Deutsche Schulen

Schüler diskutieren über die Werte der Politik

Tim Wegner
Apenrade/Aabenraa
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Karsten Voigt
Karsten Voigt (l.) nahm sich die Zeit, um alle Fragen ausführlich zu beantworten. Nicht immer waren sich alle einig. Foto: Tim Wegner

Schüler des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig in Apenrade haben mit dem langjährigen Bundestagsmitglied Karsten Voigt diskutiert. Im Video erklärt er, welche Auswirkungen die Bundestagswahl auf Dänemark haben könnte.

Schüler des deutschen Gymnasiums für Nordschleswig hatten am Mittwoch die Möglichkeit, mit dem ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Karsten Voigt über die Situation in der deutschen Politik zu diskutieren. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN).

Die deutsche Botschaft hatte Voigt vorgeschlagen, da er in Kopenhagen Skandinavistik studiert hatte und mit Dänemark immer noch sehr vertraut ist. In der Diskussion, die im Rahmen des Geschichtsunterrichts stattfand, wurde jedoch wenig über das Thema Wahlkampf, sondern mehr über die moralischen Werte der Politik angeregt gesprochen.

Voigt stellte sich Fragen über Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien und Donald Trump. Für Voigt war es nicht immer einfach, den Schülern zu vermitteln, dass der politische Prozess mehr ist, als ein einfaches Freund-Feind-Schema.

Voigt veranschaulichte anhand der politischen Beziehungen zur Zeit des Kalten Krieges, dass man auch mit Menschen sprechen müsse, welche man moralisch ablehne. Staaten wie Saudi-Arabien oder Russland verändere man nicht von außen. An dieser Stelle muss man anmerken, dass Voigt von Sanktionen privat wenig hält. Nicht immer sei dieser Umgang mit solchen Staaten einfach, betont er.

Eine gesunde Streitkultur – auch bei Animositäten

Anschließend wurde über die moralische Einstellung der deutschen Parteien hinsichtlich der AfD und eines potenziellen Einzuges der AfD in den Bundestag gesprochen. Voigt kennt Gauland aus seiner politischen Karriere noch als CDU-Politiker und weiß, dass es nicht immer einfach sei im Umgang mit Menschen von denen man persönlich nicht viel halte. Doch das, so argumentierte Voigt, sei das was Politik ausmache, eine gesunde Streitkultur. Diese gäbe es so nirgendwo sonst.

Die Schüler griffen diese Idee der Streitkultur auf und wollten von Voigt wissen, was er von einer Armee der EU halte. Voigt bekannte sich als starker Befürworter einer solchen Idee und forderte mehr Zusammenarbeit zwischen den Staaten der europäischen Union. Er ging sogar soweit, dass er einen gemeinsamen EU-Außenminister mit vollen und souveränen Kompetenzen forderte.

Auf die Frage eines Schülers für wie realistisch er das halte, meinte Voigt, dass es noch eine oder zwei Generationen dauern könnte. Die Debatte über Sicherheitspolitik, die auch den deutschen Wahlkampf bestimmt, füllte mehr als die angestrebten 45 Minuten. Am Ende sogar mehr als eine Stunde. Abschließend kann man von einer gelungenen Veranstaltung sprechen. Die Veranstaltung hat den Schülern eine optimale Gelegenheit geboten, Politik von „innen“ einmal näher kennen zu lernen.

Fragen an Karsten Voigt

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