogen ist. Zunächst ging sie in Eckernförde auf die Peter-Ustinov-Gesamtschule und machte dann von 2011 bis 2014 Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig in Apenrade. Anschließend studierte Magali Diallo an der Syddansk Universitet in Sonderburg und an der Europa-Universität in Flensburg International Management. Seit ihrer Rückkehr aus Hongkong macht sie in Kopenhagen ihren Master im Studiengang Diversity and Change Management.

Gemeinsame Unternehmungen nach der Arbeit: Das Merchandising-Team hat Magali zum Lunch eingeladen. Foto: Privat

Mehr Selbstvertrauen durch Verantwortung

„Das Praktikum hat mir gezeigt, was einen im Arbeitsleben erwartet und mich darin bestärkt, dass Marketing und Verkauf für mich interessante Arbeitsfelder sind. Dafür habe ich mich schon immer interessiert, und nun habe ich mit Merchandising, also dem Warenhandel im Ein- und Verkaufsbereich, noch eine neue Richtung kennengelernt. Das war wirklich ein Gewinn.“

Und was hat Magali Diallo während der Zeit in Hongkong über sich selbst gelernt? „Das das so gut ging! Durch die Übernahme von Verantwortung ist mein Selbstvertrauen gewachsen. Bei meinen eigenen Projekten habe ich anfangs viele Absagen bekommen und musste sehen, wie ich damit klarkomme. Es war nicht leicht, aber ich habe es geschafft.“

Entspannung nach einem langen Arbeitstag: Outdoor-Yoga ist in Hongkong sehr beliebt – selbst inmitten von Wolkenkratzern. Foto: Privat

Zwei eigene Projekte betreut

Während ihres Praktikums bei der Firma Jebsen & Co. in Hongkong hat Magali Diallo zwei große Projekte eigenständig bearbeitet, inklusive der Verwaltung des damit verbundenen Budgets. „Im Bereich Merchandising war ich sozusagen Mittelsmann zwischen Produzent und Konsument, war also die Person, die Produkte für die Firma eingekauft hat. Das waren qualitativ hochwertige Küchenartikel, elektrische Konsumgüter wie Musikanlagen oder Ventilatoren. Aber auch Hightech-Koffer und -Rucksäcke, die mit Bluetooth ausgerüstet sind, sogenanntes ,Smart Luggage’, sodass man über sein Handy quasi Kontakt zu seinem Gepäck aufnehmen kann. Mit der Technik lässt sich der Standort bestimmen, wenn es am Flughafen nicht angekommen ist, oder man kann erfahren, wann es auf dem Laufband der Gepäckausgabe erscheinen wird. Ist der Koffer dann da, aber man hat keine Lust, ihn zu tragen, kann man ihn so programmieren, dass er einem hinterherrollt. Außerdem kann man zum Beispiel über den Rucksack das Handy aufladen. Sowas hatte ich vorher noch nie gesehen“, versichert Magali, „aber jetzt achte ich darauf.“

Zu ihren Aufgaben gehörte außerdem, Firmen auszusuchen, Kontakt zu ihnen aufzunehmen, sich über deren Produkte zu informieren, Transport-Konditionen zu erfragen, Profitprognosen aufzustellen und Probeartikel zu kaufen.
Bei dem zweiten Projekt ging es darum, eine neue Produktkategorie zu finden und zu entwickeln.

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