Sankelmark

Specht: „Ohne Jugendzeit in Nordschleswig wäre ich nicht in diese Position gekommen“

Specht: „Ohne Jugendzeit in Nordschleswig wäre ich nicht in diese Position gekommen“

Specht: „Ohne Jugendzeit in Nordschleswig wäre ich nicht in diese Position gekommen“

Sankelmark
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Helle Specht, neben ihr Uwe Jessen, beantwortete nach ihrem Vortrag in der Akademie Sankelmark viele Fragen aus dem Publikum. Sie berichtete, dass die Sicherheitstechnik ihres Unternehmens nicht in falsche Hände geraten darf. Foto: Volker Heesch

Helle Paulsen Specht referierte bei der BDN-Neujahrstagung in Sankelmark über ihren Weg an die Spitze des Armierungsherstellers TenCate in Dänemark.

„Schutz von Menschen erfordert hohe Qualität. Wenn wir einen Fehler machen, kann das Menschenleben kosten.“ Mit diesen Worten unterstrich die aus Hoyer stammende Chemie-Ingenieurin Helle Paulsen Specht in ihrem Vortrag während der Neujahrstagung des Bundes Deutscher Nordschleswiger die besondere Verantwortung, die auf ihr als Geschäftsführerin der dänischen Niederlassung des Unternehmens Tencate lastet, das sich auf Herstellung und Montage von Armierungstechnik für militärische und zivile Fahrzeuge, Schiffe und Schutzkleidung spezialisiert hat.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer im voll besetzten Saal der Akademie Sankelmark versetzte Helle Paulsen Specht mit der Präsentation ihrer Tätigkeit bei der Produktion von Technik in Staunen, die Polizisten im Kugelhagel bei Antiterroreinsätzen wie bei den Anschlägen in Paris, Seeleute bei Anti-Piraten-Operationen am Horn von Afrika oder Soldaten im Irak bei Fahrten durch Sprengfallen vor tödlichen Geschossen und Splittern schützen. „Wir stellen Schutzmaterial mit Leichtgewicht her“, erläuterte Sprecht und fügte hinzu: „Stahl schützt auch, aber er ist sehr schwer.“

Das Besondere an dem von ihr im Unternehmen in Vissenberg auf Fünen hergestellten Material sei das um die Hälfte geringere Gewicht im Vergleich zu Stahl, was die Produkte nicht nur interessant in aller Welt macht, sondern auch mit umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen und Exportgenehmigungspflicht durch das dänische Justizministerium verbunden ist.

Helle Specht Foto: Volker Heesch

Schutzschilder

Bewährt haben sich die Produkte ihres Unternehmens bei den furchtbaren Terrorangriffen vor einigen Jahren in der Innenstadt von Paris. Dort widerstanden Schutzschilder der dort eingesetzten französischen Spezialeinheiten den Schüssen der Terroristen aus deren Maschinengewehren. „Pariser Polizisten bedankten sich persönlich bei den Kollegen im französischen Werk von Tencate“, so Paulsen Specht, die erläuterte, dass die dänische Niederlassung von Tencate aus einem dänischen Unternehmen hervorgegangen ist, das später von einem niederländischen Hersteller von Sicherheitsmaterial erworben wurde und mittlerweile im Besitz eines US-Unternehmens ist.
Helle Specht hatte ihre Ausführungen mit einem Bericht ihres eigenen Werdegangs eingeleitet. Aufgewachsen im Schleusenmeisterhaus in Hoyerschleuse, wo sie vor dem Bau des neuen Deiches bis 1982 noch direkt auf das Wattenmeer samt Sturmfluten blicken konnte, mit Besuch der deutschen Schulen in Hoyer und Tondern sowie des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig in Apenrade.

„Das war noch die Zeit ohne Facebook“, warf sie augenzwinkernd ein und berichtete über ihre aus heutiger Sicht sehr schöne Jugend in Nordschleswig. Sie habe viele schöne Erlebnisse im Ruderverein in Hoyer oder auch bei der SG West in Erinnerung. Entscheidend sei aber auch gewesen, dass sie sich schon als Jugendliche in den Vereinen engagiert habe. „Ich bin auch den vielen Erwachsenen dankbar, die sich in meiner Kindheit und Jugend ehrenamtlich für die Gemeinschaft zur Verfügung gestellt haben“, so die heutige Unternehmensleiterin, die auch direkt die während des Vortrags in der Akademie Sankelmark anwesenden Jugendlichen ansprach und zum persönlichen Engagement aufforderte.

Zeit am Gymnasium

Sehr gerne denke sie auch an ihre Zeit am Gymnasium zurück. „Unser Jahrgang war der beste“, sagte sie schmunzelnd und berichtete, dass sie ihre Berufswahl, Chemie-Ingenieurin zu werden, während eines Sabbatjahres nach dem Abitur getroffen habe. „Ich wollte verschiedene Berufe ausprobieren“, erklärte Helle Specht und verriet, dass sie durch Kontakt mit Ingenieurstudierenden in Sonderburg, wo sie im Krankenhaus gearbeitet hatte, Interesse für ein naturwissenschaftliches Studium gefunden habe. Ganz entscheidend seien für sie während der ersten Studienzeit in Odense der Kontakt und die Freundschaft mit anderen Nordschleswigern gewesen. Sie berichtete über die ersten beruflichen Stationen nach Abschluss des Studiums mit dem Titel einer Zivilingenieurin.

Vom Universitätskrankenhaus in Odense, wo sie für Qualitätssicherung zuständig war, ging es in ein Unternehmen, wo sie Gummimischungen für industrielle Zwecke entwickelte. Später war sie bei einem Unternehmen, das Fernwärmerohre produziert. Schließlich sei sie zu der Firma gekommen, für die sie nun schon über zehn Jahre im Einsatz ist. Sie berichtete, wie sie dort die Karriereleiter erklimmen konnte bis in die Unternehmensspitze, was sie oft in die übrigen Produktionsstätten in die USA und nach Frankreich führe. Sie berichtete über laufende Fortbildung, roter Faden sei in ihrer Karriere stets die Beschäftigung mit Rohstoffen, die in wertvolle Produkte verwandelt werden, jetzt Produkte der Sicherungs- und Armierungstechnik. „Meine grundlegenden Bausteine habe ich aus Nordschleswig mitgenommen“, unterstrich Helle Specht und fügte hinzu: „Ohne Jugendzeit in Nordschleswig wäre ich nicht in diese Position gekommen.“

Bei ihrem Agieren in der internationalen Geschäftswelt kämen ihr sehr das besondere interkulturelle Verständnis als Mitglied der deutschen Minderheit zugute.
Helle Specht, die sich auch den Fragen des Publikums stellte, verriet auch Internes aus dem internationalen Unternehmen. Zum Beispiel das niedrigere Lohnkosteniveau der Werke in den Niederlanden und den USA, das aber durch die Effektivität in der dänischen Produktion und Entwicklungsabteilung mit 20 Ingenieuren kompensiert werde.
Abschließend berichtete Helle Specht auch über ihre Familie, die zwischen Fredericia und Vejle lebt, aber sowohl die deutsche Sprache als auch Sønderjysk hochhält. „Bei der Oma in Tondern und bei den Großeltern in Hoyer wird auch mit den zwei Kindern Deutsch gesprochen“, verriet sie. Das gelte auch für den Freundeskreis.

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