Geologie

Tödlicher Erdrutsch in Nordschleswig eher unwahrscheinlich

Tödlicher Erdrutsch in Nordschleswig eher unwahrscheinlich

Tödlicher Erdrutsch in Nordschleswig eher unwahrscheinlich

Paul Sehstedt
Nordschleswig
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Am Morgen des 30. Dezember setzte sich das Erdreich im Ort Ask in Bewegung, mehrere Menschen kamen um. Foto: Gorm Kallestad/NTB/Ritzau Scanpix

Ein Erdrutsch forderte kürzlich in Norwegen mehrere Todesopfer. Kann das auch in Nordschleswig passieren?

Nachdem die norwegische Kommune Gjerdrum in Norwegen am Morgen des 30. Dezember von einer Erdrutschkatastrophe, die zehn Menschenleben forderte, getroffen wurde, stellte „Der Nordschleswiger" dem Geologen Kristian Svennevig von der dänischen geologischen Forschungseinrichtung – De Nationale Geologiske Undersøgelser for Danmark og Grønland (GEUS) die Frage, ob in Nordschleswig ein ähnliches Ereignis eintreten kann.

„Das ist aus meiner Sicht unwahrscheinlich, da der Boden in Nordschleswig und Dänemark im Allgemeinen aus einem stabileren Material zusammengesetzt ist als in Norwegen“, beruhigt Svennevig. „In Gjerdrum besteht der Boden aus Quickton, der aus altem Meeresboden aufgebaut ist. Durch die Anhebung Skandinaviens nach einer Eiszeitperiode wurde dieser vom Meer abgetrennt, enthält aber viel Salz, das durch elektrolytische Wechselwirkung die Bodenpartikel zusammenhält. Durch Regenwasser wird das Salz ausgewaschen, und der Boden verliert seine Stabilität. Oder vereinfacht erklärt: Quickton ist vergleichbar mit einem Kartenhaus: Wird eine Karte entfernt, fällt das ganze Gebäude zusammen.“

Und das kann in Nordschleswig nicht geschehen?

„Um bei den Spielkarten zu bleiben: Bei uns liegt der Ton ähnlich übereinander ausgebreitet wie ein hingeworfenes Kartenspiel. Dadurch ist die Festigkeit höher“, erklärt der Forscher und setzt fort: „Erdrutsche kommen gelegentlich auch in Dänemark vor. Im Moment arbeiten wir gemeinsam mit der Universität Kopenhagen an einer kartografischen Erfassung der rund 3.000 Erdrutsche, die bekannt sind. Aus dem fertigen Material werden Regionen und Kommunen dann die betroffenen Gebiete ablesen können. Fällt mehr Niederschlag, steigt das Risiko, dass an bestimmten Orten der Boden instabil wird und abrutschen kann. Besonders betroffene Regionen sind bereits informiert worden.“

Der Erdrutsch an der Steilküste von Gjerrild, Djursland, im Februar/März 2020 Foto: Kristian Svennevig, GEUS

Sind größere Erdrutsche aus jüngster Zeit bekannt?

„Im vergangenen Frühjahr rutschte bei Gjerrild Klint auf Djursland ein erhebliches Stück ins Kattegat. Bei Apenrade sind uns Rutschungen an mehreren Stellen bekannt, doch diese ereigneten sich bereits vor etwa 10.000 Jahren“, schließt Kristian Svennevig.

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