Analyse

SP mit immer mehr PS

SP mit immer mehr PS

SP mit immer mehr PS

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
Nordschleswig
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Die Spitzenkandidaten der SP für die anstehende Wahlen. Foto: K. Riggelsen

Seit 2005 geht es für die Schleswigsche Partei überall in Nordschleswig nur aufwärts. Eine Analyse der Wahlzahlen seit 2005

2013 erzielte die Schleswigsche Partei mit 8.620 Stimmen ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Kommunalwahl seit 1946: Nur übertroffen von vier Folketingswahlen 1953, 1957, 1960 und 1964, wo die Stimmenzahl für die Liste S jeweils über 9.000 lag.

2005 wurden die Kommunalräte erstmalig nach der neuen Kommunalreform gewählt, die aber offiziell erst 2007 inkrafttrat. Die alten Stadträte blieben 2005 noch für ein Jahr in Funktion, gleichzeitig wurden Fusions-Ausschüsse gewählt, die dann ab 2007 in den neuen Großkommunen politische Verantwortung trugen.

Vor diesem Hintergrund fanden eigentlich erst 2009 „richtige“ Kommunalwahlen in den neuen Kommunen statt – im alten Nordschleswig nun in Apenrade, Tondern, Hadersleben und Sonderburg.

Blicken wir auf die Entwicklung der Zahlen seit 2005, dann gab es für die SP seitdem bei jeder Wahl Stimmengewinne in allen vier Kommunen – nirgends Verluste. Von 4.297 Stimmen im Jahre 2005 kletterte die Zahl 2009 auf 5.249 Stimmen und explodierte dann mit dem sensationellen Ergebnis 8.620 vor vier Jahren.

Sonderburg

Schauen wir auf die einzelnen Zahlen in den Kommunen, dann ist Sonderburg mit Spitzenkandidat Stephan Kleinschmidt einfach überragend. Hier holte die SP fast 40 Prozent aller Gesamtstimmen. Es begann 2005 mit 874 Stimmen, diese Zahl wurde 2009 fast verdoppelt (1.525 Stimmen), um 2013 schließlich 3.378 Stimmen zu erreichen.

Die persönlichen Stimmenzahlen von Stephan Kleinschmidt: 590 (2005), 1.276 (2009) und 2.572 (2013), wobei er bei der jüngsten Wahl in der Großkommune bei den persönlichen Stimmen Platz vier belegte. Der jetzige sozialdemokratische Bürgermeister Erik Lauritzen erhielt damals 3.629. Das beste Einzelergebnis erzielte die SP übrigens mit 15,2 Prozent im Wahllokal Ahlmannsparken Gravenstein gegenüber 7,8 Prozent in der Gesamt-Kommune.

Tondern

In Tondern wählen die Bürger einen neuen Bürgermeister, denn Venstre-Bürgermeister Laurids Rudebeck, der 2013 mit 1.900 die meisten persönlichen Stimmen auf sich zog, starb unerwartet 2016 und wurde dann durch Venstres Henrik Frandsen ersetzt, der vor vier Jahren 548 Stimmen erhielt.
Die Schleswigsche Partei kam 2005 auf 978 Stimmen, verbesserte sich 2009 auf 1.011 Stimmen, wobei Jørgen Popp Petersen erstmalig antrat und gleich 329 persönliche Stimmen verbuchte. Bei der jüngsten Wahl stieg der Stimmenanteil von Liste S auf 1.621 Stimmen (7,5 Prozent). Bei den persönlichen Stimmen rangierte Popp mit 840 sogar auf Platz drei in der Kommune Tondern.

Ein interessantes Einzelergebnis: 2005 holte die SP 15,2 Prozent in Osterhoist, 2009 waren es 18,8 Prozent und 2013 mit Popp-Bonus sensationelle 27,6 Prozent.

Apenrade

In Apenrade erreichte die SP 2005 insgesamt 2.002 Stimmen – das waren 5,9 Prozent. 2009 gab es einen kleinen Anstieg auf 2.090 Stimmen bzw. 6,8 Prozent. 2013 brachte 2.762 Stimmen – 8,5 Prozent.

Spitzenkandidat Erwin Andresen begann seine Karriere 2005 mit 55 persönlichen Stimmen, sprang 2009 auf 622 und landete 2013 mit 953 Stimmen sogar an vierter Position in der Kommune Apenrade, wo Venstres-Bürgermeister Thomas Andresen mit 5.344 Spitzenreiter wurde.

2009 war die SP im Wahllokal Uge/Uk, dem Wohnort von Erwin Andresen, mit 34,4 Prozent sogar die stärkste Partei. Im Wohnort von Stadtratsmitglied Kurt An-dresen, dem Wahllokal Bülderup, gab es 2009 25,4 Prozent der Stimmen – 2013 sogar sensationelle 31,6 Prozent knapp hinter Venstre. Kurt Andresen, Nolde, gewann vor vier Jahren 447 persönliche Stimmen. In der alten Minderheiten-Hochburg Tingleff verzeichnete die SP 2013 21,0 Prozent – zum Vergleich im Wahllokal Apenrade Nord „nur“ 4,8 Prozent.

Die Wahlergebnisse der SP seit 1964. Foto: DN

Hadersleben

Auch in Hadersleben hat die SP von Wahl zu Wahl Stimmen gewonnen: von 361 Stimmen (2005) auf 623 (2009) und 859 (2013), prozentual von 2,0 auf 2,7. 2005 reichte es noch nicht zu einem vollgültigen Mandat – es gab damals das 32. Mandat ohne Stimmrecht.

Seit 2005 sitzt Uwe Jessen aber im Stadtrat, seit 2009 auch mit Stimme. 2005 begann er mit 188 persönlichen Stimmen, 2009 wurden 273 verzeichnet, und 2013 kam er auf 399. Der BDN-Generalsekretär Jessen hat auf eigenen Wunsch diesmal auf Platz eins verzichtet; neuer Spitzenkadidat ist der SP-Vorsitzende Carsten Leth Schmidt, der 2009 erstmalig kandidierte. Er hat seine persönlichen Stimmenzahlen von 37 auf 129 vor vier Jahren verbessert.

Regionswahl

Erstmalig bewirbt sich die Schleswigsche Partei auch um einen Sitz im Regionsrat von Süddänemark. Spitzenkandidat ist der frühere SP-Sekretär Gösta Toft. Die Chancen sind schwer zu beurteilen. Bei der jüngsten Amtsratswahl im alten Nordschleswig erreichte die Schleswigsche Partei 4.420 Stimmen, aber das war 2001.

Entscheidend wird sein, ob die kommunalen Wähler der SP auch die Regionsliste unterstützen und was beim Sprung über die Königsau auch in anderen Teilen der Region auf die Liste S entfällt.

Am 21. November haben nicht nur die Nordschleswiger, sondern auch Wähler z. B. in Esbjerg, Vejle oder Odense, ja sogar auf Langeland die Möglichkeit, ihr Kreuz hinter Liste S zu setzen. Ein spannendes Experiment.

P. S. Nicht alle Zahlen sind übrigens direkt vergleichbar, weil sich z. B. die Grenzen von Wahllokalen seit 2005 in den vier Kommunen verändert haben.

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