Freiwilliges Soziales Jahr

Eine unvergessliche Zeit: FSJ auf dem Knivsberg

Eine unvergessliche Zeit: FSJ auf dem Knivsberg

Eine unvergessliche Zeit: FSJ auf dem Knivsberg

Kim Malin Bethke
Apenrade/Aabenraa
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Luisa Vogel, Jannis Ternka (Mitte) und Karim Amarouche haben den Knivsberg im vergangenen Jahr kennen und lieben gelernt. Foto: Karin Riggelsen

Nach dem Abitur steht eine Entscheidung an: Was kommt jetzt? Luisa Vogel, Karim Amarouche und Jannis Ternka haben sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) auf dem Knivsberg entschieden. Sie erzählen, was sie im vergangenen Jahr gelernt haben, und Lasse Tästensen lobt die drei für ihren unermüdlichen Einsatz.

Die drei FSJler Luisa, Karim und Jannis sind alle 19 Jahre alt und kommen aus den verschiedensten Ecken Deutschlands. Luisa kommt aus Sachsen-Anhalt, Karim aus Bremen und Jannis aus Hessen. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Über die Organisation Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) haben sie zur Bildungsstätte Knivsberg gefunden. Ihr Abenteuer in Dänemark startete im September vergangenen Jahres und liegt nun in den Endzügen.

„Der Knivsberg ist akkreditierter Partner der ijgd“, erklärt Lasse Tästensen, Abteilungsleiter des Deutschen Jugendverbandes für Nordschleswig (DJN). Jedes Jahr im September begrüßt er eine neue Generation von FSJlern.

Wieso der Knivsberg?

„Ich fand Dänemark schon immer interessant“, erzählt Karim. „Hier gibt es vielfältige Aufgaben, und ich war besonders begeistert davon, dass ich draußen auf dem Gelände, aber auch drinnen arbeiten kann – je nachdem, worauf ich gerade Lust habe.“

Karim Amarouche Foto: Karin Riggelsen

Auch Luisa überzeugten die abwechslungsreichen Aktivitäten. „Ich interessiere mich auch für die Grenzgeschichte“, berichtet sie. „Bevor ich mein FSJ angefangen habe, war ich auch schon einmal hier und habe mit ehemaligen FSJlern gesprochen. Die Natur und die unterschiedlichen Einsatzgebiete konnte ich mir dann auch mal live ansehen.“

FSJ in Dänemark – ist das verbreitet?

In Dänemark gebe es nicht viele Anlaufstellen, um ein FSJ zu absolvieren, so Tästensen. „Wir auf dem Knivsberg halten das FSJ für eine gute Möglichkeit, das deutsch-dänische Verhältnis positiv weiterzuentwickeln. Außerdem haben wir richtig viel davon: Unsere FSJler sind treue Kräfte, die uns nicht nur eine große Hilfe sind, sondern auch Brücken bauen. Sie haben einen riesigen Mehrwert für uns, und wenn wir mit ihrer Aufnahme auch noch einen Bildungsauftrag erfüllen können, ist das ein großes Plus.“

Die FSJler haben einen riesigen Mehrwert für uns, und wenn wir mit ihrer Aufnahme auch noch einen Bildungsauftrag erfüllen können, ist das ein großes Plus.

Lasse Tästensen, Abteilungsleiter des Deutschen Jugendverbandes für Nordschleswig

Ein Jahr, das immer in Erinnerung bleiben wird

Auf die Frage, was denn das Highlight ihres FSJs gewesen sei, folgt erst einmal schweigendes Überlegen. „Da gibt es viel“, sagt Luisa. „Darüber muss ich erst einmal nachdenken.“ Den anderen beiden geht es ähnlich.

Luisa Vogel Foto: Karin Riggelsen

Jannis fällt dann aber doch ein Wochenende ein, das ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist. „Wir hatten hier ein Abenteuerwochenende mit der Deutschen Nachschule Tingleff. Abends haben wir ein Lagerfeuer gemacht und Rehkeulen gegrillt. Wir saßen bis um 23 Uhr gemeinsam draußen, und ich fand es toll, mich auch mal mit den Gästen auszutauschen und neue Leute kennenzulernen.“

Luisa erinnert sich an ein grenzüberschreitendes Segelprojekt, an dem sie teilgenommen hat und bei dem sie mehr über die Grenzgeschichte erfahren konnte, und Karim steht der Sommergroove, der erst vor Kurzem stattfand, noch vor Augen. „Ich musiziere selbst ein bisschen und fand die ganze Veranstaltung einfach total cool und beeindruckend.“

Corona sorgte für zweimonatige Pause

„2020 sollte eigentlich ein sehr besonderes Jahr werden“, betont Lasse Tästensen. „Corona hat nicht nur unserem Knivsbergfest einen Strich durch die Rechnung gemacht, sondern auch vielen anderen Veranstaltungen, deren Planung so groß war wie lange nicht.“

Natürlich würde ich jetzt gern noch die verpassten Monate hinten dranhängen, aber das geht leider nicht.

Luisa Vogel, FSJlerin auf dem Knivsberg

Den März und den April verbrachten die drei bei sich zu Hause, nicht auf dem Knivsberg. „Es hätte deutlich schlimmer kommen können“, sagt Luisa. „Natürlich würde ich jetzt gern noch die verpassten Monate hinten dranhängen, aber das geht leider nicht.“

Neue Dinge lernen

„Ich habe gelernt, dass ich mir mehr zutrauen kann“, beantwortet Karim die Frage, was er aus seinem FSJ mitgenommen habe. „Ich sage jetzt öfter mal: ,Lass mich das mal machen' und probiere viel mehr aus.“

Luisa hat vor allem mehr Vertrauen in sich selbst. „Außerdem bin ich im vergangenen Jahr viel selbstständiger geworden. Auch Gelassenheit wird bei mir jetzt großgeschrieben, manchmal muss man den Dingen einfach ihren Lauf lassen.“

Jannis Ternka Foto: Karin Riggelsen

Jannis hat ebenfalls so einiges aus seinem Jahr in Nordschleswig mitgenommen. „Ich habe gelernt, dass ich mehr auf Leute zugehen sollte – das ist auch gar nicht so schlimm, wie man immer denkt. Außerdem ist es wichtig, dass man das Vertrauen, das einem entgegengebracht wird, auch nutzt. Ich hatte viel Spaß an meiner Arbeit, und wenn es Spaß bringt, dann kann man auch immer mehr machen als man vielleicht muss.“

Sonnenaufgang am Meer

Auf die Frage, was die drei am meisten vermissen werden, antworten sie fast dasselbe. Das Knivsbergteam, die Natur und das Gelände.

„In meiner ersten Woche hier bin ich früher aufgewacht und habe mir den Sonnenaufgang über der Ostsee angesehen – das wird mir ganz besonders fehlen“, erinnert sich Karim. „Ich werde das Meer auch ganz schön vermissen“, schließt sich Jannis an.

In meiner ersten Woche hier bin ich früher aufgewacht und habe mir den Sonnenaufgang über der Ostsee angesehen – das wird mir ganz besonders fehlen.

Karim Amarouche, FSJler auf dem Knivsberg

„Und die dänische Ruhe“, fügt Luisa hinzu. „Es ist einfach was ganz anderes, hier in die Stadt zu gehen. Nicht so hektisch wie beispielsweise in Flensburg.“

Empfehlung

In einem sind die drei sich einig: Ein FSJ auf dem Knivsberg würden sie immer wieder machen und können es nur weiterempfehlen.

„Jedem, der sich nach dem Abschluss ein bisschen in einer Selbstfindungsphase befindet, kann ich ein FSJ nur empfehlen“, erklärt Luisa. „Der Knivsberg bietet sich vor allem für handwerklich und Natur-Interessierte an.“

„Ich bin zum Beispiel nicht so sehr handwerklich begabt, aber kann es trotzdem total empfehlen“, lacht Karim. „Ich hatte ein tolles Team um mich, und es gab viel Neues zu entdecken.“

Ich fand es besonders toll, dass ich nicht im Büro sitzen musste, sondern zum Beispiel draußen in der Holzwerkstatt arbeiten konnte.

Jannis Ternka, FSJler auf dem Knivsberg

„Ich fand es besonders toll, dass ich nicht im Büro sitzen musste, sondern zum Beispiel draußen in der Holzwerkstatt arbeiten konnte oder einfach generell im Freien und der Natur.“

Und was kommt jetzt?

Luisa, Karim und Jannis streben nach Beenden ihres FSJs ein Studium an. Momentan warten sie auf die Rückmeldungen der Unis, an denen sie sich beworben haben.

„Ich möchte Lehramt studieren, entweder in Leipzig oder Rostock“, erzählt Luisa. Für Karim soll es ein wirtschaftliches Studium werden, Business Administration in Berlin. „Ich weiß noch nicht genau, was es wird, aber ich möchte etwas mit Sozialpädagogik oder Sozialer Arbeit machen. Am liebsten soll es dann in Richtung Waldpädagogik gehen“, berichtet Jannis.

Egal, wohin es die drei verschlägt, den Knivsberg und ihre Zeit dort werden sie immer in guter Erinnerung behalten.

Die drei jungen Leute sind zwar traurig, dass sich ihr FSJ dem Ende neigt, freuen sich aber auch auf neue Herausforderungen. Foto: Karin Riggelsen
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