Deutsche Minderheit

Sonnenseite von Mandø und Wattenmeer

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Inselführer Jeff Brig Hansen (r.) und HAG-Vorsitzender Lorenz P. Wree in der Inselkirche mit Altarbild. Foto: Volker Heesch

Die Tagesfahrt der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig führte auf Wattenmeereiland und ins neue Wattenmeercenter Vester-Vedsted.

Kaum Wind, klare Sicht und herrliches Sommerwetter begleiteten die über 40 Mitglieder der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig (HAG) bei ihrer Tagesfahrt mit der Wattenmeerinsel Mandø und Wattenmeermuseum Vester Vedsted als Ziel. „Wir haben ein Abenteuer vor uns“, so der HAG-Vorsitzend Lorenz P. Wree, als sich die Heimatkundler in den Doppelstockanhänger des Unternehmens „Mandø Traktorbusser“ begaben. Doch Hin- und Rückfahrt über den Ebbeweg verliefen ohne Zwischenfälle. Der PS-starke Traktor brummte über Deiche und Vorland in den Wattbereich, aus dem Schwärme von Vögeln aufgescheucht wurden, sich die Wolken malerisch in den Wattpfützen spiegelten.

Bei der Ankunft auf Mandø schlüpfte Buschauffeur Jeff Brigg Hansen in die Rolle des Inselführers. Er gab einen Überblick, z. B., dass die Insel bereits im 13. Jahrhundert besiedelt worden ist, im heutigen Nordbereich des Eilands. Dort musste das Dorf allerdings aufgegeben werden, später wurde auf Karten noch „Gammel Mandø By’s Ødeplads“ angegeben, gelegen auf einer getrennt von der auf einer zweiten Insel liegenden neuen Siedlung.


Die kleine Holländermühle, erbaut in der 1830er Jahren, ist ein Wahrzeichen der Insel. Foto: Volker Heesch

Häuser auf Dünen errichtet

Beim Rundgang berichtete Brigg Hansen, der aus einer Mandøer Familie stammend zusammen mit seinem Bruder Martin auch den Mandø Kro betreibt, dass die Häuser auf Dünen errichtet worden waren. Erst 1887 wurde der kleine Dorfdeich erbaut, die landwirtschaftlich genutzten Marschflächen, die bei jeder Sturmflut überschwemmt, aber auch auf natürliche Weise gedüngt wurden, bekamen 1935 bis 1937 einen Schutzdeich, der sich allerdings 1981 bei der schweren Sturmflut am 24. November als zu niedrig erwies. In der Marsch nach 1937 erbaute Höfe wurden damals erheblich beschädigt.

Ein Höhepunkt der Tour, die auch zur Sturmflutsäule führte, war der Besuch in der Kirche, wo der Inselführer berichtete, dass dort Platz für 100 Personen ist. Nachdem die Einwohnerzahl 1890 auf knapp 300 gestiegen war, leben aktuell nur noch 26 Personen dauerhaft auf Mandø. Er erläuterte die ärztliche Versorgung, Schulbesuch und Gottesdienste. Und er stellte Figuren in der Kirche vor, die man auf dem Boden gefunden hatte, vermutlich irgendwann angeschwemmt.

Besonderes Interesse fand das Altarbild Joakim Skovgaards (1853-1933), „Christus führt den Räuber ins Paradies“. Es ist eine Kopie, so HAG-Vorsitzender Lorenz P. Wree, das Original hängt in den Hirschsprungske Samling. Ob es Strandräuber auf Mandø gegeben hat, kam angesichts des Bildmotivs nicht zur Sprache. Mit reichlichem Essen im Inselkrug und guter Tourplanung von Harald Søndergaard, Gisela Jepsen und Claus Pörksen, erwies sich die Exkursion als lehrreich und eindrucksvoll.

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