Deutsche Minderheit

Von der Referendarin zur Schulrätin

Von der Referendarin zur Schulrätin

Von der Referendarin zur Schulrätin

Apenrade/Aabenraa
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Anke Tästensen in ihrem Büro im Haus Nordschleswig. Das Bild hinter ihr zeigt zwei Reiter am Strand. Ein schöner Blickfang für die begeisterte Pferdebesitzerin und Reiterin. Foto: Karin Riggelsen

Die 62-jährige Anke Tästensen ist seit Anfang des Jahres neue Schulrätin des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig. Ein Bürobesuch.

Seit 14 Wochen ist Anke Tästensen nunmehr im Amt. Die Wochen fliegen, und die Einarbeitungszeit – im vergangenen Jahr noch unter ihrem Vorgänger Claus Diedrichsen – ist vorbei. Der Alltag als Schulrätin des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV) hat begonnen. Und der sieht in dieser Woche des Interviews folgendermaßen aus: Montag: Schulräte-Konferenz in Rendsburg. Dienstag: Termine mit Schulleitern, Hauptvorstand und IT-Beauftragten. Mittwoch: Verträge mit Mitarbeitern ausarbeiten. Donnerstag: Besuche in Schulen und Schreibtischarbeiten. Freitag: Vorbereitungsgespräche für einen Vortrag im EU-Parlament.

„Es war sehr hilfreich, dass wir in meiner Einarbeitungszeit zu zweit waren. Da lief gerade der Prozess in Tondern und der hat einiges an Aufmerksamkeit in Anspruch genommen“, sagt Anke Tästensen. Seit Januar steht sie an der Spitze des DSSV. Für die 62-Jährige ist es die Krönung einer langen Karriere innerhalb des Schulwesens im deutsch-dänischen Grenzland. Lehramtsstudium in Flensburg und Auslandssemester in Manchester. Schwangerschaftsvertretung in Lügumkloster, Referendariat in Osterhoist und von der Referendarin zur Schulleiterin mit 31. Und nun, nach 30 Jahren in der Schulleitung – die letzten zwei Jahre davon für Rapstedt und Osterhoist – die Stelle als Schulrätin.

Eine ihrer ersten Aufgaben als Schulrätin: Kontakte knüpfen, ausbauen, pflegen. Ins Kopenhagener Unterrichtsministerium, in die Privatschulverbände, nach Kiel. Und natürlich zu den Schulen in Nordschleswig und in die Minderheit. „Die Netzwerke sind intensiv und wichtig. Ein Beispiel: Die Modernisierungsbehörde hat uns vor Kurzem angeschrieben und verlangt, dass wir uns als selbsttragende Institutionen registrieren. Es liegt aber eine andere Absprache vor. Hier haben wir uns als Privatschulen beraten und setzen gemeinsam ein Schreiben auf. So muss nicht jeder Verband für sich selbst kämpfen.“

Anke Tästensen mit ihrer Mitarbeiterin Helga Jørgensen Foto: Karin Riggelsen

Kontaktnetz

Anke Tästensen kann durch ihre Schulleiterzeit auf ein bereits vorhandenes Kontaktnetz zurückgreifen. War sie zuvor im Institut für Minderheitenpädagogik in der Arbeitsgemeinschaft aktiv, sitzt sie nun im Vorstand. Ein weiterer Vorteil: ihre Kontakte innerhalb der deutschen Minderheit. „Es hat die Sache erleichtert, dass ich so viel Erfahrung mit der Minderheit hatte. Darüber hinaus bin ich hier im Haus fantastisch aufgenommen worden. Schulamt, Sozialdienst, BDN, Jugendverband – hier im Haus herrscht eine unglaublich gute Arbeitsatmosphäre. Ich fahre gerne zur Arbeit.“

Nicht selten kommt es vor, dass sie auf dem Flur im Haus Nordschleswig, an dessen Ende ihr Büro liegt, ihrem Sohn Lasse Tästensen über den Weg läuft, der als Konsulent für den Deutschen Jugendverband für Nordschleswig arbeitet. „Ab und zu treffen wir uns in der Küche, wenn wir uns einen Kaffee holen“, sagt Tästensen. „Das ist doch ein positiver Nebeneffekt meiner Arbeit hier“, lacht sie. „Und genervt haben wir uns bislang noch nicht. „Im Gegenteil – die kurzen Wege sind für unsere Arbeit von Vorteil.“
Hier in ihrem Büro arbeitet sie außerdem Seite an Seite mit drei ihrer acht Enkelkinder. Aus ihrem Fenster kann sie direkt in den Spielbereich des Deutschen Kindergartens am Margrethenweg blicken. „Gut, dass mein Schreibtisch am anderen Ende des Zimmers und nicht direkt am Fenster steht“, lacht Tästensen. Heute ist der kleine Spielplatz leer – es regnet draußen und kein Enkel spielt in Sichtweite.

„Ich mag es sehr gerne, Lösungsansätze zu finden und Prozesse in Gang zu schieben. Denn meistens liegt die Lösung nicht direkt vor der Nase.“

Anke Tästensen Schulrätin

Sichtkontakt zu den Enkeln – das sind kleine Alltagsfreuden für den Familienmenschen Anke Tästensen. Der Kontakt zu ihren sechs Kindern ist eng, die Arbeit als Lehrerin und Schulleiterin konnte Anke Tästensen immer gut mit dem Familienleben in Einklang bringen. „Das ist ja der Vorteil am Beruf der Lehrerin: Man ist nachmittags zu Hause und kann sich mit den Kindern beschäftigen und kann abends Dinge erledigen und vorbereiten. Diese Flexibilität habe ich immer sehr geschätzt.“

Resthof in Osterhoist

Von 1982 bis 2007 lebte die Großfamilie Tästensen auf einem Resthof in Osterhoist, Pferde am Haus und Imkerei inklusive. Als ihr Mann, wie Anke Tästensen es schmunzelnd ausdrückt, „auf die glorreiche Idee kam, ins Ausland zu gehen“, um erst in Kiel fürs Ministerium und seitdem für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Ausland (Afghanistan und derzeit in Georgien) zu arbeiten, zog der Familiensitz nach Lügumkloster um. Von ihren sechs Kindern leben „glücklicherweise die meisten in Nordschleswig“, sagt Anke Tästensen. „Fünf wohnen hier im Landesteil, und die Älteste lebt in Aarhus.“ So sind ihre Enkel nie weit, Nummer acht ist gerade hinzugekommen.

Mit ihrer neuen Arbeit als Schulrätin hat sich Anke Tästensen eine kleine Wohnung in Apenrade genommen. „Dass zu Hause jetzt keiner mehr auf mich wartet, ist natürlich auch ein Vorteil für mich. Und wenn ich abends Sitzungen habe oder morgens früh Termine, dann kann ich hier in Apenrade bleiben.“ In ihrer Position hat sie nun die Möglichkeit, die Schulen ihrerseits zu prägen. Was will sie ändern während ihrer Amtszeit, welche Veränderungen schweben ihr vor? „Erst einmal war das Ankommen ganz, ganz wichtig. Die Schulentwicklung ist sicherlich ein Steckenpferd von mir. Pädagogische Projekte angehen, Konzepte erstellen, die Überarbeitung des Sprachenkonzepts und der Sprachenstrategie nimmt einen großen Teil der inhaltlichen Dinge ein, die ich mit Käthe (Nissen) als DSSV-Konsulentin und den Schulleitern umsetzen will.“ Die Sprachstrategie soll im Spätherbst fertig werden, so der Wunsch.

Entspannung auf dem Rücken ihrer Pferde

Und wie erholt sich die neue Schulrätin von ihrer Arbeit? Das Glück und die Entspannung der Erde liegen für Anke Tästensen auf dem Rücken ihrer Pferde. Über die Sommermonate stehen ihre beiden Irish Cop und ihr Holsteiner zu Hause in Lügumkloster auf der Koppel, im Winter gibt ihnen der Pattburger Reitklub ein Dach über den Schopf. „Ich komme momentan viel zu selten zum Reiten. Ich freue mich sehr auf die länger werdenden Abende, die jetzt vor uns liegen!“ Auch Mollie freut es, die Rottweiler-Collie-Hündin von Anke Tästensen, die auch als alte Dame noch gerne und ausgiebig spazieren geht.

Welche Eigenschaften sie für den Posten mitgebracht hat? Anke Tästensen nimmt sich einen kurzen Augenblick Zeit, bevor sie antwortet. „Die Ruhe bewahren können. Geduld. Ich kann spontan reagieren und auf Sachen eingehen. Ich mag es sehr gerne, Lösungsansätze zu finden und Prozesse in Gang zu schieben. Denn meistens liegt die Lösung nicht direkt vor der Nase. Diese Prozesse begleite ich gerne!“

„Das Leben in Nordschleswig, in der Minderheit, das hat mich ganz klar geprägt“, sagt die Schulrätin. „Vor allem mit Blick auf die Diversität, die es hier gibt. Die musste ich schon als Kind erklären und gleichzeitig eine Offenheit erwerben, anders als die Mehrheit zu sein. Das lernt man in der Minderheit. Objektiv hinzu kommt natürlich der Vorteil, beide Sprachen zu können.“ In welcher fühlt sie sich zu Hause? „In beiden, ich bin in beiden Sprachen zu Hause. Hinzu kommt Englisch, die Sprache, die ich studiert habe und die mir die internationale Seite der Welt eröffnet hat. Überhaupt ist das so – Sprachen öffnen die Welt“, sagt die Schulrätin.

Anke Tästensen ist selbst in Nordschleswigs Schulen groß geworden. Kindheit und Jugend in DSSV-Schulen haben sie geprägt. Nun prägt sie Alltag und Unterricht an den Institutionen.

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