Nordschleswiger.dk

„Vorteile voll nutzen“

Helge Möller
Helge Möller Journalist
Apenrade/Aabenraa
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Die Online-Redaktion des Nordschleswigers. Foto: Helge Möller

Am 10. April gehen die neuen Internetseiten des Nordschleswigers online.  Cornelius von Tiedemann, stellvertretender Chefredakteur des Nordschleswigers, leitet die Web-Redaktion der Zeitung und erzählt, warum ein Neustart notwendig war und worauf sich die Leserinnen und Leser freuen können.

Warum bekommt der Nordschleswiger einen neuen Internetauftritt?

Die Mediennutzung hat sich in den vergangenen Jahren rasant verändert. Immer mehr Menschen informieren sich im Netz mit ihren Smartphones und Tablets und nutzen dabei die sozialen Medien. Auf diesen Wechsel der Lese- und Informationsgewohnheiten müssen wir uns einstellen. Wir wollen und müssen dabei nicht nur mit der Zeit gehen, unser Anspruch ist es, mit  der neuen Webseite und der Webredaktion vorn mit dabei zu sein. Die Minderheit hat einen Anspruch darauf, dass ihr Medium, Der Nordschleswiger, Nachrichten so präsentiert, wie es die anderen „großen“ Medien auch tun. Außerdem wollen wir so viele Menschen wie möglich  erreichen und ihnen erzählen, was sich in der deutschen Minderheit  tut und was aktuell in Dänemark geschieht.   Der bisherige Internetauftritt ist mehr als zehn Jahre alt und leider nicht mehr zeitgemäß.  Wir haben das System laufend angepasst, stießen dann aber an dessen Grenzen, sodass wir uns für einen Schnitt entschieden haben.

Was ändert sich für die Leser?

Die Ladezeiten verkürzen sich, die Seiten werden deutlich schneller sichtbar sein. Die Übersicht ist besser, den Lesern werden mehr Artikel angeboten, die sie vielleicht interessieren. Auch auf mobilen Endgeräten werden die Seiten deutlich schneller geladen, selbst wenn die Funkverbindung nicht optimal ist. Das Layout wird luftig-leicht,  die Navigation einfach, neue Medienformen kommen hinzu. Neben Texten und Fotos werden Videos und interaktive Grafiken eingebunden. Außerdem wird die Abo-Verwaltung viel nutzerfreundlicher.


Welche Neuerung gefällt dir besonders gut?

Wir können ab dem 10. April den Leserinnen und Lesern ganze Themenkomplexe anbieten. Wir sammeln und bündeln Artikel zu einem Thema, so bekommt man einen Überblick über die Gesamtlage. Das ist ein großer Vorteil gegenüber der gedruckten Zeitung – und den wollen wir voll nutzen.  

Seit wann wird an der neuen Homepage gearbeitet?

Vor einem Jahr haben wir uns  mehrere Anbieter aus Dänemark und Deutschland angeschaut und mit ihnen gesprochen. Entschieden haben wir uns dann für Comm-Press aus Hamburg, ein relativ kleines Team, das mit großem Enthusiasmus  bei der Sache ist und für den neuen Internetauftritt  das Open-Source-Projekt „Drupal“ als Plattform nutzt. Entwickler-Nerds aus der ganzen Welt arbeiten an dieser Software und verbessern sie ständig. Und weil sie sich ständig weiterentwickelt, sind wir auch sicher, dass wir mit unserem Angebot rein technisch  immer am Puls der Zeit sein werden.

Welche Herausforderungen galt es zu meistern?

Menschen, die sich online informieren, erwarten sieben Tage die Woche 24 Stunden lang Information. Für große Medienhäuser ist das machbar. Beim Nordschleswiger begann die Online-Redaktion mit einer Person, nun sind wir zu dritt. Mit dieser Besetzung müssen wir sieben Tage mit 24 Stunden  abbilden. Das ist vom Personaleinsatz ein nicht ganz einfaches Unterfangen, jeder Mensch braucht Feierabend und Urlaub und besucht auch mal Fortbildungen.

Ändert sich „nur“ der Internetauftritt oder gibt es Änderungen in der Redaktion?

Wir sind ein Medienhaus, egal ob Online, Radio oder Print. Das bedeutet: Die Online-Redaktion arbeitet nicht losgelöst von den Kolleginnen und Kollegen der gedruckten Zeitung, sondern mit ihnen zusammen. Zweimal am Tag treffen sich die Redakteure der Hauptredaktion in Apenrade und tauschen sich über das aktuelle Geschehen aus. Mit den Lokalredaktionen Tingleff, Hadersleben, Sonderburg und Tondern stehen wir zudem übers Internet und  telefonisch in engem Kontakt. Aber klar, die Abläufe ändern sich, wenn online sozusagen immer Deadline ist.

Welche Vor- und Nachteile bringt der Online-Journalismus mit sich?

Online-Journalismus ist schneller als Print, kein Papier muss bedruckt und verteilt werden.  Web-Nachrichten erreichen Menschen auf der ganzen Welt, Online-Journalismus ist multimedial, bietet mehr Möglichkeiten, ich kann Filme und Tonbeiträge, interaktive Grafiken und soziale Medien  einbauen. Aber im Vorteil der Geschwindigkeit liegt auch der Nachteil. Man muss Nachrichten bewerten, Hintergründe  ausleuchten, und das kostet Zeit. Dem Drang, schnellstmöglich  zu veröffentlichen, muss man sich manchmal entgegenstellen.  Wir können auch nicht schneller sein als die dänische Nachrichtenagentur Ritzau, das wollen wir auch nicht, wir wollen nicht die schnellste, sondern eine zuverlässige Informationsquelle  für die Minderheit und für alle sein, die sich in deutscher Sprache über Dänemark informieren wollen.

Welchen Vorteil hat die gedruckte Zeitung?

Man kann es sich morgens mit der Zeitung gemütlich machen,  wird gleich auf den neuesten Stand gebracht und das ganz konzentriert, denn eine Zeitung klingelt nicht und lenkt die Aufmerksamkeit auf andere Dinge, wie es ein Smartphone macht.  Die Zeitung liest sich auch ohne Akku oder Steckdose in der Nähe, und sie genießt diese besondere Glaubwürdigkeit.  Was „schwarz auf weiß“ gedruckt steht, das gilt. Deshalb gilt für uns:  Die gedruckte Zeitung ist unsere Tradition, unsere Marke – die wir mit ins digitale Zeitalter nehmen wollen.

Wird Online die gedruckte Zeitung ersetzen?

Irgendwann wird es so kommen, das ist leider so. Wir müssen feststellen, dass wir jüngere Menschen nicht mehr mit der Papierzeitung erreichen, sie wird von ihnen einfach nicht mehr gelesen, sie informieren sich im Netz. Darauf sind wir  eingestellt. Und in Zeiten von „Fake-News“ wollen wir im Netz eine so vertrauenswürdige Nachrichtenquelle sein, wie es die Zeitung immer war. Die wird nicht abgewickelt, wir bereiten uns aber darauf vor, dass es sie eines Tages vielleicht nicht mehr geben wird. Unser Anspruch, egal in welchem Medium, bleibt es,  das Bindeglied der Minderheit zwischen Ost- und Westküste zu sein und ansprechend und relevant aus und über Nordschleswig und Dänemark zu informieren.

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